21.02.2020 - 16:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Modernste Technik in der Fronfeste gut versteckt

Einen Rundgang durch die Räume des neuen Lernstandortes durften die Gäste nach der feierlichen Einweihung der sanierten Fronfeste machen. Sie erhielten Einblicke, wie virtuelle Lehre in einem historischen Gebäude funktioniert.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Begeistert vom neuen Lernstandort in der umgebauten Fronfeste zeigten sich die Gäste bei einem Rundgang nach der Einweihung. Im Anschluss an die Schlüsselübergabe führten Architekt Peter Brückner und Bürgermeister Franz Stahl durch die Räume und erläuterten die Umbauten.

Nachhaltige Nutzung

"Tirschenreuth macht vor, wie Ressourcen und Potenziale vor Ort genutzt werden können, um jungen Menschen in der Region attraktive berufliche Perspektiven zu bieten. Als Wissenschafts- und zugleich Kunstminister freut es mich enorm, dass wir mit diesem Projekt auch ein historisches Denkmal erhalten und mit neuem Leben füllen können", sagte Staatsminister Bernd Sibler über die nachhaltige Nutzung des historischen Gebäudes. Denn im ehemaligen Polizeigebäude, das zuletzt leer stand, wurden moderne Räume für Studenten zweier Studiengänge geschaffen.

Artikel über die Einweihung mit Staatsminister Bernd Sibler:

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Besonders von der Technik habe das Gebäude enorm viel zu bieten, sagte Architekt Peter Brückner. "Die es aber zu verstecken galt." Denn die Studenten lernen dort auf Basis moderner Blended-Learning-Lehrmethode, also der Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und E-Learning-Modulen sowie bester medialer Ausstattung, etwa interaktiven Touch-Screens und Video-Konferenz-Systemen. Mithilfe von Kameras, Mikrofonen und mehreren großen Bildschirmen müssen Dozent und Studenten nicht mehr im gleichen Raum sitzen. Die Übertragung ist interaktiv, die Studenten können Fragen stellen und der Dozent direkt darauf reagieren. "Große Vorlesungssäle, in denen 300 Leute sitzen, müssen nicht mehr sein", betonte Jana Faerber, Fakultätsreferentin für den berufsbegleitenden Studiengang "Soziale Arbeit" an der OTH Regensburg.

Symbiose aus Alt und Neu

Das Treppenhaus im Eingangsbereich, ein Anbau aus der Barockzeit, sei statisch eine Herausforderung gewesen, blickte der Planer zurück. Direkt unterhalb befindet sich das historische Gewölbe. "Hinter der Konstruktion steckt sehr viel Know-how." Was zum historischen Charakter des Gebäudes gehört, wollten die Architekten unbedingt erhalten, als Kontrast zu den neuen Elementen. "Wir heben deutlich hervor, was neu ist." Große Herausforderung sei auch eine einheitliche Bodenhöhe gewesen. In jetzigen Seminarräumen wurde teils ein halber Meter Erdreich abgetragen. So entstanden die Sitzbänke unterhalb der Fenster - dort wurde die ursprüngliche Fußbodenhöhe belassen. "Wie viel wir verändert haben, fällt heute gar nicht mehr auf."

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Vom Mittelgang aus geht es links und rechts in zwei große Vorlesungsräume und mehrere kleine Seminarräume, Büros und in eine Teeküche. Die Grundrisse der Räume sind im Erdgeschoss und in der ersten Etage gleich. In den ehemaligen Zellentrakten befinden sich nun die Toiletten. "Das Gebäude ist nicht wiederzuerkennen", staunte Polizeiinspektionsleiter Werner Schönfelder, der sozusagen "Vormieter" in der Fronfeste war.

Während im Treppenhaus viel Stahl verbaut ist, liegt der Fokus in den Räumen eher auf Holzelementen. Natürliche Farben sorgen für ein ruhiges Ambiente. Die beigefarbenen Vorhänge sind von der Tuchfabrik Mehler, in der Küche ist Flossenbürger Granit verbaut. Brückner sprach von schlichter Materialität. "Wir wollten die Grundstruktur beibehalten." Auch viele Nischen und die Steinstruktur an den Wänden wurden original belassen.

Das Kellergewölbe hat mit Granitplatten einen edlen Boden erhalten. Die Mauern aus dem 15. Jahrhundert werden durch Lichtleisten im Boden hervorgehoben. Der Keller soll für Veranstaltungen des Museumsquartiers zur Verfügung stehen. Beim Tag der Städtebauförderung am 16. Mai 2020 dürfen interessierte Bürger einen Blick in das Gebäude werfen.

Trauungen in der Fronfeste

Die Seminarräume sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Mit einem elektronischen Schlüssel haben die aktuell 44 Studenten in der Kreisstadt Zugang. In einen Raum zieht allerdings bis Ende des Jahres das Standesamt ein. Dort finden die Trauungen statt, bis der Saal im historischen Rathaus saniert ist.

"Hier ist ein urbaner neuer Stadtteil mit Kultur-, Bildungs-, Sozial- und Freizeiteinrichtungen mit städtebaulicher Ästhetik entstanden", freute sich Bürgermeister Franz Stahl, dass mit der Fronfeste als Lernstandort ein weiterer Baustein hinzugekommen ist.

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