03.11.2021 - 15:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Neue Wegkapelle mit magischem Klang in den Waldnaabauen

Balken für Balken wächst derzeit die Wegkapelle der Rotarier neben dem Vizinalbahnradweg in den Waldnaabauen. Und wer will, kann dort mit „einziehen“.

Balken für Balken wächst derzeit die Wegkapelle der Rotarier in den Waldnaabauen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Noch ist der einzigartige Ort der Besinnung in den Waldnaabauen erst auf der Zielgeraden. Doch selbst durch den Lärm der Schlagschrauber kann die Wirkung der neuen Wegkapelle, der Architekt Peter Brückner ein beeindruckendes "Gewand" und ein entsprechendes Konzept mitgegeben hat, jetzt schon das banale Getöse übertönen. Noch bevor der erste Schlag der Glocke an dem schlanken Holzturm erklingen wird, hat die Kapelle schon ihre Position als weiterer Erlebnisraum am Vizinalbahnradweg eingenommen. Wer will, kann durch eine Spende Teil dieses besonderen Erlebnisses werden.

Es braucht nicht viel Fantasie, um der Philosophie dieses ungewöhnlichen Projektes zu folgen. Denn ein Plan von Peter Brückner ist in keinem Fall einfach nur Anleitung für ein Bauwerk. In den Objekten des Architekten realisiert sich meist eine besondere Geschichte. Und bei der "Wegkapelle in den Waldnaabauen" schreibt der Tirschenreuther gleich mehrere Kapitel mit dazu. So ist das Bauwerk eigentlich ein Geschenk zu seiner Zeit als Präsident des Rotary-Clubs Stiftland.

Hommage an heimische Elemente

An dem Radweg reiht sich die Kapelle in die Anziehungspunkte Himmelsleiter oder Heusterzbrücke ein. Bildet zudem abseits des Touristenstroms an einem wieder angestauten alten Teich einen Ruhepol, einen Ort der Besinnung. Umgeben von der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft findet sich ein Rückzugsort, ein Erlebnisraum, der den Blick nach außen und auch innen lenkt. Eine Fülle von Details, die in den klar strukturierten Baukörper verpackt sind, runden das Paket ab.

Ein leicht gewundener Weg, der teilweise einen alten Damm nutzt, führt zur Kapelle. Das Rad kann auf einem Platz neben dem Radweg geparkt werden, Fahrradständer werden dort aufgestellt, ebenso eine Info-Tafel, die auch die Spender erwähnt. Der Holzkörper aus 325 Fichtenbalken, jeweils 25 mal 25 Zentimeter stark und bis zu neun Meter hoch, fußt auf einem ungewöhnlichen Fundament. Als "Hommage an die heimischen Elemente" hat der Planer zusammen mit einer führenden Fachfirma einen speziellen Beton entwickelt.

Kaolinsand kommt dabei zum Einsatz und verschafft dem Sockel (drei mal sechs Meter Fläche) eine einzigartige Struktur. Darauf wachsen die massiven Balken in die Höhe. Doch sind die bei Mondschein geschlagenen Fichtenstämme nicht allein äußere Hülle. Die Balken reichen fast auf der gesamten Grundfläche tief in den Raum hinein, verkürzen sich nur in einer Ecke zu einem Oberlicht. Außen unbehandelt, sind die Balken zum Oberlicht hin mit einer alu-farbenen Schlagmetallbeschichtung versehen. Die Wucht des Holzkörpers verliert sich im silber-glänzenden Lichtstrom.

Nische für eine Glocke

Ein schmaler Zugang führt an einer Ecke in die Kapelle. Im Inneren wird die ungewöhnliche Beleuchtung auch die jeweilige Tageslichtsituation wiedergeben. Außen am Holzkorpus hat der Planer eine Nische für eine Glocke vorgesehen - und freut sich hier über die Unterstützung der Familien Johanna und Max Zintl sowie Leonhard Zintl. Sie haben für die Waldecker Burgruine Glocken gießen lassen und jetzt eine für die Kapelle gespendet. Einmal "Probeläuten" im Büro des Architekten macht neugierig, wie sich dieser voluminöse Klang später einmal in der Natur der Waldnaabaue entfalten wird.

Auf der kleinen Halbinsel, an der die Kapelle entsteht, wird das Wasser einmal bis an eine Seite des Sockels reichen. Zudem findet sich außen an der Kapelle auch Platz für eine kleine Sitzbank, ebenfalls bestens geeignet, der umgebenden Natur einen Zugang zur eigenen Erlebniswelt zu schaffen.

Stets offene Tür

Ursprünglich hätte das Projekt Wegkapelle schneller vorankommen sollen, doch Corona hat auch hier die Pläne durcheinandergebracht. Und dann durfte der Bau mit Rücksicht auf die Natur sowie die Tierwelt erst in den ruhigeren Herbstmonaten beginnen. Als Präsident wird Brückner die Fertigstellung jetzt nicht begleiten, seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Und schon beim Baustellenbesuch fällt es nicht schwer, diese Begeisterung zu teilen. Aktuell hebt der Kran die abgelagerten Balken in die Höhe, drängen lange Schrauben die Stämme zu einem massiven Körper zusammen. Die "Baustraße" zur Kapelle wird übrigens nach Abschluss wieder ganz in den natürlich Zustand zurückgeführt.

Lange wird es bis zum ersten Glockenton an der neuen Wegkapelle der Rotarier in den Waldnaabauen nicht mehr dauern. Der genaue Einweihungstermin wird demnächst festgelegt. Dann ist der Ort für alle, die Besinnung suchen, geöffnet. Freilich ist auch jeder willkommen, den Neugierde oder Interesse treiben. Nachdem es weder für Besinnung noch Neugierde Besuchszeiten gibt, wird auch keine Tür die Menschen aussperren.

Im August vergangenen Jahres wurden die Pläne für die Wegkapelle vorgestellt.

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Hintergrund:

Finanzierung des Wegkapelle-Projekts auch mit Balken-Patenschaft

  • Kosten: rund 230 000 Euro.
  • Bei der Finanzierung können die Rotarier auf gut die Hälfte aus der Leader-Plus-Förderung bauen. Die andere Hälfte wird über das Rotary-Hilfswerk und Projektpaten gestemmt.
  • Zur Unterstützung können Patenschaften für Holzbalken der Kapelle übernommen werden.
  • Für einen Spende von 150 Euro wird eine Metallplakette mit den Initialen am unteren Ende einer der 257 Innenbalken angebracht.
  • Ein Spendenbetrag von 500 Euro wird für einen der umgebenden Außenbalken erhoben. Die Sponsoren oder Familien werden dafür auf einer größeren Metalltafel genannt.
  • Die Balkenspenden können sich die Rotarier auch gut als originelles Weihnachtsgeschenk vorstellen.
  • Eine Spende kann durch eine Überweisung auf das Konto des Rotary Hilfswerks bei der Commerzbank Tirschenreuth (DE 57 7814 0000 0831 9774 00) erfolgen (Spendenquittungen möglich).
  • Weitere Informationen: https://stiftland.rotary.de

Vom Vizinalbahnradweg aus führt ein Weg zu der neuen Kapelle. Bild: ws

 

 

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