01.06.2021 - 11:57 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Luitpold-Theater in die Moderne transferieren

Der Eingang, die hohen Fenster im Foyer, das Kassenhäuschen: Viele markante Elemente machen das Tirschenreuther Luitpold-Theater besonders. Das Gebäude in die Jetzt-Zeit zu führen, ist Aufgabe des Architekturbüros Brückner & Brückner.

So soll nach den aktuellen Plänen das Luitpold-Theater nach der Revitalisierung aussehen. Die Staffelung mit den drei verschiedenen Gebäudehöhen wollen die Planer beibehalten. Dort sind hauptsächlich Funktionsräume vorgesehen. Durch die Schaukästen blickt man künftig in die Schaubrauerei der Braujuwaren.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Aus dem aktuell leerstehenden Luitpold-Theater soll ein multifunktionales Gebäude werden, in dem das MTT und die Braujuwaren eine Heimat finden. In der Stadtratssitzung stellten Architekt Peter Brückner und Projektleiter Stephan Gräbner die Pläne zur Sanierung des ehemaligen Lichtspielhauses vor.

Charakter erhalten

„Die Revitalisierung des Luitpold-Theaters ist eine spannende Aufgabe“, sagte Peter Brückner, dessen Büro sich im Vergabeverfahren gegen drei weitere Planungsbüros durchgesetzt hat. Sowohl aus architektonischer als auch aus persönlicher Sicht habe das Projekt einen besonderen Stellenwert für die Planer. Denn Brückner selbst hat viele Erinnerungen an das ehemalige Kino. Zudem wurde das seit einigen Jahren leerstehende Gebäude in den 1950er Jahren vom Tirschenreuther Architekt Dr. Hamerling gebaut. Der ehemalige Regierungsbaumeister sei „ein sehr geschätzter Kollege“ gewesen. Für die Architekten gelte es, auf der einen Seite den Charakter des Gebäudes zu erhalten, auf der anderen Seite eine moderne Nutzung zu ermöglichen, betonte Brückner. „Wir wollen Aufbauen auf dem, was da ist.“ Die Planer versuchen, viele atmosphärische Elemente zu bewahren, etwa die hohen Fenster im Foyer, die Schaukästen, das Kassenhäuschen oder die Lamperie (Holzverkleidung an Wänden). „Diese Details sind einzigartig und qualitätsvoll erarbeitet. Diese wollen wir so weit es möglich ist erhalten.“ Doch Brückner erinnerte daran, dass die Grundsubstanz 70 Jahre alt ist. „Wir müssen schon Eingriffe vornehmen“, machte er deutlich.

Ein Streifzug in Bildern durch das leerstehende Luitpold-Theater

Das Luitpold-Theater in Tirschenreuth steht seit einigen Jahren leer. Zuletzt nutzte es das Moderne Theater Tirschenreuth (MTT) für seine Aufführungen.

Eingang bleibt Gelenkstelle

Die Außenfassade mit der Staffelung, den Höhenunterschieden zu den zwei angrenzenden Nebengebäude, besteht bleiben. Der räumliche Zuschnitt sei nicht nur deshalb teilweise eine Herausforderung. „Das Kino ist ein Unikat, das in die Umgebung hineinkomponiert wurde“, betont Brückner. Die Grundsubstanz sei aber sehr gut erhalten. Die Raumaufteilung soll insgesamt größtenteils beibehalten werden, erläutert der Architekt. Für mehr Funktionalität werden nur die Technik- und Lager-Räume sowie die Garderoben und Toiletten umgeplant. So könnten die Lounge- und Aufenthaltsbereiche besser von den Funktionsräumen getrennt werden.

Der markante Eingang soll erhalten bleiben. Die Tore neben dem Hauptportal könnten als Fenster geöffnet werden. Links daneben, versteckt hinter der Fassade des angrenzenden Hauses, ermöglicht ein Aufzug den barrierefreien Zugang bis ins Obergeschoss. Der bestehende Eingangsbereich fungiert auch künftig als Gelenkstelle zwischen den verschiedenen Bereichen, soll aber offener gestaltet werden. Links vom Eingangsbereich befinden sich in den Nebengebäuden dann die Garderobe, Sanitäranlagen sowie ein Lager. Eine Treppe hinter der Garderobe führt ins Obergeschoss. Diese fungiert als weiterer Fluchtweg.

Schaufenster ins Sudhaus

Rechts geht es direkt in die Bierlounge mit Schaubrauerei. „Im Gebäude steckt noch ein Stück Brauerei drin“, freut sich Brückner. Im Keller befinde sich ein Eiskeller, den die Architekten in ihre Planung integrierten. Dort soll eine zweigeschossige Schaubrauerei der Braujuwaren entstehen – vom Keller ins Erdgeschoss. Über die 70 Jahre alten, sehr gut erhaltenen Schaukästen soll man in die Brauerei hineinsehen können. „Wo früher Kinostreifen angekündigt wurden, sieht man später den Brauvorgang“, informiert der Architekt.

Zwischen Schaubrauerei und Zuschauerraum ist ein Stuhllager geplant. Der 127 Quadratmeter große Multifunktionssaal sowie die 30 Quadratmeter große hölzerne Bühne werde in der Größe belassen. Im Saal ist Platz für 156 Sitzplätze. Die Bestuhlung oben und auf der Empore könnte flexibel gestaltet werden. Die Wandverkleidung aus Stoff könnten so aufgewertet werden, dass sie dem Brandschutz entsprechen würde, berichtet Brückner. Besonders auch Originalelemente aus Holz möchten die Architekten ausbessern und nach der Revitalisierung wieder einbauen.

Hinterhalb des Kassenhäuschens geht es ins Foyer. Für eine spannendere Lichtstimmung könnten sich die Planer vorstellen, in der Rundung an der Decke des Foyers ein Oberlicht einzuschneiden. Gegenüber der Treppe, unterhalb der hohen Fenster sollen ein Wartebereich kreiert und ein runde Sitzbank an der Wand angebracht werden. Unterhalb der Treppe ist eine Theke vorgesehen. Der 33 Quadratmeter große Innenhof soll künftig eine größere Rolle spielen. Auch dort laden Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Der zweigeschossige Backstage-Bereich samt Technik bleibt in den jetzigen Räumlichkeiten, die natürlich saniert werden.

Architekten für Vorschläge offen

Über die Treppe geht es ins Obergeschoss. Auch dort verlegten die Planer die Garderobe und Sanitäranlagen in die angrenzenden Nebengebäude, um mittig eine Art Galerie zu erhalten. Von dieser offenen Theaterlounge können Besucher künftig hinunter ins Foyer sehen. Auch dieser Bereich soll zum lockeren Beisammensein einladen. "Vielleicht können dort auch Lesungen gehalten werden."

Ein kleiner "Julia"-Balkon - wie ihn die Architekten nennen - ermöglicht einen Blick von der Theaterlounge in den Innenhof. Von der Galerie im Obergeschoss geht es dann auf die Empore mit 40 Sitzplätzen. Oberhalb der Schaubrauerei sehen die Architekten zusätzlich zur Maske inklusive WC und Dusche einen Vorführraum vor. Brückner wies abschließend darauf hin, das all diese Planung mit den Nutzern noch detailliert erörtert, diskutiert und weiterentwickelt werden soll.

Fünf Architekten haben sich auf die Ausschreibung für die Sanierung des Kinos gemeldet

Tirschenreuth
Hintergrund:

Sanierungsplan trifft Geschmack der Räte

Das sagen die Stadträte zu den Plänen für die Sanierung des Luitpold-Theaters von Brückner & Brückner:

  • CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner gefielen besonders die Einbeziehung des Innenhofs mit dem "Julia"-Balkon sowie die kreative Idee, die Brauereikultur durch die Schaukästen sichtbar zu machen.
  • Die Pläne zur Revitalisierung treffen den Geschmack der Stadträte. Manfred Zandt, Fraktionssprecher der Freien Wähler, erklärte, dass Brückner & Brückner von den vier Architekturbüros, die im VGV-Verfahren gehört wurden, das hochwertigste, interessanteste und funktionalste Konzept vorgelegt hatten. "Das ist die beste Lösung."
  • Die Grünen-Stadträte Franz Heinrich und Konrad Schedl waren begeistert, dass die Besonderheiten in und am Gebäudes erhalten bleiben werden.
  • Alfred Scheidler (CSU) merkte an, dass man den Plänen ansehe, wie viel Zeit sich die Architekten genommen haben, um die Atmosphäre und den Charakter des Kinos aufzunehmen. Ihm gefalle dieser Plan besser als der erste Entwurf. Das Ergebnis der Machbarkeitstudie von H2M sei ihm zu progressiv.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.