13.09.2020 - 14:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vom Ortler auf das Matterhorn

Ganz allein auf dem Gipfel von Bergriesen wie dem Matterhorn und dem Ortler zu stehen, das ist wohl für jeden Bergsteiger ein Traum. Für Marco Bauer aus Schönkirch wurde er wahr.

von Externer BeitragProfil

Normalerweise ist das 4478 Meter hohe Matterhorn täglich Anziehungspunkt für Hunderte von Interessenten, die mit Bergführern die wohl markanteste Erhebung der Alpen bewältigen wollen. Wegen Corona erlebte der 36-jährige Hochtourenführer der Tirschenreuther Alpenvereins-Sektion Karlsbad den Bergriesen in ungewohnter Einsamkeit. Gemeinsam mit der 26-jährigen Kathi Gocke aus München startete er zu einer bemerkenswerten Tour: Kurz vor dem Matterhorn bestieg das Duo zur Akklimatisierung noch schnell den 3905 Meter hohen Ortler – an einem Tag.

Startpunkt der lange geplanten Bergtour war in München ganz früh an einem Freitagmorgen. "Kathi war bis nach Sulden noch der Überzeugung, dass wir die Tour auf zwei Tage machen würden", berichtet Marco Bauer. Aber der Wetterbericht für die nächsten Tage in der Schweiz kündigte eine Verschlechterung an, so dass das eigentliche Ziel auf der Kippe stand. Also musste der Ortler an einem Tag bewältigt werden: Zwei Stunden zur Hintergrathütte, sechs Stunden zum Gipfel und nochmal sechs zum Auto. "Alles lief perfekt, wir waren sehr schnell unterwegs", blickt der Hochtourenführer zurück. Nur an einer Stelle sicherte er seine Kletterpartnerin am Seil. Um 15 Uhr standen die beiden glücklich allein am Gipfel und machten sich nach einer sehr kurzen Pause an den langen Abstieg. "Uns war das Grinsen ins Gesicht gemalt", beschreibt Bauer die Gefühlslage, als sie um 19.30 Uhr wieder beim Auto ankamen.

Weiter ging es nach Herbriggen in die Schweiz zur eigentlichen Tour: Matterhornüberschreitung. Nach einem Tag Pause im Hotel mussten die beiden erst mal auf die italienische Seite kommen. "In Zeiten von Corona ist das nicht so einfach, da man nicht unbedingt weiß, ob alle Gondelbahnen laufen oder das Rifugio Carell am Liongrat auf 3829 Metern offen hat."

Schon auf dem Weg durch Zermatt war alles anders, viel ruhiger, ohne japanische Touristen mit großen Kameras. Die Gondel brachte Bauer und Gocke zum Trockenen Steg. Über den Theodulgletscher gingen sie auf die italienische Seite zur Bergstation und nutzten die Gondel zur Mittelstation (Plan Maison). Nach der Abruzzi-Hütte begannen die ersten leichten Kletterstellen. Über den Liongrat ging es bis zur Carrel-Schutzhütte. Dort gab es eine große Überraschung: "Lediglich sieben italienische Bergführer mit ihren Gästen und eine Österreicher Seilschaft waren da, wo sich normal hundert Leute auf engstem Raum die Schlafplätze teilen."

Nach einer kurzen Nacht klingelte der Wecker um drei Uhr. "Gleich nach der Hütte beginnt der Grat mit einem steilen Aufschwung, der mit einem dicken Tau gesichert ist. Wir waren die letzten, die an dem Tag losgingen." Doch Marco Bauer und seine Begleiterin waren schnell unterwegs und erreichten nach knapp zweieinhalb Stunden den Pic Tyndall. Weiter ging es auf dem schmalen Grat. "Jetzt trennte uns nur noch ein Fixseil und eine Strickleiter vom Gipfel." Österreichische Bergführer kamen den Deutschen entgegen und meinten, Mittag werde das Wetter schlechter. Die letzten Meter waren schnell bewältigt. "Kathi und ich waren alleine am Gipfel. Voller Stolz und überglücklich genossen wir die Aussicht."

Vom Hörnligrat nahte die erste Seilschaft auf die italienische Seite und gesellte sich zu den beiden Deutschen, die nach den obligatorischen Fotos über den schmalen Grat zum Schweizer Gipfel gingen. Dann begann der lange Abstieg. "Wir hatten uns schon abgesprochen, dass ich Kathi am Seil gesichert ablasse und ich es wenn möglich abklettern würde", schildert der DAV-Hochtourenführer. Mit Erreichen des Solvay Biwaks war das Schlimmste geschafft und endlich mal Gelegenheit für eine Brotzeit. Im Westen türmten sich schon die ersten Wolken. Marco Bauer und Kathi Gocke schafften es ohne größere Versteiger um Punkt 12 Uhr auf der Hörnlihütte zu sein. Das Wetter wurde immer schlechter, der eindrucksvolle Gipfel war schon in Wolken gehüllt und im Laufschritt ging es zum Schwarzsee, wo die Gondel nach Zermatt wartete. "Am Freitag früh um vier in München gestartet und Montagabend war alles vorbei, das ist eigentlich total irre", wundert sich der Schönkircher immer noch. "Wir waren zu diesem Zeitpunkt einfach topfit und das Wetter hat auch mitgespielt."

Bericht zum Gletschergrundkurs der DAV-Sektion Karlsbad

Tirschenreuth

Eine Gruppe aus Schönkirch genoss auch schon den Ausblick allein am Gipfel des Großglockner

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