23.07.2021 - 14:56 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Pläne für DAV-Kletterzentrum vorgestellt

Nach einigen Jahren Leerstand kommt wieder Leben ins rund 100 Jahre alte Restgebäude der ehemaligen Brauerei Schels. Rundum begeistert waren die Stadträte von den Plänen für das DAV-Kletterzentrum und genehmigten den Bauantrag einstimmig.

Richtung Stadtteich ist ein kleiner Innenhof mit Außenanlage vorgesehen. Dort gibt es auch eine etwa 13 Meter hohe Außenkletterwand.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Der Bauantrag für das DAV-Kletterzentrum Turm der ehemaligen Brauerei Schels stand auf der Tagesordnung des Stadtrats. Zehn Jahre ist es her, dass Abbruchbagger anrückten und die Brauereigebäude dem Erdboden gleich gemacht wurden. Es sollte Platz für das Gelände der Gartenschau gemacht werden. Eigentlich sollte auch der Turm abgerissen werden, doch teilweise ragte die Wohnung der Familie Schels in das Brauereigebäude hinein. „Zum Glück wohnte Frau Schels noch drin, sonst wär das Gebäude heute nicht mehr da“, sagte CSU-Stadtrat Konrad Zandt.

Nach dem Tod von Erna Schels 2018 stand das etwa 100 Jahre alte „Überbleibsel“ der Brauerei leer. Daraus entsteht nun ein in der Region einzigartiges Zentrum für Kletterer. „Da entsteht wirklich etwas fantastisches“, war Bürgermeister Franz Stahl begeistert. Die Sanierung des Gebäudes am Fischhofpark sei eine enorme Aufwertung für die Innenstadt. In Kombination mit dem Marktplatz, der Fronfeste, dem Museumsquartier, dem Luitpoldtheater und dem Fischhofpark entstünde ein komplett neues Areal. Der Gebäudekomplex wird durch die Stadt saniert. Die Pläne dafür erarbeitete das Architekturbüro Brückner und Brückner. Betreiber der Einrichtung ist dann der Deutsche Alpenverein. Das Konzept des DAV habe den Bürgermeister überzeugt.

13 Meter hohe Außenkletterwand

Stadtbaumeister Andreas Ockl stellte dem Gremium die Pläne für den Umbau der Restgebäude der ehemaligen Brauerei vor. Damit in dem Turm eine reine Kletterhalle über mehrere Stockwerke entstehen kann, wird dieser komplett entkernt. Das ehemalige Wohnhaus wir abgerissen und neu aufgebaut. Eine Sanierung war laut Ockl nicht möglich, dazu war die Bausubstanz zu marode. Im Keller des Gebäudes sind Umkleideräume, ein kleiner Schulungsraum, die Technik und WC-Anlagen untergebracht. Von dort gibt es einen Zugang zu einem kleinen Innenhof mit Außenanlage Richtung Stadtteich. Dort gibt es auch eine etwa 13 Meter hohe Außenkletterwand. Diese dürfe nur unter Aufsicht benutzt werden und sei deshalb nicht öffentlich zugänglich, erklärte Ockl.

Kletterer von außen beobachten

Der neue Haupteingang befindet sich nicht mehr beim Turm, sondern im Neubau. Im Erdgeschoss ist ein Anmeldebereich mit Theke und ein Aufenthaltsbereich vorgesehen sowie der Zugang zur Kletterhalle und barrierefreie Toiletten. Vom Aufenthaltsbereich führt eine Treppe ins Obergeschoss. Dort ist ein Boulderbereich angedacht und eine Plattform für Krafttraining.

Für die Kletterhalle ist angedacht, in der linken Fensterreihe eine Achse zu schaffen, von der man von außen die Kletterer innen drin beobachten kann. Innen gibt es 23 Kletterlinien. Bei jeweils einem Kletterer und einem Sicherer ist darin Platz für gleichzeitig rund 50 Sportler. Die Gebäudefront Richtung Norden, die aktuell sehr kahl aussieht, wird der Frontansicht nachempfunden, erklärte der Stadtbaumeister. Es wird jedoch keine Fensteröffnungen geben, die Laibungen werden durch Erhebungen angedeutet, erklärte Ockl. Zudem erhält das Gebäude an der Außenfassade eine Dämmung. Aufgrund der besonderen Deckenkonstruktion werde der Kletterturm insgesamt etwa einen Meter höher als aktuell, nämlich 15 Meter.

Baubeginn nächstes Jahr

Grob geschätzt belaufen sich die Kosten für das Bauprojekt auf 4,3 Millionen Euro. Die Planer rechnen mit einem hohen Fördersatz durch die Städtebauforderung. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibungen, mit denen im kommenden Winter und Frühjahr begonnen werde. Ockl schätzt, dass 2022 die Baumaßnahmen starten können. Die Fertigstellung sei für Ende 2023 angedacht. Bürgermeister Stahl freute sich, dass die alte Bausubstanz zum Großteil erhalten bleibe und die Fassade angepasst wird. Zwar widerspreche der Bauantrag in zwei Punkten den Baugrenzen – die Form des Flachdachs sowie die Höhe des Turms seien eigentlich nicht erlaubt. Er empfahl eine Befreiung auszusprechen.

Einzigartig in der Region

CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner merkte an, dass das neue Kletterzentrum eine Aufwertung für die ganze Region ist, „sowas gibt es weit und breit noch nicht“. Besonders die Freiluft-Kletteranlage gefiel ihm. Manfred Zandt, Fraktionssprecher der Freien Wähler, begrüßte, dass der betreibende Verein bei der Innengestaltung einbezogen wurde.

Vinzenz Rahn, auch Vorsitzender des Fördervereins Fischhofpark, wollte wissen, wie viel Raum der Außenbereich des Kletterzentrums einnimmt. Für diesen Bereich entfallen etwa 70 Quadratmeter vom Platz am See, sagte Ockl. Rahn gab noch zu bedenken, sich rechtzeitig Gedanken über die Parkplatzsituation zu machen. Stahl informierte, dass es hierzu schon Überlegungen gebe.

Heinrich Franz (Grüne) erkundigte sich, wie das Gebäude beheizt wird. Dies stünde noch nicht endgültig fest, antwortete Ockl, im Gespräch seien Gaswärme in Kombination mit Solaranlagen. Kritik am Projekt kam einzig von Klar Berr (WGU). Er fand die Größe und den Standort für das Kletterzentrum nicht ideal. Ein Neubau an anderer Stelle mache für ihn mehr Sinn. Dennoch befürwortete das Gremium den Bauantrag am Ende einstimmig.

Für die Modernisierung des Gebäudes der ehemaligen Schels-Brauerei wurden 2019 die Planungsaufträge vergeben

Tirschenreuth

„Sowas gibt es weit und breit noch nicht.“

CSU-Fraktionsvorsitzender Huberth Rosner über das DAV-Kletterzentrum

 

 

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