05.09.2019 - 09:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Reha für wilde Tiere

Dieter Brandl gilt in der Region als Retter für gestrandete Kleintiere. In seiner Auffangstation päppelt er sie fachgerecht auf. Der Tirschenreuther rät dazu, erst einmal abzuwarten, wenn man ein Jungtier findet. Oft ist die Mutter nicht weit.

Das Eichkätzchen bekommt Milch mit der Flasche. Dieter Brandl warnt davor, die kleinen, possierlichen Tierchen einfach mitzunehmen, sollten sie auf dem Wanderweg zufällig entdeckt werden. Meist seien die Eltern in der Nähe.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn bei Dieter Brandl das Telefon klingelt, heißt das zu 99 Prozent: Alarm! Meist handelt es sich um einen Notfall der etwas anderen Art. Dieter Brandl ist von Tirschenreuth über Neustadt/WN bis Weiden bekannt als der Mann, der bestens mit verwaisten oder verletzten Kleintieren und Vögeln umgehen kann. Deshalb betreibt er auch die einzige Tierauffangstation in der weitläufigen Region.

Da kommt es nicht von ungefähr, dass bei Brandl sogar ein Feuerwehrauto aus Weiden vorfährt. So geschehen vor wenigen Wochen: Der Feuerwehrmann hatte in seinem Fahrzeug einen verletzten Spatz bis nach Tirschenreuth transportiert. Brandl erzählt, dass sich der Spatz am Fuß selbst gefesselt habe. Die Feuerwehr habe das zappelnde Vögelchen gerettet, konnte aber nicht weiterhelfen. Also landete der Vogel bei einem Tierarzt in Altenstadt/WN. Nach der Erstversorgung war es in der Tierarztpraxis keine Frage, dass die "Reha" des Tierchens bei Dieter Brandl stattfinden müsse. Denn Dieter Brandl ist für sein Geschick im Umgang mit verletzten Tieren weit über Tirschenreuth hinaus gut bekannt.

Junge Spatzen

Wenig später piepst es wieder in der Schachtel. Diesmal sind es zwei Spatzen, die eine Nachbarin vorbeibringt. Dieter Brandl begrüßt es natürlich, wenn die Leute aufmerksam sind und verletzten Tieren helfen. "Aber bitte nicht immer alle Tiere sofort aufheben und mitnehmen", rät er. Meist seien die Eltern in der Nähe. "Abwarten", lautet Brandls Appell. Erst wenn einige Stunden später kein Elternteil zu sehen sei, könne man das arme Ding bei sich aufnehmen oder zu ihm bringen. "Gut ist, die heruntergefallenen Vögel in eine Hecke zu setzen oder auf einen Ast", sagt Brandl.

280 Vögel etwa pflegt er jährlich. Während sie in seiner Obhut sind, legt er viel Wert auf artgerechte Haltung. Damit sie ihre Herkunft nicht vergessen und ausgewildert werden können. Deshalb baut er auch keine allzu engen Beziehungen zu ihnen auf. "Das ist nicht gut", ist Brandls Ratschlag an jene, die ein verletztes oder verwaistes Tierchen zeitweise aufnehmen wollen. Dieter Brandl beschränkt sich darauf, die Tiere artgerecht zu füttern. Sobald es ihnen gut geht, entlässt er sie in die Freiheit. Das geschieht meist in Absprache mit einem Förster oder Landwirt, der einverstanden ist, dass das Tier bei ihm im Wald oder auf der Flur ausgewildert wird.

In Ruhe lassen

Unvernünftig nennt er jene Schüler, die beim Wandertag ein kleines Eichkätzchen mitgenommen hätten. Dieter Brandl hat es aufgepäppelt mit der Flasche. "So was darf man nicht tun", appelliert er an alle Kinder und Eltern, diese Tierchen in Ruhe zu lassen. Auch, wenn sie total süß und hilflos erscheinen. Zwar hätten es die Schüler sicherlich gut gemeint. Aber die Eichkätzchen-Eltern seien gewiss in der Nähe gewesen.

Dieter Brandl, der mit einem Rehkitz, holländischen Graugänsen, einem kleinen Wildschwein und Wald- und Singvögeln im ständigen Wechsel zusammenlebt, macht sich große Sorgen über das Insektensterben, das einhergeht mit dem Verhungern von Vögeln. Wenn jemand etwas Gutes tun möchte, könne er das Vogelhaus auch im Sommer mit normalem Vogelfutter füllen.

Weit mehr Hilfe sieht Brandl aber darin, das Insektenaufkommen zu fördern mit einem Garten für Insekten. "Wenn jeder Gartenbesitzer in einer Ecke in Absprache mit dem Nachbarn gegenüber ein kleines Areal anlegen würde, das er nicht ständig pflegt, wäre das insgesamt eine riesige Fläche für Insekten", rät Brandl den Gartenbesitzern zu mehr Mut zur Wildnis.

Dieter Brandl hat auch immer wieder einmal ein Rehkitz bei sich, das auf einem Feld verwaist vorgefunden wird. Das füttert er dann mit spezieller Rehkitz-Milch, die er über den Handel extra bezieht.
Auch ein Waldkauz wurde bei Dieter Brandl abgegeben. Jetzt ist das damalige „Baby“ groß und kann bald wieder in den Wald.
Das kleine Wildschwein hat im Babyalter den Anschluss an seine Familie verloren. Ein Jäger hat es Dieter Brandl vorbeigebracht. Er behält es, bis es groß genug für das Abenteuer „Wildnis“ ist.
Die zwei Spatzenkinder hat eine Nachbarin vorbeigebracht. Sie hatten keine Eltern mehr und wären kläglich verhungert. Sobald sie aufgepäppelt sind, entlässt Dieter Brandl sie wieder in die Freiheit.
Die Graugänse stammen aus Holland und dürfen bei Dieter Brandl bleiben.
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