06.07.2018 - 14:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Auf der richtigen Spur bleiben

Inliner auf der Straße, Segways am Radweg und Geisterradfahrer. Immer häufiger kommt es bei den Kleinfahrzeugen zu Verstößen.

Diese Radfahrer machen es richtig: Rechts fahren und auf Radwegschilder achten.
von Redaktion ONETZProfil

(plym) Schon als Kind weiß man: Gibt es einen Radweg, sollte man ihn auch nutzen. Polizeihauptkommissar Hubert Bauer bekräftigt: "Gibt es ein blaues Schild mit einem weißen Rad, muss man den Radweg nutzen." In München komme es öfter zu Problemen mit Geisterradlern, die entgegen der Fahrtrichtung fahren. "Teilweise befinden sich nun in den Einbahnstraßen extra Schilder, die erlauben, dass Radfahrer in Einbahnstraßen entgegengesetzt fahren dürfen", erklärt der Beamte.

"Auch bei uns gibt es die Anordnung zum Gegenverkehr. Diese muss aber explizit ausgeschildert sein, ansonsten gilt auch für Radfahrer die Fahrtrichtung des weißen Schilds auf dem Einbahnstraßenschild." Große Probleme würden die Radfahrer im Landkreis Tirschenreuth allerdings nicht machen: "Der Bürger nimmt bei uns das gut ausgebaute Radnetz fast immer an. Es kommt nicht oft zu Verstößen." Helmpflicht für Radfahrer besteht keine, doch die Polizei empfiehlt dringend, einen aufzusetzen.

Smartphones am Steuer, egal ob Auto oder Rad, würden die Beamten aber schon öfter beschäftigen. "Unsere Streife achtet mittlerweile gezielt darauf, ob Fahrer im Verkehr Handys benutzen. Es ist zu einer fürchterlichen und gefährlichen Unsitte geworden und die Dunkelziffer ist sehr hoch. Es ist schwierig, im Nachhinein festzustellen, ob Smartphones die Unfallursache waren", weiß Bauer

E-Bike-Fahrer müssen auch bestimmten Regeln folgen. So brauchen E-Biker eine Versicherung, einen Helm und müssen auf der Fahrbahn fahren. Doch der Begriff "E-Bike" werde in der Mundart oft falsch verwendet. Man unterscheide zwischen Pedelecs, die Muskelkraft per Treten und maschinellen Antrieb kombinieren, und E-Bikes. Bei denen wird ohne Treten, zum Beispiel per Drehgriff am Lenker, Gas gegeben. Pedelecs bis 25 km/h gelten demnach als Fahrräder und müssen den Radweg benutzen. "Besonders die ältere Generation nutzt das Angebot der elektrischen Fahrräder zunehmend", stellt Bauer fest.

Die Polizei warnt jedoch ausdrücklich, eine technische Manipulation an den Pedelecs vorzunehmen: "Im Internet kann man auf die jeweiligen Antriebssysteme zugeschnittene E-Bike-Tuning-Kites bestellen. Zur Montage gibt es sogar Einbauanleitungen auf Youtube. Technisch leicht machbar, birgt dieses Tunen aber erhebliche Probleme, weil das den Fahrrädern gleich gestellte Pedelec zum Kraftfahrzug wird." Das Bike hätte dadurch eine höhere Geschwindigkeit bis zu 45 oder 50 km/h und braucht daher ein Kennzeichen und einer Versicherung. Zudem muss der Fahrer einen Führerschein haben.

Durch die Manipulation drohe der Verlust des Versicherungsschutzes durch die Privathaftpflichtversicherung sowie aller Gewährleistungs- und Produkthaftungsansprüche auf den E-Bike-Antrieb, das E-Bike selbst und vieles mehr. "Verbraucher würden kaum zu Tuning Tools greifen, wenn sie die möglichen Folgen bei Wiederverkauf, Garantiefall, Polizeikontrolle oder Unfall absehen könnten", warnt Bauer.

Nach der Straßenverkehrsordnung ist nicht nur Radlern die Benutzung des Radwegs vorbehalten. Mofas und E-Bikes beispielsweise dürfen auch Radwege benutzen, wenn diese außerhalb geschlossener Ortschaften liegen. Mofas allerdings nur dann, wenn das Radwegschild mit dem Zusatzschild "Mofa frei" versehen ist. Genauso wie gedrosselte Roller können sie sich außerorts zwischen Fahrbahn und ausgewiesenen Fahrradwegen entscheiden. Innerhalb sind die Fahrzeuge grundsätzlich auf die Fahrbahn verbannt.

Im Trend liegen auch Segways. "Um mit ihnen auch Radwege zu nutzen, brauchen sie ein Versicherungskennzeichen. Das garantiert dann wiederum die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und ist so wie ein Mofa ausgestattet", weiß Bauer.

Anders sieht es dagegen bei Hoverboards, sozusagen Mini-Segways, aus. Diese gelten ab einer Geschwindigkeit von mehr als 6 km/h als Kraftfahrzeuge und benötigen eine Betriebserlaubnis, eine Kfz-Haftpflichtversicherung und eine Zulassung zum Verkehr.

Bauer warnt: "Es ist schwierig, eine Betriebserlaubnis für öffentliche Straßen zu bekommen und auf Geh- und Radwegen dürfen sie nicht in Betrieb genommen werden. Außerdem braucht man Führerschein der Klasse B. Wer trotzdem fährt, bekommt von der Polizei eine Strafanzeige wegen eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz und gegebenenfalls Fahren ohne Fahrerlaubnis. Weiterhin liegt ein Verstoß gegen die Fahrzeugzulassungsverordnung vor." Auf dem Privatgelände kann sich dafür jeder auf dem Geschicklichkeitsboard probieren.

Einfacher haben es dagegen Inliner- und Skateboardfahrer. Diese Fahrzeuge fallen unter die Rubrik "Sport und Spiel" und dürfen den Gehweg mitbenutzen. "Inlineskater gelten rechtlich als Fußgänger. Das heißt, sie müssen den Gehweg benutzen und dort ihre Geschwindigkeit anpassen. Gibt es keinen, müssen sie innerorts am rechten oder linken Fahrbahnrand, außerorts am linken fahren", gibt Bauer einen letzten Hinweis.

Infobox:

Hubert Bauer neuer Verkehrsbeamter

Offiziell leitet Hauptkommissar Hubert Bauer den Verkehrsbereich der Polizei seit 1. Mai. Sein Vorgänger Bernhard Schraml ging am 20. April in Pension und die Stelle wurde ausgeschrieben. Bauer hatte den Posten daraufhin durch ein Bewerbungsverfahren erhalten und bearbeitet seitdem alle Verkehrsfragen bei der Polizeiinspektion in Tirschenreuth.

Seit 1980 ist der Waldsassener bei der Polizei. Anfangs war er in München und Regensburg in der Innenstadt eingesetzt. Anschließend besuchte er die Beamtenfachschule Sulzbach-Rosenberg, bevor er als Dienstgruppenleiter in seine Heimatstadt kam. Für kürzere Zeit war der Hauptkommissar in der Einsatzzentrale Oberpfalz in Regensburg tätig, bevor er wieder nach Waldsassen ging. In seiner Freizeit fährt er gerne Rad oder betätigt sich anderweitig sportlich.

Hubert Bauers große Leidenschaft: Mit dem Rad die Gegend erkunden.

Julia Burkhardt hält sich an die Regeln: Auf dem Privatgelände darf sich jeder auf dem Hoverboard ausprobieren.

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