07.09.2021 - 11:55 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schmetterlingsgarten: Die Schlacht am bunten Büfett

Schmetterlinge sind schön anzuschauen und nützlich. Doch es gibt immer weniger von ihnen. Platz wäre für sie in jedem Hausgarten – nur die Versorgung mit Nahrung muss auch stimmen. Die Tirschenreutherin Magdalena Heinrich kennt sich aus.

Es ist angerichtet, bitte zu Tisch! Ein Distelfalter bedient sich am bunten Büfett.
von Christa VoglProfil

Es ist angerichtet, bitte zu Tisch! Wem bei diesen Worten bereits das Wasser im Mund zusammenläuft, dem bleibt die Enttäuschung nicht erspart. Denn auf dem Büfett für die Gäste befinden sich nicht wie vermutet viele verschiedene Salate, deftige Bratenstücke oder feine Häppchen, sondern Delikatessen einer ganz anderen Art. Zum Beispiel die blau-violetten Blüten der Wilden Karde, die purpurnen Dolden des Sandthymians, die kleinen Ähren des Wilden Majorans oder die blauen Blüten des Gemeinen Natternkopfs. Und auch die Gäste, die das Büfett regelmäßig aufsuchen, sind etwas ganz Besonderes - sie sind schillernd, farbenprächtig, unstet, filigran: Schmetterlinge.

Großer Naturgarten

Angerichtet hat dieses üppige Festessen Magdalena Heinrich aus Tirschenreuth. Und zwar nicht nur in einer kleinen, sonnigen Ecke ihres 2000 Quadratmeter großen Naturgartens. „Bei mir ist der ganze Garten ein einziger Schmetterlingsgarten, die Schmetterlinge finden hier überall was“, sagt die 67-Jährige.

Aber wo liegt der Unterschied zwischen einem Schmetterlingsgarten und einem „ganz normalen Garten“, in dem auch Blumen und Stauden blühen? „Bei mir wachsen viele wilde Pflanzen, die sehr nektarreich sind, zum Beispiel der Natternkopf. Diese Pflanze habe ich beim Radfahren an einem Feldrain entdeckt, ich habe Samen mit nach Hause genommen und ausgesät. Jetzt blüht er überall im Garten, er sät sich immer wieder selbst aus. Oder die Wilde Karde, eine Distel. Die habe ich auch gesät, und auch sie vermehrt sich selbständig“, erzählt die Gartenliebhaberin.

Neben einer kleinen bunten Blumenwiese, die sie mit ihrem Mann bereits vor Jahren angelegt hat, sind in dem weitläufigen Garten diese beiden Pflanzen – Karde und Natternkopf - tonangebend. „An ihren Blüten hängen wirklich Tag für Tag Unmengen an Schmetterlingen“, sagt Heinrich, deren grünes Paradies erst vergangenes Jahr von den Kreisfachberatern Harald Schlöger und Manuela Pappenberger als „Naturgarten“ zertifiziert wurde.

Rezept: "Vielfalt"

Doch neben der Pflege von Wildpflanzen – darunter Flockenblume, Borretsch, Dost, Majoran, Brennnesseln und Disteln - achtet die Naturliebhaberin auch besonders darauf, dass der Tisch für die Schmetterlinge – und damit gleichzeitig für viele andere Insekten - durchgehend von Mai bis Oktober reich gedeckt ist. Das Rezept dafür ist ganz einfach und trägt den Namen „Vielfalt“: eine Hecke aus Wildsträuchern, ein Steinhaufen, eine kleine Blumenwiese, ein alter Baumstumpf, der von Storchenschnabel und Farn überwuchert ist, ein Holzstoß, der auch oft als Ruheplatz und Versteck für Schmetterlinge dient, ein kleiner Teich mit Schilf, Libellen und Fröschen.

Dieses bunte Durcheinander an Farben, Düften und Strukturen, an Futter- und Nektarpflanzen lockt ganz verschiedene Schmetterlinge in Magda Heinrichs Garten: Zitronenfalter, Pfauenauge, Admiral, Perlmuttfalter, Kaisermantel, Kleiner Fuchs, Trauermantel und natürlich auch viele Distelfalter. „Oft laufe ich mit meinem Schmetterlingsbuch durch den Garten, wenn ich einen entdeckt habe, den ich noch nicht kenne“, sagt Heinrich und erzählt, dass die meisten Schmetterlinge zwischen 11 und 17 Uhr das Gartenbüfett aufsuchen, um dort ihren Hunger zu stillen.

Garten als Hobby

Dass Vielfalt Zeit benötigt und nicht von jetzt auf gleich entsteht, leuchtet ein. Auch bei Magda Heinrich hat es einige Jahre gedauert, bis aus dem Garten „ein richtiger Schmetterlingsgarten“ geworden ist. Doch womit fängt man am besten an? „Zuerst sucht man sich eine sonnige Ecke im Garten aus“, rät die Tirschenreutherin. Und wem das Säen von Samen zu aufwendig sei, könne sich natürlich auch beim Gärtner mit entsprechenden Jungpflanzen eindecken. „Die Gärtner beraten gerne, sie wissen, was typische Schmetterlingspflanzen sind“, ist sie überzeugt. Der Vorteil dabei: „Man sieht viel schneller einen Erfolg, wenn man gleich mit einer Handvoll Pflanzen startet. Im Normalfall säen die sich ja wieder selbst aus.“

Wer sich nun die Frage stellt, mit welchem Zeitaufwand in etwa zu rechnen ist, von der Anlage bis zur endgültigen Gestaltung eines Schmetterlingsgartens, dem kann Magda Heinrich sagen, welche Erfahrung sie persönlich damit gemacht hat: „Wenn ich hinten im Garten fertig bin, dann fange ich vorne wieder an. Und werde trotzdem nicht fertig. Weil bei mir nie etwas fertig ist. Und das ist schön, weil der Garten mein Hobby ist.“

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Erbendorf
Hintergrund:

Pflanzen für den Schmetterlingsgarten

  • Nektarpflanzen für die Falter: Bartblume, Blaukissen, Distel-Arten, Dill, Fette Henne, Judastaler, Geißblatt, Kapuzinerkresse, Kartäusernelken, Gewöhnlicher Liguster, Herbstastern, Hornklee, Lavendel, Natternkopf, Phlox, Prachtscharte, Rote Johannisbeere, Steinkraut, Salweide, Thymian, Tüpfeljohanniskraut, Wasserdost, Wohlriechendes Veilchen, Wiesenflockenblume, Wilder Majoran, Zinnien.
  • Futterpflanzen für die Raupen: Wilde Möhre, Fenchel, Disteln, Petersilie, Brennnesseln, Brombeersträucher und viele heimische Baumarten.
  • Tipp: Schmetterlings-Kinderstuben entstehen fast automatisch in verwilderten Ecken. Auch Kräuterbeete sind wahre Schmetterlingsmagneten. Beim Kauf von Pflanzen sollte darauf geachtet werden, dass die Blüten ungefüllt sind. Besonders wichtig: der Verzicht auf Chemie im Garten.

„Bei mir ist der ganze Garten ein einziger Schmetterlingsgarten, die Schmetterlinge finden hier überall was.“

Magdalena Heinrich

„Wenn ich hinten im Garten fertig bin, dann fange ich vorne wieder an. Und werde trotzdem nicht fertig. Weil bei mir nie etwas fertig ist. Und das ist schön, weil der Garten mein Hobby ist.“

Magdalena Heinrich

 

 

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