02.06.2020 - 15:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bei Seniorenarbeit Landkreis Tirschenreuth bayernweit vorn dabei

Die Worte gingen runter wie Öl. Der kleine Landkreis Tirschenreuth spielt bei der Seniorenpolitik bayernweit in der ersten Liga mit. Und das soll auch unter dem neuen Landrat Roland Grillmeier so bleiben.

Für die Senioren wird im Landkreis viel getan. Auch Kurse über moderne Medien gehören dazu. Geduldig erklärte Jürgen Blumberg (stehend) den Senioren in Kemnath die Grundbegriffe von Handy, Smartphone und Tablet.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Einstimmig verabschiedete der Kreistag im Kettelerhaus die Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts und des Pflegebedarfplans, die in den nächsten Jahren Handlungsanleitungen sein sollen. Die Münchner Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung und Altersforschung in Bayern (AfA) hat lange an dieser Fortschreibung gearbeitet. Sabine Wenng und Anja Preuß von der AfA stellten den Kreisräten die Ergebnisse vor.

Alle Beauftragten machen mit

Wichtige Grundlage der neuen Studie war demnach eine Befragung der Seniorenbeauftragten - mit 100-prozentiger Rücklaufquote. Es wurden die im ersten Gesamtkonzept 2011 formulierten Maßnahmen überprüft und neue Zielvorgaben formuliert. "Wir sind hier im Landkreis Tirschenreuth seit Jahren auf einem sehr guten Weg und in vielen Bereichen Vorreiter in ganz Bayern. Dies wird uns auch in Gesprächen mit dem Bezirk, der Regierung der Oberpfalz und dem Bayerischen Staatsministerium immer wieder bestätigt", freute sich der langjährige Mitarbeiter der Seniorenfachstelle im Landratsamt, Wolfgang Fenzl. Man dürfe sich aber auf dem bisher Erreichten nicht ausruhen. "Es stehen viele Aufgaben an, die es anzugehen und abzuarbeiten gilt", betonte Fenzl. Er kündigte an, das neue Konzept mit einer großen Auftaktveranstaltung, zu der alle Beteiligten und Engagierten eingeladen werden sollten, vorzustellen, sobald dies die Coronakrise zulasse.

Hintergrund:

Die Schwerpunkte des Konzepts

Schwerpunkte der Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts und des Pflegebedarfplans sind der Ausbau der ambulanten Strukturen, eine Vernetzung der vorhandenen Angebote sowie noch mehr Barrierefreiheit. Außerdem will der Landkreis in den Gemeinden Anlaufstellen fördern, die in allen Fragen rund um die Seniorenarbeit beraten sollen.

+ Es sollen noch mehr Angebote für Angehörige von Pflegefällen und Demenzkranken geschaffen werden.

+ Ein wichtiges Ziel ist es zudem, die ambulante Versorgung weiter auszubauen. Auf der Wunschliste stehen mehr Kurzzeitpflegeplätze, Angebote für Tages- und Nachtpflege, die Schaffung von ambulant betreuten Wohngemeinschaften sowie eine bessere Information über mögliche Förderungen.

+ Auch die Fortsetzung der Wohnberatung und der Musterwohnung sind verankert. Dazu sollen verstärkt ehrenamtliche Strukturen in der Wohnberatung gefördert werden.

+ Es soll weiter Kurse für Senioren für die Nutzung digitaler Medien, Ortsbegehungen in den Gemeinden sowie die Sensibilisierung für die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum geben. Langfristig will der Landkreis eine Quartiers-Entwicklung in den Gemeinden anstoßen, die zu mehr seniorengerechtem und barrierefreiem Wohnraum führen soll.

+ Für die Versorgung von Menschen mit Demenz soll ein eigenes Konzept erarbeitet werden, das pflegende Angehörige mit Angeboten entlastet. Eine wichtige Rolle kommt den Bürgermeistern zu, die für diese Themen sensibilisiert werden solle. Dazu sind Runde Tische geplant.

Die Umsetzung werde er nicht mehr begleiten, kündigte Fenzl an. Da er in die Hauptverwaltung des Landratsamts gewechselt sei, sei es nun an seinen Nachfolgern Isolde König und Tobias Gabel, die Fortschreibung mit Leben zu erfüllen. Ihm sei es allerdings noch persönlich ein Anliegen gewesen, dieses Konzept zum Abschluss zu bringen. Besonders dankte er dabei auch dem langjährigen Kreisseniorenbeauftragten Ludwig Spreitzer sowie seinem Vorgänger als Leiter der Seniorenfachstelle, Walter Brucker, welche ihm die Arbeit leicht gemacht hätten. Die Seniorenarbeit habe sich zu einem wichtigen Standortfaktor im Landkreis entwickelt, sagte Fenzl.

Beeindruckt zeigten sich Anja Preuß und Sabine Wenng von der AfA vom Landkreis Tirschenreuth. "Was hier an Seniorenarbeit gemacht wird, ist bayernweit die obere Liga." Ihnen sei kein anderer Landkreis bekannt, in dem sich die Seniorenbeauftragten, wie im Landkreis Tirschenreuth, monatlich bei Treffen austauschten. Es steckten darin viele Chancen für den Landkreis. Die Babyboomer-Generation gehe in Rente. Angesichts der günstigen Lebenshaltungskosten werde sich manch einer überlegen, ob er wieder in seine alte Heimat zurückkehre, meinte sie. Derzeit gebe es im Landkreis 16 000 ältere Menschen. In ein paar Jahren würden es voraussichtlich 20 000 sein. Darauf müssten sich der Landkreis und die Kommunen einstellen.

Sabine Wenng von der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung stellte dem Landkreis Tirschenreuth seniorenpolitisch ein sehr gutes Zeugnis aus.

Beachtliche Leistungen

Auch der scheidende Seniorenbeauftragte Ludwig Spreitzer fand es in einem kurzen Rückblick beachtlich, was im Landkreis Tirschenreuth in diesem Bereich alles bewegt worden ist. Die Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts, mit dem man seinerzeit Neuland betreten habe, führe dies eindrucksvoll vor Augen. Er wolle diese Arbeit nicht missen, schon allein wegen der tollen Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen im Landratsamt. Den neuen Verantwortlichen gab er mit auf den Weg, dass Seniorenbeauftragte in allen 26 Kommunen ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor gewesen seien. Ebenso wie die regelmäßigen Treffen. Die Fortschreibung sei eine gute Starthilfe für den neuen Kreistag meinte Spreitzer. Zudem wies er darauf hin, dass im Seniorenbereich viele neue Arbeitsplätze entstanden seien und noch entstünden.

Landrat Roland Grillmeier betonte, dass die Fortschreibung auch für ihn ein "wesentliches Thema" sei, da die Zahl der Senioren weiter steige. Die beiden Landtagsabgeordneten im Kreistag, Tobias Reiß (CSU) und Anna Toman (Grüne), bat er, sich in München für finanzielle Anreize bei der Schaffung von barrierefreiem und seniorengerechtem Wohnraum stark zu machen.

Wolfgang Fenzl nutzte die Vorstellung auch zu einer Bilanz seiner Tätigkeit in der Seniorenfachstelle.

Viel Lob von Fraktionen

Jede Menge Lob gab es von den Fraktionen. CSU-Sprecher Bernd Sommer betonte, dass Senioren im Landkreis Tirschenreuth weiter hochwillkommen seien. Sie seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Mit Ludwig Spreitzer sei hier bereits Bahnbrechendes geleistet worden. "Aber wir haben auch noch viel zu tun und werden das anpacken." Der Freie Wähler Hans Klupp sah in der Umsetzung der Fortschreibung aufgrund der guten Rahmenbedingungen eine große Chance für den Landkreis. "Das Konzept zeigt, wir nehmen die Anliegen der Senioren ernst und versuchen, neue Angebote zu schaffen", meinte Brigitte Scharf für die SPD. Matthias Grundler (Liste Zukunft) fand, dass die Zeit günstig sei, um neben den Senioren auch Junge durch die Möglichkeiten zum Home-Office zurückzuholen. Die Grüne Heidrun Schelzke-Deubzer erklärte, dass für die Entwicklung eine angemessene Entlohnung der Pflegekräfte ganz entscheidend sein werde.

Der langjährige Seniorenbeauftragte Ludwig Spreitzer blickte zufrieden auf seine Arbeit zurück.

Peter Gold einstimmig zum neuen Seniorenbeauftragten gewählt

Tirschenreuth
Geographin Anja Preuß gab den Kreisräten einige Einblicke in die Arbeit.
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