19.09.2021 - 12:59 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sorge um Störche im Landkreis Tirschenreuth

Neun Jungstörche in sind heuer im ganzen Landkreis Tirschenreuth herangewachsen, immerhin einer mehr als im Vorjahr. 11 von 18 Nestern blieben aber komplett verwaist. LBV-Mitglied Erwin Möhrlein blickt mit Sorge in die Zukunft.

Drei Jungstörche wurden 2021 im Horst auf dem Dach des Pfarrhofs in Tirschenreuth groß.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Recht unterschiedlich verlief heuer die Storchenbrutsaison im Landkreis Tirschenreuth. Den besten Bruterfolg gab es in Tirschenreuth auf dem Dach des Pfarrhofes zu verzeichnen: Gleich drei Jungstörche hätten mit ihren Flugübungen die Kreisstadt unsicher gemacht, berichtet Storchenfreund Karl Berr. Zwei Jungvögel wurden auf dem Kamin der Kachelfabrik KWS in Mitterteich flügge. Auf dem Horst des Säge- und Hobelwerks Meyer in Waldershof gab es heuer ebenfalls zwei Jungstörche zu beobachten. Im westlichen Landkreis wuchsen jeweils ein Jungstorch in Immenreuth und in Kemnath heran.

Im Horst auf dem Amtsgericht in Kemnath hatten die Storchen-Eltern insgesamt drei Eier ausgebrütet, und es wurden auch drei kleine Jungtiere beobachtet. Doch nach dem kühlen und feuchten Frühsommer ist nur ein Jungvogel übrig geblieben, der flügge geworden ist.

„Es war heuer einfach zu nass und zu kalt“, erklärt Erwin Möhrlein aus Tirschenreuth. Er ist Beauftragter für verschiedene Artenhilfsprogramme im Landschaftspflegeverband und aktives Mitglied im Landesbund für Vogelschutz (LBV). Die Jungtiere im Landkreis seien, wie auch der Storchennachwuchs in vielen anderen Orten rund um Weiden, durchfroren und durchnässt worden. „Die Storchenjungen haben erheblich unter der Witterung gelitten.“

Mehrzahl der Horste ungenutzt

Von insgesamt 18 Storchennestern und Nisthilfen im Landkreis Tirschenreuth blieben 11 leer – das waren Horste in Bärnau, Falkenberg, Friedenfels, Gumpen, Mähring, Mitterteich (Wiendl-Gebäude) Oberteich, Waldershof (Zentrum), Waldsassen und Wiesau. Einige Nester seien zwar besetzt worden, aber der jeweilige Storch habe vergeblich auf eine Storchendame gewartet. In Waldsassen sei laut Möhrlein im Mai ein Storch in Horstnähe gesichtet worden, auch in Kondrau und wiederholt rund um Bärnau habe es Storchenbeobachtungen gegeben.

Dennoch sei der Bruterfolg mit neun Jungstörchen im Landkreis ein Erfolg, findet Karl Berr aus Tirschenreuth. Im vergangenen Jahr seien es acht Jungvögel gewesen. Früher habe es noch ganz anders ausgesehen, weiß Berr. So habe es vor rund 50 Jahren noch mehr als 30 Jungstörche jährlich im gesamten Landkreis gegeben. Inzwischen liege man bei etwa einem Drittel.

Wie Erwin Möhrlein berichtet, stagniere die Zahl der Jungvögel im Landkreis Tirschenreuth, obwohl die Anzahl der Großvögel in der Oberpfalz sowie in ganz Bayern zunehme. In der Oberpfalz sank die Population der Weißstörche seit 1980, bis sie 2005 mit 20 Brutpaaren einen Tiefststand im Regierungsbezirk erreichte. Auch durch bayernweite Artenschutzprogramme habe sich die Population wieder erholen können, so Möhrlein. 2019 gab es in der Oberpfalz 61 brütende Storchenpaare.

Über den Balkan und die Türkei

Eine mögliche Erklärung, warum dieser bayernweite Trend nicht auch im Landkreis Tirschenreuth stattfindet, sehen Möhrlein und Berr darin, dass die Störche hier aus dem Nordosten Bayerns zum Überwintern über den Balkan, die Türkei und Ägypten fliegen, um ihr Überwinterungsgebiet im Süden Afrikas zu erreichen. Auf diesem langen Zug und auf dem Rückweg gehe ein Teil der Großvögel zugrunde, betont Karl Berr. Und im Überwinterungsgebiet selbst hätten die Tiere dann mit Trockenheit oder Dürre zu kämpfen. Aus den westlicheren Gebieten Deutschlands zögen die Störche häufig nur bis Spanien oder über die Straße von Gibraltar nach Nord- oder Zentralafrika. Die Grenze zwischen den Ost- und den Westrouten und verlaufe etwa in der Region um die Fränkische Schweiz, nahe Bayreuth. "Das sind wie zwei Welten", sagt Möhrlein.

Dass Vögel von einer östlichen auf eine westliche Route umschwenken, sei eher unwahrscheinlich. Wegen der besseren Bedingungen für die West-Zieher, deren Zahl in Bayern überwiege, reiche schon ein geringerer Bruterfolg für den Bestanderhalt aus. Möhrlein befürchtet, dass zwei Jungvögel pro Brutpaar im Jahr nicht ausreichen, um die Population in der hiesigen Region auf Dauer zu retten - außer es werde sich mittelfristig doch etwas an den Zug-Routen ändern.

Die Störche im ganzen Landkreis sind kürzlich bereits nach Süden aufgebrochen. Wenn die Jungen zurückkehren, dann erst in ein paar Jahren. Denn die Jungtiere bleiben meist drei bis vier Jahre in der Wärme Spaniens oder Afrikas.

Das Projekt Storchenauffangstation in Friedenfels wird nicht weiter verfolgt

Friedenfels
In Mitterteich richteten Störche vor Jahren ein Nest auf dem Kamin der Kachelfabrik KWS ein. Heuer zogen sie dort zwei Jungvögel groß.
Ein Altstorch hat Futter zu den drei Jungen zum Nest auf dem Tirschenreuther Pfarrhof gebracht und sich danach auf einer Statue auf dem Kirchendach eine Pause gegönnt.

"Es war heuer einfach zu nass und zu kalt. Die Storchenjungen haben erheblich unter der Witterung gelitten."

Erwin Möhrlein vom Landesbund für Vogelschutz (LBV)

 

 

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