19.08.2020 - 11:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wo sich Tagfalter und Nachtfalter gute Nacht sagen

Mit einer reichhaltigen Insektenwelt kann der Fischhofpark begeistern. Bei einer Exkursion begeistern Prachtlibellen und Wespenspinne.

von Ulla Britta BaumerProfil

Treffpunkt der Exkursion war beim Museumsquartier, wo Erwin Möhrlein vom Landesbund für Vogelschutz (Kreisgruppe Tirschenreuth) nicht nur nach der Corona-Auszeit wieder viele gute Bekannte beim "Stammtisch der Artenvielfalt" begrüßen konnte. Möhrlein stellte den Teilnehmern auch Lisa Härtl von der Ökomodellregion Stiftland vor. Die Ökomodellregion, so Möhrlein, sei als Kooperationspartner dabei.

Nach der kurzen Vorstellungsrunde ging es gleich zum "Ort der Begierde", der nicht weit entfernt war. Diesmal war Möhrleins Ziel die Insektenvielfalt im Fischhofpark. Er musste die Anwesenden nicht enttäuschen. Kaum hat die Gruppe den Fischhofpark betreten, fanden sich die ersten Minibewohner der Wiesen und Blumenfelder ein. Erwin Möhrlein konnte eine Kurzfühlerheuschrecke ins Insektenglas locken. Sie sollte nicht das einzige dieser zauberhaften Wesen im Park bleiben. Möhrlein, der Luchsaugen haben muss, steuerte schnurgerade nahezu im Minutentakt einen Grashalm nach dem anderen an, wo sich die winzige Tierchen versteckt hielten. Nachdem die Heuschrecke bewundert war, wurde sie selbstverständlich wieder in die Freiheit entlassen.

Wenig später fand eine Gebänderte Prachtlibelle den Weg ins Schauglas. Während sie angeschaut werden konnte, wies Möhrlein auf die für die Insekten wichtige Pflanzenvielfalt hin, vertreten unter anderem durch Schachtelhalm, Wolfsrapp, Wiesenkreiskraut und mehr. Die Gruppe durfte wenig später eine Streckerspinne beobachten, wie sie sich "langgestreckt" mit dünnen Beinchen als dünner Grashalm tarnt. Es geht noch kleiner: Das grüne Mini-Insekt auf einem Schilfhalm, das wirklich nur Möhrlein allein sah, stellte der Fachmann als eine Binsenschmuckzikade vor.

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Tirschenreuth

Ein paar Schritte weiter taumelten Blauflügel-Prachtlibellen elegant durch die laue Sommerluft. Die Mistbiene dagegen, die laut den Insektenkenntnissen des Exkursionsführers gar keine Biene ist, hat sich lieber in den bunten Blumenbeeten niedergelassen. Zur Mistbiene erklärte der Insektenkenner, dass diese viele tausend Kilometer weit aus dem Mittelmeerraum in den Landkreis gekommen sei. Beim Fund der Wespenspinne sprach Erwin Möhrlein die Blühstreifen entlang einiger Felder an, die sich sehr bewährten. Möhrlein berichtete von einer regelrechten Wespenspinnen-Kolonie auf einem Altgrasstreifen.

Aufmerksam lauschten die Anwesenden, als ihnen der Fachmann für Kleinstlebewesen in der Heimat von den "tagfliegenden Nachtfaltern" erzählte, die mit gut 200 aus rund 2000 Nachfalterarten tagsüber mehr zu finden seien als die wirklichen Tagfalter. Nach zwei Stunden konnten die Exkursionsteilnehmer mit ihrer Ausbeute mehr als zufrieden sein.

Erwin Möhrlein hat alles sorgsam dokumentiert. Gefunden und bewundert wurden, neben zahlreichen Kräuter- und Pflanzenarten fünf Libellenarten, vier verschiedene Heupferde, drei Tagfalter, darunter eine Verpuppung, zwei Käfersorten und die bereits beschriebene Binsenschmuckzikade. Als es Abend wurde, wechselte das Bild, die Insektenjäger waren unterwegs: Auf einer kräuterreichen Wiese tummelten sich sehr zu Möhrleins Freude etwa 100 Stieglitze am Stück. Als krönender Abschluss landeten im Stoppelfeld drei Weißstörche, die bei ihrer Futtersuche ohne jede Scheu an den Natur- und Tierschützern vorbeistolzierten.

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