07.03.2019 - 12:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther ehrliche Finder

Schlüssel, Geldbeutel, Handys und Sonnenbrillen sind im Fundbüro gehören zum üblichen Sortiment. Doch auch ungewöhnliche Funde tauchen von Zeit zu Zeit im Fundbüro der Kreisstadt auf.

Brillen, Kameras, Federmäppchen und Teddybären - all das bewahrt Manuel Dörfler, einer der Mitarbeiter im Fundbüro, in einer Schublade auf.
von Redaktion ONETZProfil

Monatlich landen im Durchschnitt etwa zehn Gegenstände bei Manuel Dörfler, Erna Zandt-Rumrich und Natalia Jaspers im Fundbüro im Tirschenreuther Rathaus. Neben banalen Dingen finden auch Kuriositäten wie Drohnen, Hörgeräte und Blutzuckermessgeräte den Weg in das Rathausbüro. Zudem sind ab und zu echte „Hochkaräter“ unter den Fundsachen. Der wertvollste Fund bisher war wohl ein Fahrrad im Wert von rund 2000 Euro. Jedoch lässt sich am Preis der Gegenstände nicht festmachen, wie schnell sich der Besitzer meldet. Vielmehr kommt es oft auf den ideellen Wert an, weiß Dörfler. Allerdings gebe es so manchen goldenen Ehering, den niemand zu vermissen scheint.

Saisonale Funde

Zudem hätten die Jahreszeiten einen gewissen Einfluss auf die Statistik. Immer wieder passiere es, dass Menschen etwas im Schnee verlieren, das erst bei Tauwetter jemand wiederentdeckt. Wenn Feste auf dem Marktplatz oder im Fischhofpark stattfinden, steigert dies das Angebot der abgegebenen Gegenstände um einige vergessene Regenschirme und Jacken.

Kleinere Sachen wie Federmäppchen, Speicherkarten oder Ohrstecker bewahren die Verantwortlichen in einer Schublade auf. Größere Dinge, wie zum Beispiel Fahrräder, warten in einem gesonderten Lagerraum auf ihre rechtmäßigen Besitzer. Die lassen sich jedoch nicht immer ausfindig machen. „Nur gut die Hälfte der abgegebenen Sachen findet ihren Weg zurück“, schätzt Dörfler, der seit rund zwei Jahren im Fundbüro tätig ist. Gebe es irgendwelche Hinweise, dann versuche das dreiköpfige Team zunächst selbst, den Eigentümer ausfindig zu machen. Lässt allerdings nichts auf die Identität des Besitzers schließen, hilft es nur, abzuwarten, bis oder ob sich der innerhalb der gesetzlichen Frist – sechs Monate – beim Fundamt meldet.

Für den guten Zweck

Ist dieser Zeitraum verstrichen, geht es ans „Aussortieren“. Was passiert mit den Sachen, die niemandem zu gehören scheinen? Laut Dörfler ist der erste Schritt, den Finder zu kontaktieren, der im sogenannten Fundbuch, jeweils mit Ort und Zeitpunkt der Abgabe, aufgelistet ist. Der hätte dann die Möglichkeit, den Gegenstand zeitnah abzuholen. Handelt es sich bei dem Fund um Geld, würden einige die Summe auch direkt spenden wollen.

Hat der Finder kein Interesse, erhält das Bayerische Rote Kreuz das Verlorene als Spende für den guten Zweck. Auto- oder Wohnungsschlüssel hingegen vernichten die Verantwortlichen, wenn sich der Besitzer nicht meldet. Um die Fahrräder, von denen gut zwei Drittel im Fundamt übrig bleiben, kümmert sich Geroldine Ondrusek von der Aktion „Solidarität“. Die 87-Jährige engagiert sich schon seit Jahrzehnten für Bedürftige aus aller Welt und schickt regelmäßig Hilfstransporte nach Ruanda.

Ausführlichen Bericht über Geroldine Ondrusek und ihre Arbeit

Tirschenreuth

Wiedersehensfreude

Obwohl viele Gegenstände vergeblich darauf warten, zu ihrem Besitzer zurückzukehren, gibt es auch solche, die die Eigentümer schnell abholen. Von einem Fall, bei dem es besonders zügig ging, kann Erna Zandt-Rumrich erzählen. Nachdem eine Mutter das Haushaltsgeld für den ganzen Monat abgehoben hatte, ging sie in einen Laden in der Nähe der Bank. Dort stellte sie fest, dass ihr Geld verschwunden war. Noch am selben Tag gab jemand das Portemonnaie im Fundbüro ab und die Frau bekam ihr Geld vollständig zurück. Das freute die ganze Familie sehr. Auch Zandt-Rumrich ist froh darüber, dass es im Landkreis so viele ehrliche Finder gebe. „Wenn die Leute Geldbeutel zu uns bringen, dann fehlt wirklich sehr selten etwas“, sagt sie.

Wenngleich ein relativ geringer Anteil ihres Arbeitsalltags auf die Tätigkeit im Fundamt entfällt, gehen die Geschichten hinter den Fundsachen nicht immer spurlos an den Mitarbeitern vorbei. „Bei allem, was mit Kindern zu tun hat, wie zum Beispiel bei verlorenen Kinderwägen, wird man schon mal etwas emotionaler“, erzählt Dörfler. So hoffen er und seine beiden Kolleginnen momentan auch, dass sich der Besitzer eines gefundenen Teddybären meldet.

Info:

Zuständigkeit beachten

Berücksichtigen sollten Finder, dass sie die aufgelesenen Gegenstände in dem Fundbüro abgeben, das dem Fundort am nächsten ist. Denn dort würden sich die Eigentümer am ehesten erkundigen. „Wenn Leute zum Beispiel zu uns kommen, weil sie in Mitterteich etwas gefunden haben, dann müssen wir sie wieder zurückschicken“, sagt Zandt-Rumrich.

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