08.03.2021 - 16:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Triage-Situation durch Impfpriorisierung: Dr. Kalkum wehrt sich gegen Kritik durch Dialysezentrum Kemnath

"Man kann nicht willkürlich impfen", erklärt Dr. Mathias Kalkum. Er äußert sich zu den Vorwürfen aus dem Dialysezentrum in Kemnath und erläutert, warum Patienten nicht einfach bevorzugt werden können.

Die Dialysezentren im Landkreis Tirschenreuth wünschen sich eine zügige Impfung ihrer Patienten. Warum das nicht möglich ist, erklärt der Leiter des Impfzentrums.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Das Dialysezentrum Kemnath hat in einem Artikel von Oberpfalz-Medien Alarm geschlagen: Patienten bräuchten dringend eine Impfung, zu hoch sei das Risiko einer Covid-19-Infektion. Das Landratsamt und Impfzentrum hätten die Forderung nach einer priorisierten Impfung für Dialysepatienten ignoriert. Nun äußert sich Dr. Mathias Kalkum, ärztlicher Leiter des Impfzentrums im Landkreis Tirschenreuth, zu der Kritik.

Dialysezentrum Kemnath fühlt sich von Landkreis-Behörden im Stich gelassen

Kemnath

Er bestätigt, dass die Dialysezentren in Kemnath und Tirschenreuth zeitgleich darum gebeten hatten, Patienten bei der Impfung vorzuziehen. "Das geht aber leider nicht", betont er. Natürlich dürfe das Ansteckungsrisiko nicht unterschätzt werden, aber: "Dialysepatienten haben das 4-fache Risiko an Covid-19 zu erkranken, ein Über-80-Jähriger hat wiederum das 16-fache Risiko."

Zu wenig Impfstoff

Die Verantwortlichen sind an die geltende Corona-Impfverordnung gebunden. Sie regelt, wie mit den verschiedenen Gruppen umzugehen ist. "Man kann nicht willkürlich impfen", betont Kalkum. "Im Grunde befindet man sich aktuell auch in einer Art Triage-Situation." Durch zu wenig verfügbaren Impfstoff könnten nur priorisierte Menschen einen Schutz erhalten. Andere, die ebenfalls das Risiko haben schwer zu erkranken, müssten warten und riskieren damit ebenfalls ihr Leben. Jedoch können Menschen mit einem geringeren Risiko nicht einfach bevorzugt werden. "Dann benachteilige ich gleichzeitig eine Person, die ein höheres Risiko hat und den Impfstoff dringender braucht."

"Man kann nicht willkürlich impfen."

Dr. Mathias Kalkum, ärztlicher Leiter des Impfzentrums

Dr. Mathias Kalkum, ärztlicher Leiter des Impfzentrums

Austausch mit anderen Impfzentren

Dennoch habe das Impfzentrum den Dialyseeinrichtungen angeboten, so früh wie möglich die dortigen Mitarbeiter zu impfen. Das gleiche gelte für Patienten, die bereits durch das entsprechende Alter priorisiert sind, eine Impfung zu erhalten. "Wer sich registriert hat und berechtigt war, ist auch schon geimpft worden", sagt Kalkum.

Der ärztliche Leiter könne auch die Behauptung von Dr. Andreas Reihl vom Dialysezentrum Kemnath nicht nachvollziehen, dass für andere Städte und Landkreise die Impfung kein Problem sei. Auch diese müssten sich an die Impfverordnung halten. Kalkum sei in engem Kontakt und ständigem Austausch mit Leitern der anderen Impfzentren in der Region. "In Regensburg zum Beispiel wurden auch Mitarbeiter und Patienten mit der entsprechenden Berechtigung geimpft", erklärt Kalkum.

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Tirschenreuth

 

 

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