01.01.2021 - 15:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Trotz Pandemie: Kinobetreiber hofft auf das Jahr 2021

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Michael Neidhardt ist schon lange im Geschäft. "Fernseher, Video, DVD und Blue-Ray - das Kino hat alles überdauert", sagt er. "Und das Kino wird auch die Corona-Pandemie überstehen."

Autorin Rita Falk und die Schauspieler Sebastian Bezzel (Franz Eberhofer) und Lisa Maria Potthoff (Susi) machten im August 2019 auf ihrer Promotion-Tour zum neuen Eberhoferkrimi „Leberkäs Junkie“ Station im Cineplanet Tirschenreuth. 800 Fans waren damals gekommen. Kinobetreiber Michael Neidhart hofft, dass es im kommenden Jahr seinen Kinos endlich wieder Leben einkehrt.
von Armin Eger Kontakt Profil

Der 54-jährige Michael Neidhardt ist ein Optimist. "Es könnte schlimmer sein", sagt der Kinobetreiber. Und das, obwohl die vergangenen Monate alles andere als optimal für ihn verliefen. Im März musste er seine Häuser in Tirschenreuth und Marktredwitz beim ersten Lockdown schließen. Aber er ruhte sich nicht aus, war kreativ und startet im Mai mit dem Autokino in beiden Städten. "Das Geschäft war ganz in Ordnung", blickt er zurück.

Am 16. Juni durfte er die zwei Kinos wieder öffnen. "Zuerst waren keine Filme da, da die Verleiher die Streifen zurückhielten, die Besuche waren deshalb mäßig. Aber die Filme wurden besser und es kamen mehr Leute. Zum Schluss war es fast wieder richtig gut", sagt der 54-Jährige.

Rückblick: Einen echten Volltreffer landete Cineplanet-Besitzer Michael Neidhardt mit seinem Autokino

Tirschenreuth

Im Juni öffnet das Cineplanet Tirschenreuth nach monatelanger Corona-Zwangspause wieder

Tirschenreuth

Kinos mussten wieder schließen

Aber dann kam der Teillockdown ab 2. November und ab 16. Dezember sogar der totale Lockdown - und es ging wieder nichts. Auch im Vorweihnachtsgeschäft, wo in den vergangenen Jahren viele Kinogutscheine gekauft wurden, sei die Nachfrage null gewesen. "Ich habe gehört, dass das auch bei meinen Kollegen in den anderen Städten nicht anders ist", weiß Neidhardt.

Trotzdem kam er bisher ganz gut über die Runden. Finanziell hätten ihm die Unterstützungen vom Staat geholfen. 75 Prozent Förderhilfe bekommt Neidhard, berechnet nach den Monaten November und Dezember 2019. "Und da war das Geschäft gut", so der Kinobetreiber.Ein Vorteil bei ihm sei, dass die Gebäude abbezahlt seien und er so keine großen Nebenkosten habe. Was er allerdings ganz sicher weiß, er würde in der heutigen Zeit sicher nicht mehr in einen Kino-Neubau viele Millionen Euro investieren. "Das würde ich mir einfach nicht mehr trauen."

Eine lange Berufserfahrung

Neidhardt setzt stark auf das kommende Jahr. "Das Kino ist nicht tot zu kriegen", ist er sicher. Als das Fernsehen kam, hatte man das Aus der Lichtspielhäuser prophezeit. Auch bei den Videos oder Blue-Rays seien die Prognosen düster gewesen. "Aber das Kino hat alles überlebt", sagt der 54-Jährige mit einer langen Berufserfahrung. 1986 begann er mit seinem ersten Kino in Arzberg. Von 1989 bis 1999 zeigte er die Filme im Luitpold-Kino in Tirschenreuth, danach in seinem Cineplanet in der Otto-Hahn-Straße am Stadtrand der Kreisstadt. Und seit 2013 gehört ihm zudem das Cineplanet in Marktredwitz.

„Die Filme zu Hause am Fernseher streamen kann man nicht mit dem Kino vergleichen. Deshalb freuen sich viele, wenn wir wieder starten dürfen.“

Kinobetreiber Michael Neidhardt

Für Kinder ein Erlebnis

Dass es weitergehen wird, trotz der riesigen Streaming-Konkurrenz, würden ihm die zahlreichen Mails und Whats-App-Nachrichten zeigen, die er täglich bekommt. "Die Filme zu Hause am Fernseher zu streamen, kann man nicht mit dem Kino vergleichen. Deshalb freuen sich viele, wenn es in den Kinos wieder losgeht."

Vor allem für die Kinder sei es ein Erlebnis, die Schauspieler und Figuren auf der großen Leinwand zu sehen. Und für die Erwachsenen habe das Kino immer noch den "Ausgehfaktor".

Nachdem etliche Verleiher ihre großen Filmproduktion wegen Corona zurückgehalten hätten, dürfte das bevorstehende Kinojahr besonders lukrativ werden. "Vor allem die bayerischen Filme werden sehnsüchtig erwartet", sagt Neidhardt. Streifen wie "Kaiserschmarrndrama", "Gugelhupfgeschwader", "Der Boandlkramer und die ewige Liebe", oder der "Beckenrandsheriff", zum Teil produziert in Pleystein im Landkreis Neustadt/WN, sollen die Zuschauer ins Kino bringen.

Auch auf den neuen James-Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" oder auf "Wonder Woman 1984", würden sich viele freuen, so Neidhardt. "Aber die Verleiher rücken die Filme erst raus, wenn es klar ist, dass es richtig weitergehen wird, sonst ist ihnen das Risiko zu groß."

Reparaturen in den Kinos

Bis die Topfilme auch in Tirschenreuth und Marktredwitz laufen, muss sich Michael Neidhardt noch gedulden. Aber Langeweile kennt er nicht: "In den Kinos gibt es einige Arbeiten zu machen, die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeschoben wurden. Ich habe auch keine schlechte Laune und freue mich auf den Restart. Denn ich weiß, Kino wird es immer geben."

Derzeit nicht vorstellbar: Hunderte Eberhoferfans waren im August 2019 ins Cineplanet nach Tirschenreuth gekommen

Tirschenreuth
Hintergrund:

Kino feiert 125. Geburtstag

  • Die erste öffentliche Vorführung fand am 28. Dezember 1895 im Salon Indien im Grand Café in Paris statt.
  • 32 Zuschauer waren gekommen und zahlten einen Franc Eintritt.
  • Mit ihrem Kinematographen – der Filmkamera, Filmprojektor und Kopiermaschine in einem vereint – zeigten die Fotoindustriellen Auguste und Louis Lumière, die als Erfinder des Kinos gelten.
  • Es liefen 10 Kurzfilme, die zusammen rund 20 Minuten dauerten.
  • Am Ende der Projektion waren nach den Worten der Organisatoren alle „sprachlos, erstaunt und unbeschreiblich überrascht“. (dpa)

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.