22.03.2020 - 13:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Dem Vorgesetzten eine Straftat unterstellt

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Auch beim zweiten Verhandlungstermin bleibt der Angeklagte dabei: Er sei in einem Mitarbeitergespräch von seinem Vorgesetzten geschlagen worden. Beim Gespräch dabei waren zwei weitere Führungskräfte, die sagen: "Es gab keine Schläge."

Symbolbild
von Lena Schulze Kontakt Profil

Die meisten Zeugen, vier an der Zahl, wurden bereits am ersten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht gehört. Weil damals ein Zeuge verhindert war, wurde die Hauptverhandlung von Mitte Februar am vergangenen Dienstag fortgesetzt. Angeklagt wegen Verleumdung war ein 34-jähriger Landkreisbewohner. Er behauptete, dass sein Vorgesetzter ihn während eines Mitarbeitergesprächs mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Beim Gespräch, bei dem es darum ging, dass der angeklagte Stapelfahrer seine Arbeit nicht ordnungsgemäß durchführte, kamen vier Personen zusammen. Dabei waren neben dem Angeklagten der geschädigte Vorgesetzte, dessen Kollege sowie der Logistikchef. Letzterer musste bei der Fortsetzung der Verhandlung noch gehört werden.

Der Logistikleiter schildert die Vorgeschichte, warum es zum Mitarbeitergespräch gekommen war. „Schon Wochen und Monate vorher gab es immer wieder Beanstandungen, was die Arbeit des Angeklagten betrifft. Sowohl im Bezug auf Qualität als auch Sicherheit“, erläutert der 41-Jährige, der mittlerweile nicht mehr bei der Firma arbeitet. Weil keine Hinweise des direkten Vorgesetzten fruchteten, ging die Angelegenheit in die nächsthöhere Ebene, zum Logistikchef.

Der Bericht zum ersten Teil der Verhandlung:

Tirschenreuth

So sah sich der Angeklagte in einem Gespräch neben dem Logistikchef, dem Geschädigten und einer weiteren Führungskraft als Zeugen. Sie wiesen den Angeklagten auf seine Arbeitsweise hin. „Ich hatte das Gefühl, dass er verstanden hat, was wir meinten“, sagt der 41-jährige Chef über die Unterredung mit dem Landkreisbewohner. „Er sollte das ernst nehmen, das war kein Spaßgespräch.“

Auch er habe die Behauptung, dass es während des Gespräch zu Handgreiflichkeiten der Führungskräfte gegenüber dem Mitarbeiter gekommen sein soll, erst mitbekommen, als er eine Woche später im Büro des Werksleiters mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. „Das kam aus heiterem Himmel! Wie im falschen Film.“

Sowohl der Geschädigte als auch sein Kollege schilderten am ersten Verhandlungstag, dass das Gespräch im Büro des Logistikleiters sachlich und ruhig verlaufen sei. Der Angeklagte bleibt dabei: „Ich sage die Wahrheit. Es gab Schläge.“

Der Staatsanwalt glaubt daran nicht. Er ist überzeugt, dass es nicht zu Schlägen kam. Dass die drei Führungskräfte den Angeklagten falsch belasten wollten, könne er nicht sehen. Er forderte 180 Tagessätze zu je 35 Euro. Verteidiger Hans-Wolfgang Schnupfhagn erinnerte daran, dass nur sein Mandant Nachteile habe. „Er hat seine Festanstellung verloren und bleibt trotzdem bei seiner Aussage, dass er geschlagen wurde.“ Der Landkreisbewohner beharrt auf seiner Version: „Ich sage die Wahrheit. Die lügen alle. Die Schläge sind gekommen.“

Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß sieht das anders: „Die Kritik hat Ihnen nicht gepasst, deswegen wollten Sie ihrem Vorgesetzten eins reinwürgen.“ Und: „Was für ein Interesse soll der Logistikchef haben, für die Firma, die ihm gekündigt hat, auszusagen?“, fragt Weiß. Der Betriebsfrieden sei nach den Vorwürfen des Angeklagten massiv gestört gewesen. „Sie haben einem Vorgesetzten eine Straftat unterstellt.“ Ein erheblicher Vorwurf, der laut Richter Weiß eindeutig ehrverletzend war.

Er verurteilte den 34-jährigen Staplerfahrer zu einer Geldstrafe von 6300 Euro, was der Forderung des Staatsanwalts entspricht. Hinzu kommen noch die Kosten des Verfahrens. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Weiden in der Oberpfalz
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