22.02.2019 - 15:02 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Warten auf den perfekten Zug

Eines seiner Bilder hängt im Bahnhof Marktredwitz und zeigt einen Regional-Express der DB. Korbinian Eckert ist Trainspotter. Das bedeutet, er fotografiert Züge. Dabei ist es ihm wichtig, dass auch das Umfeld perfekt aussieht.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Länger als eine Tausendstel Sekunde darf die Verschlusszeit an der Kamera nicht sein, willst du einen Zug in voller Fahrt auf freier Strecke ,einfrieren'", erklärt Eckert. Er ist 24 Jahre jung und arbeitet als Verwaltungsinformatiker beim Freistaat in Nürnberg. 2013 machte er Abitur im Stiftland-Gymnasium, studierte anschließend in Amberg Maschinenbau und wechselte in ein duales Studium. Das absolvierte er in Hof. Sein Arbeitgeber war damals bereits der Freistaat. Seit 2018 darf er sich Diplom-Verwaltungsinformatiker (FH) nennen.

Bisher noch nie veröffentliche Bilder von Korbinian Eckerts Zug-Expeditionen:

Logische Konsequenz

Dass sich Eckerts Motivsuche immer mehr auf Züge konzentrierte, sei letztendlich eine logische Konsequenz gewesen. Durch seinen Vater, Christoph Eckert, wurde er schon früh mit dem Modellbahn-Virus infiziert. Auch am maßstabsgetreuen Modell des ehemaligen Tirschenreuther Bahnhofsgeländes hat er neben seinem Vater und dessen Bekannten Reinhard Legat mitgewirkt. "Das mit Zügen und Eisenbahnen ist bei uns wahrscheinlich in den Genen verankert, denn neben dem Vater ist auch der Opa ein Modellbahner. Er hatte damals schon Märklin Dampfloks, die wir heute noch einsetzen. Eine richtige Anlage hatte er aber nie."

Aufs Geratewohl sei er losgezogen, um Züge zu fotografieren, erklärt der 24-Jährige. "Anfangs hatte ich wenig Ahnung, wie das gemacht wird, damit das Ergebnis auch gut aussieht. Ich kannte mich nicht besonders gut mit Fotografie aus. Ich begann einfach damit, auf Bahnhöfen Züge zu fotografieren, die sich in diesen Momenten nicht oder nur langsam bewegten. Das war ziemlich laienhaft." Heute fotografiert Eckert nicht mehr im Bahnhofsbereich. Außer wenn er Nachtaufnahmen haben will. Denn um Belichtungszeiten im Bereich von 10 bis 30 Sekunden zu realisieren, ist ein Stativ angesagt. Eine ziemlich aufwendige Angelegenheit, die im zivilisierten Bahnhofsbereich leichter zu realisieren ist als draußen im freien Gelände.

"Alex war der Erste"

Welchen Zug er vor die Linse bekommt, ist Eckert grundsätzlich egal. Viel wichtiger ist es ihm, dass seine schwergewichtigen Hauptmotive stimmig zur Landschaft passen. Natürlich sei auch eine gewisse Sammelleidenschaft dabei. Aber das sei nie der Hauptgrund. 2011 ließ er sich vom Vater zum Bahnerlebnistag nach Regensburg chauffieren. Dort stand der "Alex" gekoppelt an eine Dampflok 18 201. "Die wollte ich unbedingt haben." Sein erstes Bild schoss der Tirschenreuther am 14. Oktober 2008 am Wiesauer Bahnhof mit der Kamera des Vaters. Das war ebenfalls der "Alex". Wenn die Familie jemanden vom Zug abgeholt hat, war ich immer dabei und habe fotografiert - nicht die Familie, sondern die Züge." Eine bessere Kamera musste her. Der Vater finanzierte 50 Prozent des vierstelligen Euro-Betrags. Das genauso teure Weitwinkelzoom hat der junge Mann alleine bezahlt. Das ist acht Jahre her. Heute gehört noch ein lichtstarkes Telezoom zur schweren Ausrüstung. 40 000 bis 50 000 Fotos hat der Trainspotter mit der professionellen Vollformat-Spiegelreflexkamera bisher geschossen.

Nicht nur Züge, auch schon mal die Milchstraße und vor allem Sonnenuntergänge, für die er fast schon eine ähnliche Leidenschaft wie für Züge entwickelt hat. Die Lichtstimmungen des Tirschenreuther Weihnachtsmarkts hat er ebenfalls schon öfters im Bild festgehalten. Alle Kameraeinstellungen nimmt Eckert manuell vor. Nur beim Weißabgleich vertraut er der Kameraautomatik.

Bestens vernetzt

Trainspotter sind bestens vernetzt. Eckert ist Mitglied in drei Whats-App-Gruppen und nutzt das Internet, um das Neueste aus der Szene zu erfahren. Mit Googlemaps und durch Bilder von der Ausbeute anderer Trainspotter im Netz informiert er sich über ergiebige Fotografierstandorte und seltene Züge, die dort vorbeirauschen. "Da stehen dann schon mal zehn Leute und fotografieren. Zehn Sekunden dann ist alles vorbei, das Objekt der Begierde hinter der nächsten Kurve verschwunden."

In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Trainspotter massiv angewachsen. "Es gibt Leute, die fahren 800 Kilometer, um einen bestimmten Zug vor die Linse zu bekommen." Für Sammler sei das Dieselnetz von Hof bis Schwandorf und in Richtung Nürnberg eher langweilig. "Wenn du viel Glück hast, kommen da gerade mal drei bis vier Güterzüge am Tag durch und wann die genau fahren, ist nicht herauszubekommen, obwohl es dafür schon Fahrpläne gibt." Für Eckert sind Güterzüge mit E-Lok davor das Highlight. Einmal habe er in der Gegend um Hof einen Militärzug mit zwei Werbeloks davor perfekt erwischt. "Das war Adrenalin pur, als würden Weihnachten und Ostern zusammenfallen. So einen Dusel habe ich bestimmt mein ganzes Leben nicht mehr." Den Zug auf der Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtlandkreis hat Eckert gerade noch kurz vor Sonnenuntergang erwischt. "Die Brücke war schon nicht mehr ganz im Licht, aber der Zug darauf war voll illuminiert."

Verkaufserfolge

Mittlerweile hat Eckert auch finanziellen Erfolg mit seinen Fotografien. Kürzlich bekam er ein Schreiben von der Bahn. Sie kaufte das anfangs erwähnte Bild, das im Marktredwitzer Bahn-Infocenter den Raum dominiert. Die Bahn habe ihm sogar Unterstützung per E-Mail zugesagt, falls er bei seinem Hobby einmal nicht weiterkomme. Neben der Fotoausrüstung ist das Handy das wichtigste Werkzeug, das er braucht. Kommt eine entsprechende Nachricht, fährt Eckert auch schon mal 60 Kilometer mit seinem klapprigen 18 Jahre alten Renault Clio. "Endlich angekommen, kann es passieren, dass es heißt, der Zug fährt heute nicht, oder die Wolken ziehen vor die Sonne, genau dann, wenn es darauf ankommt."

Der Tirschenreuther schwärmt: "Es ist faszinierend, wenn du nach Hause kommst und endlich die Bilder am großen Bildschirm siehst." Auf Flickr zeigt er seine Best-of-Bilder. Die meisten seiner Fotos präsentiert er aber auf "bahnbilder.de". Pro Einsatz bringt er schon mal bis zu 700 Bilder mit Heim. Fachzeitschriften, "Die Länderbahn", "Bahnland Bayern" oder die Bayerische Eisenbahngesellschaft kaufen immer wieder Bilder von ihm. Seit 2017 macht er eigene Jahreskalender, die er als Geschenke an die Familie und Freunde verteilt.Weitere Bilder www.flickr.com/photos/144347283@N05/ und www.bahnbilder.de/name/galerie/fotograf/11629/username/korbinian-eckert....

Wenn die Familie jemand vom Zug abgeholt hat, war ich immer dabei und habe fotografiert – nicht die Familie, die Züge am Bahnhof.

Trainspotter Korbinian Eckert

Trainspotter Reinhold Buchner aus Etzenricht

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