26.11.2020 - 14:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wasserwirtschaftsamt Weiden überprüft Sicherheit von Dämmen

Wie sicher sind kleine Stauanlagen von Teichen und stehenden Gewässern? Dies überprüft momentan das Wasserwirtschaftsamt Weiden. Dabei rückt auch der Landkreis Tirschenreuth in den Fokus.

Allein die große Tirschenreuther Teichpfanne umfasst circa 2500 Gewässer im Osten des Landkreises Tirschenreuth, viele davon sind uralt.
von Externer BeitragProfil

Mit dem Dammbruch des Schneidweihers oberhalb von Oberbibrach (Kreis Neustadt/WN) im Juni dieses Jahres gewinnt die Überprüfung der Standsicherheit von kleinen Stauanlagen, wie beispielsweise von Fischteichen, wieder verstärkt an Bedeutung. Derartige Ereignisse können zu hohen Sachschäden führen oder gar eine Gefahr für Leib und Leben darstellen. "Insbesondere bei Teichen, die bereits seit vielen Generationen weitervererbt werden, fehlt bei den Betreibern häufig das Bewusstsein für die Gefahren, die von einem Dammbruch ausgehen können. Und ebenso das Bewusstsein für die Verantwortung, die sie dadurch tragen", schreibt Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weiden.

Insgesamt gibt es im Amtsbezirk des Wasserwirtschaftsamtes Weiden etwa 21.000 Teiche und stehende Gewässer. Derzeit erhebt die Behörde Stauanlagen, die aufgrund ihrer Größe und Lage zu Bebauung oder Infrastruktur ein erhöhtes Gefährdungspotenzial aufweisen. "Diese werden dann vor Ort noch einmal genauer auf offensichtliche Defizite hin überprüft", so Rosenmüller.

Im Vergleich zur Gesamtzahl der Anlagen hätten die Experten bisher nur bei wenigen Anlagen Handlungsbedarf festgestellt. Zum Vergleich: Im Landkreis Tirschenreuth wurden von etwa 5700 Teichen und stehenden Gewässern bisher 26 Anlagen mit Handlungsbedarf identifiziert. Dennoch gebe es die ein oder andere Anlage mit offensichtlichen Defiziten. Dazu zählen beispielsweise:

  • fehlende oder nicht funktionstüchtige Hochwasserentlastung;
  • hoher und steiler Dammkörper oder Sickerwasseraustritte und Ausspülungen im Damm;
  • Grundsätzlich können auch Bäume auf dem Teichdamm eine Gefahr darstellen. Bei einem Sturm beispielsweise können sie umstürzen und mit ihren Wurzeln ein Loch in den Dammkörper reißen.

Um einen sicheren Weiterbetrieb dieser Teichanlagen zu garantieren, seien Maßnahmen notwendig. Die betroffenen Anlagenbetreiber würden daher in nächster Zeit durch die Landratsämter angeschrieben. Insbesondere in der nördlichen Oberpfalz, in der die Teichwirtschaft schon seit hunderten von Jahren betrieben wird – und die Teiche meist viel älter als die im Unterstrom befindliche Bebauung/Infrastruktur sind -, würden die Dämme selten dem Stand der Technik entsprechen. "Meist existieren keine Pläne oder Informationen zum Aufbau der Dämme", weiß Rosenmüller.

Maßnahmen zum Nachweis beziehungsweise zum Herstellen der Standsicherheit können durchaus kostenintensiv sein. Diese zusätzliche finanzielle Belastung würde eine weitere Herausforderung für die Teichwirte darstellen. Denn die Situation sei durch Fischotter, Kormoran und Klimawandel ohnehin schon angespannt. Trotzdem habe die Sicherheit der Unterlieger höchste Priorität. Aus Sicht des Wasserwirtschaftsamts muss "daher der tatsächliche Handlungsbedarf zur Sicherung der Standsicherheit im Vordergrund stehen".

Gemeinsam mit dem Landesfischereiverband versuche nun die Behörde, einen möglichst verträglichen Weg zu finden, um sowohl die Sicherheit für Unterlieger herzustellen, als auch die Existenz der kulturell geprägten Teichlandschaft zu schützen. In verschiedenen Besprechungen mit der Regierung der Oberpfalz, den Landratsämtern, der Fachberatung Fischerei und der Teichgenossenschaft Oberpfalz sei das weitere Vorgehen diskutiert worden. Der Landesfischereiverband sei an einer Erarbeitung von Lösungsansätzen gemeinsam mit der Politik interessiert, auch hinsichtlich etwaiger Fördermöglichkeiten.

Überschwemmungen und ein Dammbruch haben im Juni einen Großeinsatz in Oberbibrach ausgelöst

Oberbibrach bei Vorbach
Hintergrund:

Das Wasserwirtschatsamt Weiden

  • Zuständigkeit: Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN, Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie die Städte Weiden und Amberg.
  • Aufgaben: Menschen vor Hochwasser bewahren, Gewässer und das Grundwasser vor Gefahren schützen, Versorgung mit sauberem Trinkwasser sicherstellen sowie Bäche und Flüsse in ihrer Ursprünglichkeit erhalten oder dahin zu entwickeln. In einem Satz: "Das Wasser vor dem Menschen schützen und den Menschen vor dem Wasser schützen."

 

 

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