25.05.2020 - 16:56 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wirte sind enttäuscht: Viele Plätze bleiben innen leer

Endlich offen, aber kein Aufatmen für die Wirte im Landkreis Tirschenreuth. Seit Montag dürfen sie nach monatelangem Stillstand wieder die Innenbereiche ihrer Gasthäuser öffnen. Doch ihr Fazit nach dem ersten Tag ist durchwachsen.

Bei Peter Kraus von der Pilsstube "Zum Fassl" in Tirschenreuth läuft die Öffnung des Innenbereichs nur schleppend an. An der Theke, wo normalerweise seine Kundschaft sitzt, stehen keine Stühle mehr. Die meisten seiner Gäste sitzen im Außenbereich.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Die Lage bei den Gaststätten im Landkreis ist noch ein wenig verworren: Nicht alle Wirte wagen es und schließen ihre Gaststätte trotz der Lockerungen wieder auf. Zu hoch sind für manche die Auflagen und der Personalbedarf, Abstandsregelungen können nicht überall eingehalten werden. So ist es beispielsweise bei Franz Kühn vom Gasthaus "Schwan" in Tirschenreuth. Das wird auch weiterhin geschlossen bleiben. "Es rentiert sich einfach nicht", sagt er, die Ernüchterung ist deutlich zu hören. Aufgrund der Raumsituation könne er nicht für genug Abstand sorgen, außerdem sei das Wetter momentan schlecht - es lohne sich kein Außenbetrieb. Wann genau es im Gasthof "Schwan" weitergehen wird, ist noch ungewiss. "Da muss man einfach abwarten, wann weitere Lockerungen kommen." Und auch das Gasthaus "Zum Roten Ochsen" in Falkenberg, wird weiterhin nur einen Abholservice anbieten. "Das ist sonst zu viel Arbeit", sagt Inhaberin Irene Prockl und meint damit das ständige Putzen und Desinfizieren. Ihr bereitet die Nachricht vom Corona-Ausbruch in einer Gaststätte im niedersächsischen Landkreis Leer Sorgen, der vor wenigen Tagen bekannt wurde. Für Prockl ist eine Öffnung unter den momentanen Bedingungen "viel zu unsicher".

Es gibt sie aber, die Wirte, die sich trauen. Die versuchen, in Coronazeiten ihre Gäste vor Ort zu bewirten und Einnahmen zu erzielen. Einer davon ist Peter Kraus von der Pilsstube "Zum Fassl" in Tirschenreuth. Bereits letzten Montag hat er den Außenbereich seiner Stube geöffnet. Und lobt seine Gäste:. "Alle sind vernünftig, die Leute halten sich an die Masken- und Abstandsregeln." Auch am Dienstagmittag sitzen, wie schon die Tage davor, Gäste draußen und genießen ihr Bier. Im Innenbereich sei bislang aber nichts los. Die Stühle, die sonst um die Theke stehen, hat er verräumt. "Ich denke", sagt Kraus, "dass die Leute einfach vorsichtig sind."

Gäste halten sich an die Regeln

Auch bei Riccardo Neitz von der Eisdiele "La Strada" sind die Tische meistens leer. Er hat seinen Innenbereich direkt am Montag für seine Gäste geöffnet. "Ziemlich ruhig" war es da, vor allem alte Stammgäste seien gekommen. Auch der Außenbereich war weniger besucht. Das liege aber nicht an Corona, ist er sich sicher. "Es ist momentan kein Eiswetter." Letzte Woche, als er den Außenbereich öffnen konnte, sei es aber gut gelaufen, obwohl die Gästezahl wegen den begrenzten Sitzplätzen geringer als sonst war. "Die meisten Leute haben sich auch gut an die Maskenpflicht gehalten."

Im Brauereigasthof "Hösl" in Mitterteich ist seit letzter Woche der Außenbereich für Gäste geöffnet, seit Montag nun auch wieder der Innenbereich. Die Bilanz von Inhaberin Dagmar Helgert am Dienstagmittag: ernüchternd. "Es ist zögerlich angelaufen", sagt sie und klingt enttäuscht.

Überrascht hat sie der holprige Start nicht: "Wir waren darauf eingestellt, dass deutlich weniger Gäste kommen." Sie vermutet, dass die Gäste Angst haben und vorsichtig sein wollen. "Dabei haben wir viel Platz", sagt sie. Sie könne alle Vorschriften im Gasthaus einhalten. "Im Außenbereich läuft es aber deutlich besser", so Helgert. "Und die Leute halten sich einwandfrei an alle Regeln."

Anna Maria Volpe ist zusammen mit ihrem Mann Gino Inhaberin der Pizzeria "Da Gino" in Kemnath - und auch ihre erste Bilanz ist nicht positiv. "Ich hatte bisher nur wenige Tische belegt", sagt die Wirtin, die ebenfalls direkt am Montag den Innenbereich ihres Restaurants geöffnet hat.

Auch in der Woche davor, als Volpe den Außenbereich ihrer Pizzeria für Gäste geöffnet hatte, blieben die Besucherzahlen deutlich unter ihren Erwartungen zurück. "Da waren vielleicht vier bis fünf Tische belegt." Was könnte der Grund dafür sein? Volpe tippt auf das schlechte Wetter und die Hygienebeschränkungen. Ihren Optimismus lässt sie sich aber trotzdem nicht nehmen: "Vielleicht wird es ja besser."

Die Enttäuschung ist in den Gesprächen deutlich herauszuhören. Doch dann gibt es auch Wirte wie Anastasios Kotsopoulos vom Restaurant "Alfa" in Waldsassen. "Ja", sagt er, "die Gastro ist total kaputt." Aber: "Man muss immer positiv denken." Auch er hielt sich und sein Restaurant mit einem Abhol- und Lieferservice über Wasser. Das sei gut gelaufen, aber natürlich überhaupt nicht vergleichbar mit dem normalen Betrieb.

"Überstürzen bringt nichts"

Sein Restaurant ist wieder komplett geöffnet mit begrenzten Plätzen - von den sonst 80 können innen nur 40 Gäste sitzen. Für Dienstagabend haben 20 Gäste reserviert. "Ich bin bisher zufrieden", sagt er. Natürlich brauche auch er mehr Gäste, mehr Geld. Aber er habe eine klare Philosophie: "Es muss langsam ablaufen und sicher." Es bringe nichts, sagt der Wirt, wenn man alles überstürzt. "Dann sind an einem Tag vielleicht zig Gäste da und am nächsten darf man wieder zusperren." Stück für Stück müsse alles anlaufen, die Gäste sollen ein gutes Gefühl haben. Denn: "Das ist keine Sache, die jetzt nur uns Wirte trifft. Das trifft die ganze Welt."

Gino Volpe betreibt zusammen mit seiner Frau Anna Maria die Pizzeria "Da Gino" in Kemnath. Relativ wenige Gäste haben das Restaurant seit der Öffnung besucht.

Vor einer Woche durften die Biergärten öffnen. Das lief etwas besser an. Hier gibt es dazu die Infos:

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