11.10.2019 - 17:34 Uhr
TrabitzOberpfalz

Fußballer droht die Abschiebung: Alle kämpfen um Shafi

Die SpVgg Trabitz bangt um die Zukunft ihres Mittelfeldspielers Shafi Husseini. Dem jungen Afghanen droht die Abschiebung. Zahlreiche Unterstützer setzen sich nun für ihn ein. Er sei ein „Paradebeispiel für Integration“.

Shafi Husseini (links) gehört zum Stammpersonal der SpVgg Trabitz.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Shafi Husseini ist Leistungsträger in der Fußballmannschaft der SpVgg Trabitz. Der 22-Jährige aus Afghanistan ist ein guter Fußballer, spielte schon in der Kreisliga für den FC Tremmersdorf/Speinshart. Seit 2016 ist er in Deutschland, gekommen ist er als Flüchtling. „In meiner Heimat habe ich nicht im Verein gespielt. Wir haben auf der Straße gekickt“, erzählt er. Deswegen ist er besonders stolz, dass er hier in Deutschland auf dem Platz so gut mithalten kann. 30 Tore in 79 Spielen hat er geschossen, seit er in Deutschland ist.

Doch nun droht ihm die Abschiebung. Seine erste Geburtsurkunde, welche die deutschen Behörden aus Afghanistan bekommen haben, wurde nicht anerkannt. Der Vorwurf: Sie könnte gefälscht sein. Dagegen wehrt sich Shafi nun. Hilfe bekommt er von deutschen Nachbarn, die sich in Trabitz sehr für die Flüchtlinge engagieren. „Shafi ist ein netter junger Mann, zurückhaltend und gut integriert“, sagen sie. Inzwischen wurde eine zweite Geburtsurkunde ausgestellt, die seit neun Wochen den Behörden in München vorliegt.

Shafi Husseini (oben, Dritter von links) und seine Mannschaftskameraden von der SpVgg Trabitz.

Der junge Afghane spricht gut Deutsch, hat zuletzt die Mittlere Reife geschafft und bereits Praktika als Maler, Koch und Kfz-Mechaniker absolviert. „Alle Betriebe hätten ihn als Lehrling eingestellt. Bei einem Unternehmen in Speinshart hat er bereits einen Ausbildungsvertrag erhalten, doch wir mussten kündigen, weil wir der Innung nicht die benötigten Papiere vorlegen konnten. Shafi will arbeiten, und die Betriebe wollten ihn gerne übernehmen“, erzählt eine Nachbarin, die ihn dabei unterstützt.

„Wir befürchten, dass er abgeholt und abgeschoben wird. Wir wissen nicht, wie die Behörden die Geburtsurkunde einstufen. Wenn die erste Urkunde nicht anerkannt wurde, werden Flüchtlinge schnell in eine Schublade gesteckt. Wir warten nun seit neun Wochen auf eine Rückmeldung“, erklärt ein Nachbar. Shafi hat viele Unterstützer. Für ihn werden Unterschriften gesammelt, vor allem bei den Sportvereinen. „Knapp 400 Menschen haben bereits handschriftlich unterschrieben“, erklärt eine Nachbarin.

Weiden in der Oberpfalz

Sie haben sich auch bereits an viele Politiker gewandt. „Wir bekommen Unterstützung von einigen lokalen Ortsverbänden und zudem von Dekan Wenrich Slenczka aus Weiden. Ich habe auch Briefe an Regierungspräsident Axel Bartelt, Tobias Reiß, Christian Doleschal, Landrat Andreas Meier, Ilse Aigner, Tanja Schweiger, Anna Toman, Albert Rupprecht und Uli Grötsch geschickt und ihnen Shafis Fall geschildert“, erklärt eine Nachbarin des jungen Flüchtlings. Auch an den Petitionsausschuss haben sie sich bereits gewandt.

Unterstützung bekommt Shafi auch von den Vereinen in der Region. Allen voran die SpVgg Trabitz und der FC Tremmersdorf/Speinshart. So hat der Kreisligist aus Tremmersdorf für Shafi ein offizielles Schreiben verfasst, das Oberpfalz-Medien vorliegt. Shafi habe sich in seiner Zeit beim FC „durch seine freundliche und offene Art viele Freunde gemacht und war hervorragend integriert“. Der Verein bezeichnet den jungen Afghanen als „Musterschüler“ für Trainer und „Vorbild für seine Mannschaftskameraden“. Durch ihn sei im Verein und der Gemeinde die Sichtweise entstanden, dass Flüchtlinge eine Bereicherung seien und „einen positiven und konstruktiven Beitrag für die Gesellschaft leisten“.

Diese Sicht vertritt auch Stefan Geppert, Sportlicher Leiter bei der SpVgg Trabitz: „Shafi ist ein Paradebeispiel für Integration. Ich habe ihn erst neulich wieder als Trainingsfleißigsten ausgezeichnet. Der Verein steht voll dahinter, dass er bleiben darf.“ Die SpVgg ist eine internationale Truppe. Hier spielen Deutsche, Osteuropäer und Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten zusammen. Shafi ist unangefochtener Stammspieler, erzielte in bisher elf Spielen zwei Tore. „Er spielt bei uns im Mittelfeld, ist dynamisch, setzt seinen Körper gut ein und hat einen ordentlichen Schuss“, beschreibt ihn Geppert.

Flüchtlinge bei der SpVgg Trabitz

Weil er von der Unterkunft in Neustadt am Kulm in die Unterkunft nach Trabitz verlegt wurde, wechselte Shafi den Verein, da er keine Möglichkeit hatte weiterhin das Training zu besuchen. „Auch hier zeigte sich, dass die Sportvereine solidarisch in der Sache sind. Wir haben den Wechsel mit Tremmersdorf ohne Probleme abgewickelt, auch wenn der FC ihn aufgrund seiner sportlichen Qualitäten nur ungern gehen ließ. Aufgrund der Wohnsituation haben sie sich aber sehr verständnisvoll gezeigt. Das ist nicht selbstverständlich“, erzählt Geppert.

Sogar gegnerische Mannschaften unterstützen, dass Shafi bleiben darf. „Dass unsere Mannschaft sich in die Unterschriftenlisten für seinen Verbleib einträgt, ist klar. Aber auch viele gegnerische Spieler haben sich eingetragen. Shafi zeigt auch auf dem Platz viel Sozialkompetenz und hinterlässt auch beim Gegner einen positiven Eindruck“, lobt Geppert seinen Spieler. Dass seinem Mittelfeldspieler nun die Abschiebung droht, kann er nicht nachvollziehen: „Dieser Junge spricht gut Deutsch, hat seine Mittlere Reife gemacht und sich Lehrstellen besorgt. Dass gerade bei ihm die Abschiebung droht, verstehe ich nicht. Da falle ich schon ein wenig vom Glauben ab.“

Info:

Die Flucht aus Afghanistan

Shafis Flucht beginnt in der Provinz Ghazni in Zentralafghanistan. Sein Vater war in seinem Heimatort Mitglied des Ältestenrates, was vergleichbar mit einem Gemeinderat ist. In dieser Funktion war es keine Seltenheit, dass sein Vater auch nachts noch von Bürgern geholt wurde, um Probleme zu klären. Doch irgendwann kehrte er nicht nach Hause zurück. Nach Shafis Kenntnissen, wurde er von den Taliban ermordet. Grund dafür war wohl, dass die Familie Husseini zur Minderheit der Hazara gehört.

Diese Bevölkerungsgruppe ist erkennbar an ihrem mongolischen Aussehen. Etwa 15 Prozent der afghanischen Bevölkerung gehört den Hazara an. Die Taliban sehen sie als minderwertige Menschen. Wie die New York Times berichtete starteten die Taliban im November 2018 in der Provinz Ghazni eine Offensive, bei der sie von den Hazara bewohnte Distrikte angriffen.

Shafis Mutter bekam zudem einen Hinweis, dass auch ihr Sohn in Lebensgefahr sei. Daraufhin organisierte sie für Shafi die Flucht aus Afghanistan. Für den Jugendlichen begann eine Odyssee.

Zu Fuß und mit dem Bus durch Afghanistan in den Iran, dann in die Türkei. „Der Weg in den Iran war schlimm. Ständig wurden wir geschlagen“, erzählt Shafi. In Istanbul angekommen, wurden sie versteckt und mussten von den Schleusern ein Ticket nach Athen kaufen.

Angekommen in Griechenland blieben sie in den Fängen der Schleuser, die Weiterfahrten per Lkw über Nordmazedonien und Ungarn nach Deutschland organisierten. Shafi landete schließlich in Waidhaus. Von dort wurde er erst nach Grafenwöhr, dann Neustadt am Kulm und schließlich nach Trabitz geschickt.

Kommentar:

Vertrauen in die Politik schwindet

Wie weit die deutsche Politik von der Lebensrealität ihrer Bürger wirklich entfernt ist, zeigt sich auch in der Flüchtlingspolitik. Der Fall von Shafi Husseini ist ein gutes Beispiel.
Der junge Afghane hat sich in der kurzen Zeit, in der er in Deutschland ist, wunderbar integriert. Er spricht gut Deutsch, hat seine Mittlere Reife bestanden und hatte bereits mehrere Angebote, eine Ausbildung zu beginnen. Doch aufgrund der deutschen Gesetzeslage wird geprüft, ob er in Deutschland bleiben darf. In Zeiten des Fachkräftemangels sollten sich die Politiker schon fragen, ob Menschen wie Shafi wirklich abgeschoben werden sollten. Dazu kommt, dass er aus Afghanistan geflüchtet ist, weil er um sein Leben fürchtet. Das ist schon aufgrund seiner Abstammung nicht auszuschließen.
Diese Flüchtlingspolitik ist fernab des Alltags in Deutschland und hinterlässt den Eindruck, dass sie von privilegierten Politikern in dunklen Hinterzimmern in Berlin beschlossen wurde. Das frustriert nicht nur Flüchtlinge, sondern auch die Bürger, die Menschen wie Shafi als netten und zuverlässigen Mannschaftskameraden, Arbeitskollegen oder Nachbarn kennengelernt haben.

von Matthias Schecklmann

Shafi Husseini im Trikot der SpVgg Trabitz.

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