03.05.2021 - 09:03 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Bürgerversammlung in Trausnitz unter freiem Himmel

Besondere Situationen erfordern bekanntlich besondere Maßnahmen. Diesen gängigen Spruch macht sich Bürgermeister Martin Schwandner zu eigen - und verlegt die diesjährige Bürgerversammlung kurzerhand in den Pausenhof der Grundschule.

Temperaturen um die sieben Grad konnten viele Trausnitzer Bürger nicht vom Besuch der Bürgerversammlung abhalten.
von Richard BraunProfil

In Zeiten der Pandemie ist eine Bürgerversammlung in geschlossenen Räumen nicht möglich. Warum dann nicht die Veranstaltung ins Freie verlegten, dachte sich Bürgermeister Schwandner, wo doch nach Aussagen von führenden Wissenschaftlern die Ansteckungsgefahr dort gegen Null geht. Digital wird zudem nur ein geringer Bevölkerungsanteil erreicht.

Trotz kalter Temperaturen um sieben Grad nutze eine ansehnliche Zahl von Bürgern dieses Angebot und holte die warme Winterbekleidung noch einmal aus dem Schrank. Maske, namentliche Registrierung und Desinfektion der Hände vor dem Betreten des Pausenhofes der Grundschule waren für jeden selbstverständlich.

Unter den Gästen war auch Bürgermeister Richard Tischler aus Pfreimd zu finden, der in seinen Funktionen als stellvertretender Landrat, VG-Vorsitzender und Vorsitzender des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Glaubendorfer Gruppe einen wichtigen Informationsbeitrag liefern konnte.

Zu Beginn der Bürgerversammlung erhoben sich alle von den Plätzen und gedachten der in letzten Jahr verstorbenen Gemeindebürger. In seinem Bericht ging der Bürgermeister auf die derzeitige Situation ein und sah darin auch Chancen gerade für den ländlichen Raum. Besonders junge Familien versuchen der Enge der Stadt zu entfliehen und suchen ihr Glück wieder auf dem Land. Dies drückt sich bereits in steigenden Einwohnerzahlen aus. So sind in Trausnitz 1046 Einwohner in Haupt- und Nebenwohnsitz gemeldet.

Diese positive Entwicklung unterstützt die Gemeinde mit Investitionen in die Infrastruktur, in Schule und Kindergarten und den Versuch, den dörflichen Charakter zu erhalten und zu stärken. Alle diese Schritte drücken sich auch im Haushaltsvolumen für das Jahr 2021 aus, das bei 3,42 Millionen Euro liegt. Rund 1,1 Millionen Euro werden davon in verschiedene Baumaßnahmen investiert.

Die Schwerpunkte im zurückliegenden Jahr waren die einfache Dorferneuerung in Köttlitz und Söllitz, die brandschutztechnische Ertüchtigung des Feldschlössels und der Wegebau. Sorgenkinder sind nach wie vor der Mobilfunk und der Breitbandausbau. Mit Unterstützung des Bundesprogramms könnte der Breitbandausbau in Atzenhof bis 2023 erfolgreich abgeschlossen und das ferne Ziel „Glasfaser in jedes Haus“ bis 2026 umgesetzt sein.

Wichtige Standortfaktoren bei der Wohnraumsuche junger Familien sind die Schule im Ort und ein Kindergarten. In beiden Punkten ist die Gemeinde gut aufgestellt. Der zertifizierte Landkindergarten soll bis 2023 um eine Kinderkrippe für zwölf Kinder erweitert werden. Dann stehen 37 Betreuungsplätze zur Verfügung.

Weitere Investitionsschwerpunkte in diesem Jahr sind der Baubeginn für den gemeindlichen Bauhof, die Wassererschließung der Seestraße und die Umgestaltung des Friedhofes. Nachdem sich der Gemeinderat mehrheitlich gegen den Bau von Freiflächenphotovoltaikanlagen ausgesprochen hat, liegen jetzt Pläne für den Bau eines Windparkes bei Söllitz auf dem Tisch. Im Flurstück „Himmelstür“ plant ein Investor vier Windräder. Die 10-H-Regelung kann in keinen Fall eingehalten werden, könnte aber bei einer entsprechenden Bebauungsplanänderung umgangen werden. In jedem Fall soll die Bevölkerung mit eingebunden werden. Die ist aber noch Zukunftsmusik ohne dass eine Entscheidung gefallen wäre.

Zum Ende seiner Ausführungen gab Bürgermeister Schwandner bekannt, dass die Gemeinde herausragende Leistungen für das Gemeinwohl mit der Verleihung der Bürgermedaille würdigen will. Damit sollen Bürger ausgezeichnet werden, die sich über Jahrzehnte ehrenamtlich für die Gemeinde und seine Bürger eingesetzt haben. Das Vorschlagsrecht steht allen Bürgern offen.

Bürgermeister Martin Schwandner war es ein besonderes Anliegen, allen Mitarbeitern der Gemeinde, den vielen ehrenamtlichen Helfern und allen Bürgern für ihr Mittun zum Gelingen des Gemeinwohles zu danken. In seiner Funktion als stellvertretender Landrat hob Richard Tischler die großen Leistungen der Gemeinde in den zurückliegenden Jahren hervor. Dies sei nicht zuletzt der Verdienst von Bürgermeister Schwandner gewesen, der sich unermüdlich für die Gemeinde einsetze.

In seiner Funktion als Vorsitzender des Zweckverbandes Glaubendorfer Gruppe ging Richard Tischler sehr ausführlich und anschaulich auf den Ist-Zustand der Wasserversorgung ein und erläuterte verständlich die Gründe, die zur massiven Erhöhung des Wasserpreises führten. Wie die Wasserversorgung künftig sicher und zukunftsträchtig gestaltet werden kann, soll ein Gutachten erbringen, das der Zweckverband in Auftrag gegeben hat und dessen Ergebnis noch in diesem Jahr erwartet wird.

Nicht nur der Wasserbezugspreis wird für den Einzelnen teurer, auch die Entsorgung über die Kanalisation verdoppelt sich im Preis. Die Gründe dafür legte Bürgermeister Schwandner dar.

Mehr Geld für den Kanal

Trausnitz

Trotz des brisanten Themas kam es nur zu einer Wortmeldung. Johann Müller, der ehemalige Vorstand des Zweckverbandes Glaubendorfer Gruppe, verwahrte sich gegen den Vorwurf, der mittlerweile des Öfteren zu hören ist, dass der Zweckverband in den letzten Jahren nichts mehr in den Erhalt der Anlagen investiert hat und dies zu dem schlechten Zustand der Leitungen und Anlagen führte.

„Dem widersprechen die vielen Investitionen des Zweckverbandes, die sich allein in den letzten zehn Jahren auf eine Million Euro bezifferten“, setzte sich Hans Müller zur Wehr und verdeutlichte dies an verschiedenen Beispielen. Er sieht seine Person und die weitere Vorstandsmitglieder zu Unrecht kritisiert. Bürgermeister Schwandner sieht im Nachhaken nach Vergangenem wenig Sinn. Er forderte alle Bürger auf, gemeinsam den Blick in die Zukunft zu richten und die besten Lösungen umzusetzen.

Wasserpreis verdoppelt sich

Trausnitz
Einen ausführlichen Bericht zur aktuellen Gemeindepolitik legte Bürgermeister Martin Schwandner in der Bürgerversammlung vor.
In seiner Funktion als Vorsitzende des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Glaubendorfer Gruppe war Bürgermeister Richard Tischler ein kompetenter Ansprechpartner. Weitere Beratung ist nach Anmeldung auch im Rathaus möglich.
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