(ubb) "Wir sind glücklich. Es waren 50 Kunden im Dorfladen", erklärt Martin Schmid am Mittwochmittag. Der Geschäftsführer der Steinwald-Allianz ist zufrieden mit der Premiere des "Mobilen Dorfladens". 50 Kunden sind längst nicht mit den Kundenzahlen eines Rewe-Marktes vergleichbar. Aber den Supermarkt in Wiesau gibt es momentan nicht. Er ist vor einer Woche abgebrannt (wir berichteten). Deshalb ist es für die Wiesauer Dörfer nicht unwichtig, dass jetzt ein "Mobiler Dorfladen" unterwegs ist.
Dieser kommt aber nicht wegen des Brandes. Er ist ein Projekt der Steinwald-Allianz, einem kommunalen Zweckverband, und wird sogar vom Fraunhofer-Institut in Nürnberg wissenschaftlich begleitet. Mittwochmorgen um 8.15 Uhr hält Fahrer Karlheinz Meier den 12-Tonner-Lkw erstmals beim Bushäuschen in Triebendorf. Mit dabei sind Martin Schmid und das Verkaufsteam, Gisela Gmeiner, Jutta Dötterl und Anja Zölch. "Wir haben die ganze Nacht kein Auge zugetan", sagt Martin Schmid. Nicht wegen der Aufregung. Die Technik wollte mal wieder nicht, wie sie sollte.
Per Rad, zu Fuß, mit Auto
Damit beantwortet Schmid auch schon die Frage nach den ersten Wehwehchen des Projekts. "Wir können unseren Kunden heute leider keine Kühltheken-Waren anbieten. Und der Online-Bestellservice dauert auch noch ein wenig", bittet er um Verständnis. Die Triebendorfer Kunden nehmen es gelassen. Da der "Mobile Dorfladen" das erste Mal hier hält, vermissen sie auch nichts. Sie kommen mit Einkaufskörben, mit Taschen, per Rad, zu Fuß oder mit dem Auto. Und sie kommen zahlreich. Im Lkw-Verkaufsraum gibt es bald sogar ein wenig Gedränge.
Fragen über Fragen werden gestellt. "Woher kommen die Eier?", "Welche Produkte sind aus der Region?", "Haben Sie auch Nudeln?". Die Verkäuferinnen können erzählen, dass vor allem die Frischwaren allesamt aus der Heimat stammen. Mehl von der Schustermühle ist ebenso dabei wie Eier aus Kulmain oder Gemüse aus Friedenfels.
"Das macht dann 4,17 Euro. Sie sind unser erster Kunde!", strahlt Jutta Dötterl. Ludwig Forster hat Brot und Semmeln fürs Frühstück gekauft. Er wohnt nur fünf Meter vom Bushaus entfernt. Wie praktisch. Auch das Ehepaar Kellner hat ab sofort nur wenige Meter bis zum neuen Standort des fahrbaren "Tante-Emma-Ladens". Das ältere Paar schaut sich interessiert um und nimmt einige Sachen mit. Eine Triebendorferin sagt, sie sei erst mal nur zum Schauen da. Aber dann kauft sie doch etwas. Nach gut einer halben Stunde ist es wieder ruhig im Verkaufsraum. Martin Schmid und sein Team können aufatmen. Premiere erfolgreich bestanden. Es geht gleich weiter zum nächsten Ort. Kornthan steht auf dem Fahrplan, dann Lengenfeld und Poppenreuth. In Kornthan warten die nächsten Kunden auf ihre neue Einkaufsmöglichkeit.
Nicht nach Schönhaid
Nicht angefahren wird auf Wunsch der Marktgemeinde Wiesau der Ort Schönhaid. Dort soll ein ansässiges Geschäft um seine Existenz bangen. Im Wiesauer Gemeinderat hat man sich deshalb dagegen ausgesprochen, dass der "Mobile Laden" in Schönhaid hält. Überhaupt macht man sich dort Sorgen, um eine Konkurrenz zu ansässigen Geschäften.
Martin Schmid ist davon unterrichtet. "Wir sind dem Wunsch des Marktes Wiesau, der auch Mitglied in der Steinwald-Allianz und damit Mitgesellschafter ist, gefolgt und haben Schönhaid aus dem Fahrplan genommen", sagt Schmid. Die Thematik werde bei der nächsten Sitzung der Steinwald-Allianz diskutiert.
Mobiler Dorfladen
Der "Mobile Dorfladen" ist ein Projekt eines Wettbewerbs mit Thema "Digitales Dorf", den die Steinwald-Allianz gewonnen hat. Gefördert wird er über die Bayerische Staatsregierung, wissenschaftlich begleitet vom Fraunhofer-Institut Nürnberg. Ziel ist es, der Dorfbevölkerung damit ehemalige Dorfläden zu ersetzen, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Im "Digitalen Dorf Steinwald-Allianz" werden Potenziale der Digitalisierung zur Verbesserung der Nahversorgung exemplarisch erprobt. Mit der Entwicklung einer digitalen Plattform sollen Bürger, Dorfladen und regionale Erzeuger miteinander vernetzt werden, um den Rückzugs-Trend des Einzelhandels entgegenzuwirken Der Dorfladen fährt pro Woche drei unterschiedliche Touren und hält zweimal pro Woche in ausgewählten Ortschaften für 30 Minuten.
Im 17 Quadratmeter großen Verkaufsraum wird die Grundversorgung eines Dorfladens angeboten. Über einen Online-Shop kann im Vorfeld ein Warenkorb gefüllt werden. Informationen über Fahrpläne und Halte-Orte gibt es in einer Informationsbroschüre, auf der Homepage (www.steinwald-dorfladen.de), per E-Mail (info[at]steinwald-dorfladen[dot]de) oder per Telefon 09682/18221925. Die Digitalisierung des Wareneinkaufs sowie Homepage sind noch nicht aktiviert. "Kommt einfach bei uns vorbei, wenn wir in eurem Dorf halten", erklärt Schmid. (ubb)



















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