06.08.2020 - 13:46 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Bildband zum 140-Jährigen der Feuerwehr Ursensollen

Zum 140. Jubiläum der Feuerwehr Ursensollen 2021 soll ein Bildband mit einer Chronik, alten Fotos und Anekdoten entstehen. Doch die Initiatoren brauchen die Hilfe der Bevölkerung.

Auf den alten Bildern sei es nicht immer einfach, die Kameraden zu benennen, erklärt stellvertretender Vorsitzender Alexander Graf. Auf diesem Foto, das von einer Übung auf der Point stammt, sei es gelungen (von links): Stellv. Kommandant Josef Neidl, Johann Sperber, Johann Frauenknecht, Alois Reif, Johann Sperl, Josef Meindl, Ludwig Stepper, Lorenz Donhauser und Franz Meindl.
von Florian Schlegel (egl)Profil

Bereits 1881 wurde die Feuerwehr Ursensollen gegründet. Der Verein kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, viel ist in diesen beinahe 140 Jahren geschehen, unter anderem zwei Weltkriege. Zum Jubiläum im kommenden Jahr soll nun ein Bildband mit Chronik entstehen. Dafür werden Fotos und Anekdoten gesucht – und die Bevölkerung könnte helfen.

Die unfreiwillige "Corona-Freizeit" nutzten die Vereinsverantwortlichen zum Stöbern in alten Archiven, Protokollen und Niederschriften der Feuerwehr. Ziel war es, alte Fotos, die bis ins Jahr 1931 zurückreichen, zu sortieren, datieren und digitalisieren. Um diese auf der neu entstandenen Homepage als kleine Chronik zu verewigen. Doch nach und nach hätte man Blut geleckt, berichten stellvertretender Vorsitzender Alex Graf und Medienwart Josef Graml. Schon bald war die Idee von einem Bildband mit Vereinschronik geboren.

In der bestehenden Chronik mit ihren Sitzungsprotokollen, die bis ins Jahr 1881 zurückreichen, fanden sich "unzählige interessante, teils geheimnisvolle und für den heutigen Zeitgeist oft auch befremdliche Beschlüsse und Entscheidungen". Einige Passagen brachten die Leser auch zum Schmunzeln, erzählt Graf, obwohl die Texte zu ihrer Zeit durchaus ernst und in guter Absicht gemeint waren. So heiße es zum Beispiel in einem Hinweis auf die Pflichten der Mitglieder: "In und außer Dienst haben die Feuerwehrmänner ein ehrenhaftes und männliches Betragen zu zeigen! Im Dienst außerdem Nüchternheit, Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer, Gehorsam, Treue und, wenn die Lage es fordert, Mut und Besonnenheit." Ein Zeichen dafür, dass der Feuerwehrmann damals als "Aushängeschild der Gesellschaft für tadelloses, ehrenhaftes Verhalten" galt und von daher wohl auch als Vorbild wahrgenommen werden sollte, sagt Graf. Ein weiterer Paragraph in der Vereinssatzung zeugt vom verantwortungsvollen Umgang mit den von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Geräten und Uniformen: „Wer nach Übungen und Einsätzen in Uniform im Wirtshaus angetroffen wird, hat eine Strafe für Abnützung der Uniform in Höhe von 20 Pfennig zu entrichten.“ Viel Geld, wenn man vergleicht, dass die gesamte Wehr 1901 zum Geburtstag von Prinzregent Luitpold im „Bräuhaus“ eine Zeche von 4 Mark und 20 Pfennig machte.

Von der Kaiserzeit, der Naziherrschaft und dem Wirtschaftswunder über die wilden 60er- und 70er-Jahre bis in unsere Zeit erlebten die Ursensollener Brandbekämpfer Höhen und Tiefen. Vereinsjubiläen mit Fahnenweihen konnten groß gefeiert werden. Fahrzeuge kamen und gingen, stehts den geschuldeten Anforderungen angepasst. Freud und Leid waren stehts nah beieinander. So wurde bereits 1942 in Ursensollen ein LF 8 auf Mercedes mit Tragkraftspritzenanhänger stationiert. Damals als Feuerlöschpolizei betitelt und in „Feldgrau“ rückte man sogar 1944 zu den schweren Bombennächten bis nach Nürnberg und Regensburg aus, um zu löschen und zu helfen, schildert Graml.

Das im Krieg in Ursensollen stationierte LF 8 mit Tragkraftspritzenanhänger wurde in den Bombennächten bis nach Nürnberg und Regensburg alarmiert.

Viele der vorhandenen Bilder könnten mangels „Zeitzeugen“ jedoch nur zum Teil zugeordnet werden, sagt Graf. Personen können nicht identifiziert und viele Zusammenhänge nicht hergestellt werden. Deshalb startet die Ursensollener Wehr einen Aufruf an die Bevölkerung. Besonders an noch lebende Zeitzeugen der letzten 50 bis 60 Jahre, an ehemalige Führungskräfte, aktive oder fördernde Mitglieder und an Nachbarwehren. Aber auch an jeden Bürger, der noch Bildmaterial aus vergangenen Tagen hat. Fotos von Fronleichnams Prozessionen, Festlichkeiten, bunten Abenden im Gehrsaal, Cafe Scharfenberg oder Gasthaus Reif sowie Einsatzbilder zählen zu den gesuchten Raritäten. Als Leihgabe könnten diese dazu beitragen, die 140-jährige Geschichte der Brandbekämpfung in Ursensollen zu dokumentieren und für die Nachwelt zu erhalten und ein Stück Dorfkultur zu sichern.

Auch Erlebnisse, Geschichte oder kleine Anekdoten, die so mancher noch im Gedächtnis hat, sollen in die Chronik einfließen. Ob bei Einsätzen in und um Ursensollen oder von Übungen am alten „Hüthaisl“ oder auf der „Point“ – es gibt sicher noch vieles, das im Verborgenen schlummert, vermuten die beiden Initiatoren.

"Wir hoffen auf viele Reaktionen", betont der Medienwart. Zu umfangreich sei die Geschichte, um sicher sein zu können, dass alles schon gesehen, alles schon erzählt, alles schon gesagt wurde. Wer alte Bilder hat oder eine Geschichte erzählen kann, soll sich an die beiden Vorsitzenden Markus Dehling und Alex Graf oder an Medienwart Josef Graml wenden, um das Projekt „Fotoband – eine 140-jährige Geschichte“ zu unterstützen.

Die Arbeit der Feuerwehr Ursensollen

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Daten und Fakten zur Feuerwehr Ursensollen

Die Feuerwehr Ursensollen hat heute 386 Vereinsmitglieder und 65 Aktive. Herzstück der technischen Ausrüstung sind die drei Einsatzfahrzeuge, Mehrzweckfahrzeug, Mittleres Löschfahrzeug und Hilfeleistungslöschfahrzeug 20 sowie ein Pulverlöschanhänger (240 Kg Löschpulver), ein Schlauchanhänger (500m B-Schlauch) sowie ein Mehrzweckanhänger. Im Schnitt wird die Feuerwehr Ursensollen zu 70 bis 100 Einsätzen im Jahr gerufen. Zum Einsatzgebiet gehören neben dem Gemeindegebiet Ursensollen (38 Ortschaften) auch 20 Kilometer Bundesstraße, zwei Autobahnabschnitte sowie zwei Gewerbegebiete in Ursensollen. Aber auch in die Nachbargemeinden wird die Wehr immer wieder zur Lösch- und Unfallhilfe gerufen.

Geführt wird die Feuerwehr Ursensollen derzeit von Markus Dehling und Alexander Graf (Verein) sowie Thorsten Michl und Bernhard Graml (Aktive Wehr). Durch gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde konnte die Feuerwehr Ursensollen stehts gut ausgerüstet Hilfe leisten.

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