26.11.2019 - 19:03 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Gräber aus der Hallstattzeit

Das Hoanz'n-Marterl erinnert an den Unfalltod eines Bauernsohnes. Spuren des Purgersdorfer Weihers sind noch heute zu sehen. Höhepunkt der landeskundlichen Wanderung ist das Grabhügelfeld aus vorchristlicher Zeit im Salleröder Tal.

von Josef SchmaußerProfil

Die herbstliche Wanderung mit nur rund fünf Kilometer Länge startet in Garsdorf in der Gemeinde Ursensollen. Schon im Jahre 1310 wird Garsdorf im "Amberger Waldbahn" erwähnt, den Herzog Ludwig IV. zur Sicherung des großen Holzbedarfs im Bergbau gewährte.

Die Lage an der uralten "Hohen Straße" könnte die Gründung des "Dorfes eines Gozi" veranlasst haben. Die Schreibweise des Ortsnamens wechselt sehr oft: 1310 Gosdorf, 1548 Jarsdorf und 1578 Garstorff.

Der Wechsel vom g zum j findet sich im Oberpfälzer Dialekt recht oft: Zum Joch sagt der Oberpfälzer "Gooch", für jäh "gaach" und für Jahr wurde früher "Goua" gesagt.

"Streitsüchtig"

Ab 1710 waren die Amberger Jesuiten nach den Zennefelsern aus Wolfsbach Besitzer der Hofmark Garsdorf. Sie ließen die heutige Filialkirche St. Franz Xaver errichten. Vom 28. Juni 1818 bis zur Gebietsreform am 1. Juli 1972 bestand die eigenständige Gemeinde Garsdorf. Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Bewohner des Ortes Wortführer einer Bewegung, welche eine selbstständige Pfarrei Erlheim und eine eigene Volksschule forderten. Mit dem letzten Begehren hatten die "streitsüchtigen Filialisten", so eine damalige Aktennotiz, um 1840 Erfolg. In Erlheim wurde eine eigene Schule eingerichtet.

Ein besonderes Schmuckstück der von den Garsdorfern im Jahre 1990/91 in beispielhafter Eigenregie renovierten Filialkirche ist ein doppelseitiges Votivbild, das an eine im Jahre 1796 in der Gegend grassierende Rinderseuche erinnert. Für den Volkskundler sind besonders die verschiedenen Trachten und der Hinweis auf die damals noch praktizierte Waldweide bemerkenswert. Die Filialkirche ist meist geschlossen.

Die Wanderer verlassen den Ort in Richtung Süden und passieren in der Talsohle die Kläranlage des Dorfes. Bald stößt man auf dem weiteren Weg auf eine Talwiese. Hier lag einst die "Öde Burgersdorf".

Damals dürfte auch im Tal der "Sallerach" ("Salweiden am Wasser") der "Purgersdorfer Weiher" angelegt worden sein, dessen Spuren noch heute am Damm der AS 2 nach Mendorferbuch zu sehen sind. Zwei Höfe und eine "Waldhube", ein Zeidler-Gut zur Honig- und Wachs-Gewinnung, sind ab 1308 urkundlich nachweisbar. 1546 war das Kloster Ensdorf Grundherr eines der Höfe.

Raubgräber

Hier biegt der (nicht markierte) Weg nach Südwesten ab. Nach wenigen 100 Metern stößt der Wanderer auf eine Waldwiese. Nun muss man sich nach rechts halten. Ein Höhepunkt der Wanderung ist die Besichtigung des Grabhügelfeldes im Salleröder Tal.

Der Heimatforscher Anton Dollacker zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zirka 30 Hügel, von denen einige schon vor Jahren durch Raubgräber beschädigt wurden. Die Gräber dürften aus der Hallstattzeit (zirka 750 Jahre vor Christus) stammen und sind auch heute noch ein beeindruckendes Beispiel für den Bestattungsritus der Kelten.

Das "Hoanz'n-Marterl" südlich von Sauheim erinnert an den tragischen Unfalltod eines 28-jährigen Bauernsohnes aus dem Ort. Am 18. November 1935 war der junge Mann von einem Leiterwagen mit einer Rechenstreuladung erdrückt worden.

Das von Nachbarn errichtete Marterl hat als Ausdruck persönlicher Religiosität ein menschliches Schicksal über Jahrzehnte in Erinnerung gehalten, hat Vorübergehende zum Gebet für den Verunglückten aufgefordert und ist damit ein eindrucksvolles Zeugnis von tiefem Vertrauen der Menschen in die Hilfe Gottes.

Auf dem Weg in Richtung Salleröd stoßen die Wanderer auf einen Beitrag zum "Projekt Trittsteinbiotop", für das sich auch der Naturpark Hirschwald stark macht. Trittsteinbiotope werden in der Regel im Rahmen von großräumigen Biotopverbundplanungen geplant. Dabei existieren vor allem auf Einzelarten oder Artengruppen fokussierte Planungen, zum Beispiel für Säugetiere, Amphibien, Reptilien und Schmetterlinge, aber auch Blütenpflanzen.

Jäger aus Kurpfalz

Als Abschluss der Herbstwanderung kann man sich, in Sichtweite der ehemaligen Forstdienststelle Salleröd (bis 1800), mit Jagdgeschichten aus dem Hirschwald beschäftigen. Die Bauern am Rande des kurfürstlichen Jagdschlosses Hirschwald hatten "unter der hohen Blüte der Jagd im Hirschwald, aber auch unter den Quälereien durch das Übermaß an Wildbestand" zu leiden. Den Bauern wurden Jagdfrohnen, Treiberdienste, Wildbretfuhren und die Verpflichtung, die vielen Jagdhunde zu füttern, auferlegt. "Der Jäger aus Kurpfalz", Pfalzgraf Johann Casimir (gestorben 1590) ließ über seine Jagden und Jagderfolge genau Buch führen.

Doch nicht nur das künstlich hoch gehaltene Wildaufkommen, sondern auch immer wieder auftretende Wolfsplagen (unter anderem 1720 und 1721) und marodierende Soldaten, wie 1745 während des Österreichischen Erbfolgekrieges, veranlassten die Bauern der umliegenden Ortschaften zu zahlreichen Bittgesuchen nach Amberg oder gar nach München, auch auf ihre Belange mehr Rücksicht zu nehmen "und vor allen der Wildplage Herr zu werden".

Anfahrt nach Garsdorf zum Beispiel über die AS 2, Amberg-Köfering-Waldhaus-Garsdorf, oder über Ursensollen-Hohenkemnath. Im Ort von der AS 15 abbiegen auf die AS 9 in Richtung Erlheim. Diesen Ort passieren, dann ist man nach 1,5 Kilometern in Garsdorf.

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