15.04.2021 - 10:26 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Historisches und Humorvolles in Reimform

Alte Dorflitaneien sind nicht nur amüsant zu lesen, sie bergen interessante Informationen über Hofstellen, Hausnamen und Bewohner. Vier Beispiele aus der Gemeinde Ursensollen.

von Josef SchmaußerProfil

Fast ganz vergessen ist das Wissen um Dorflitaneien. Mit teils humorvollen, teils auch deftigen Reimen erfährt man Interessantes, Kurioses, aber auch Geschichtliches über Ortschaften, das jeweilige Anwesen, den alten Hausnamen oder die Hausbewohner.

Wie bei einer Sage ist in den Aufzeichnungen auch ein Teil historisch Wahres enthalten. Die Litaneien entstanden zum Teil schon vor über 100 Jahren. Aus der Gemeinde Ursensollen konnten noch von vier Ortschaften "Litaneien" gesichert werden.

Dorflitanei von Stockau

Übermittelt von meinem Vater Franz Xaver Schmaußer bei unzähligen Sonntagswanderungen zu seinem Freund Josef Weigl, dem "Wirt va Schtocka", Imker wie mein Vater.

Josef Weigl war aber nicht der "dicke Mann". Er kam erst 1933 nach Stockau. Sein dicker Vorgänger war Joseph Meiler (gestorben 1917), also muss die Litanei auf jeden Fall vor 1917 entstanden sein.

"Beim Rumlbauer fangt as Dörfl an, (nun Familie Färber)

da Wirt is a dicka Mann. (Familie Meiler, Weigl, nun Familie Plank)

Da Michlbaua hot a hoache Mist'n, (Feigl, nun Familie Meier)

da Hanslbaua hot .... (häufiger Besitzerwechsel: Semmler, Ludwig, Preischl, nun Familie Landsammer)

Da Neibaua hot vü Taub'n, (Eichenseer, nun Familie Niebler)

da Mühlbaua moun Dreckl'n z'amm g'laub'n!" (Familie Gaßner, Neger, nun Familie Graf)

Dorflitanei von Ullersberg

Übermittelt von Traudl Schneider, aufgeschrieben von Maria Hummel im März 2017.

Vorm Schera (Familie Rösl) gejht's Dörfl an.

Da Kouhn (Schneider) schlicht a Stöißl Huiz an.

Da Goumbauer (Müllner) hot a kloane Schupfa.

Dou kann der Grießl (Meiler) driwa hupfa.

Da Hofbauer (Kurz) hot guate Birn.

Dej kann da Graml Hansl (Flierl) ora schtiern.

Und wer braucht an Sattl?

Der gejht zum Mattl (Kotzbauer).

Dorf-Litanei von Haag

Übermittelt von Josef Niebler, aufgeschrieben von Maria Hummel im März 2017.

Beim Steffl (Baumer) fängt des Dörfl an,

da Roudabauer (Rubenbauer) is da reichste Ma.

Da Schetz (Nibler) mit da Krauthaua,

der kann zum Pfeifer (Wiesner, jetzt Meier) niat ganz ume haua.

Da Langabauer (Stöcklmeier) mit da langa Schtanga,

der kann bis zum Schreier (Hofmann) iwe langa.

Vom Kuttn (Lindner) dej hom guate Birn,

dej mächt da Graml (Meier) owa schtirn.

Da Weber (Hammer) is a guata Ma,

der gejht zum Wirt (Kleindienst, später Donhauser) auf ra Seidl raa.

Von Hohenkemnath kommend fängt das damalige Dorf (mit damals zehn Anwesen) linker Hand an. Alle damaligen zehn Höfe sind mit Versen bedacht.

Dorflitanei Zant

Übermittelt von Martha Reinwald, geborene Zimmermann, aus Reinbrunn. Sie ist die Mutter von Ottilie Lautenschlager in Heinzhof. Von deren Gatten Josef bekam ich die Litanei übermittelt. Wahrscheinlich stammen die humorvollen Zeilen von Johann Reinwald.

1881 kam die Familie Reinwald aus Bergheim bei Schmidmühlen nach Reinbrunn. Der Johann war als lustiger, pfiffiger Junggeselle mit dichterischer Ader bekannt. 1922/23 wurde im heutigen Gemeindegebiet Ursensollen die Stromversorgung eingeführt. Die Kernaussage dieser Litanei ist die Weigerung eines Bauern, das "neimodische Zeich", den elektrischen Strom, in den Ort verlegen zu lassen. Vielleicht war er damals der Bürgermeister.

"Da Handscher g'hert se bei die Ohrn gnumma! (jetzt Familie Bock)

Wegn dem hamma um's Elektrische kumma!"

"Der is Schuld dran!", sagt da Sauma, (welche Familie?)

"Iatz kimma nouche schaua!", sagt da Forschtbaua. (jetzt Familie Fehlner)

"I hejt gschei ang'schiert!", sagt da Wirt. (Familie Rosner, jetzt Familie Gehr)

"In Zant bleibt's finsta!", sagt da Mönza (?) (Wessel, jetzt Kimmel)

"Iatz kinnas in da Finstern suacha!", sagt da Buacha. ("Burger"/ Familie Schmaußer)

"Ja, mia hejn's doch vü kommoda!", sagt da Lotta ("Fingerhaus"/Lotter/jetzt Familie Ernstberger, Sulzbach)

"Zant bleibt a finstas Nestl!", sagt da Wästl (Wessel/Kimmel/ Familie Koller)

"Ja, des waar doch ganz wos andas!", sagt da Kannes. ("Hirsch'n", Stiegler-Haus weggerissen)

"Iatz hejmmas hoit schöina drom am Giwal!", sagt da Iwerl. (Iberl, jetzt Familie Dzalakowski)

"Fier's Elektrische samma aus!", sagt da Schmaus. (jetzt Familie Bernreuter)

"Ja, bei uns gang as am nejchstn vorbei!", sagt da Schousta zu seim Wei. (jetzt Moosburger) Amen!

Manchmal wiederholt sich die Geschichte: Zant war bis vor einem halben Jahr die einzige Ortschaft in der Gemeinde Ursensollen ohne Straßenbeleuchtung. Ein damaliger Gemeinderat war strikt "gecha den unnötigen und deiern (teueren) "Zeich". Bei meinem Dia-Vortrag am 10. Februar 2019 griff ich diese Besonderheit auf und "brachte sie in den Gemeinderat Ursensollen". Dort wurde beschlossen, den Ort mit einer Straßenbeleuchtung auszustatten. Am Dienstag, 17. November 2020, brannte um 16.45 Uhr erstmals das Licht der Straßenbeleuchtung in Zant.

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