05.07.2021 - 18:56 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Kirche in Zant berichtet von bewegten Jahrhunderten

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die Kirche in Zant ist ein besonders schönes Schmuckstück. Das kleine Gotteshaus erzählt die bewegte Geschichte des Ursensollener Gemeindeteils und seiner früheren Herrscher.

Ein Teil des Deckengemäldes: So stellte sich der Künstler den Kontinent Afrika vor.
von Josef SchmaußerProfil

Das Gebiet um Zant (Gemeinde Ursensollen, Kreis Amberg-Sulzbach) ist uraltes Siedlungsgebiet. Wallanlagen auf dem nahen Plattenberg verweisen in die Bronzezeit und in die Zeit der Ungarn-Einfälle im 10. Jahrhundert (955). Das Gebiet berührt seit etwa 700 nach Christus das Herrschaftsgebiet der Franken/Bayern - zu sehen an der nahen Bistumsgrenze zwischen Eichstätt (Ursensollen) und Regensburg (Zant und Hohenkemnath).

Das Geschlecht der Zanter ist bereits ab 1135 nachweisbar, im Wappenfries der Klosterkirche in Kastl sind sie als Stifter enthalten. Später sind die Zanter in Rieden nachweisbar. Kurz vor 1400 (1392-1398) erscheinen die Herren von Liebenecker als Besitzer von Zant. Später kehren die Zanter bis 1570 auf ihre Stammburg zurück. 1585 erscheinen mit Wilhelm Rummel erstmals die Rummel von Lonnerstadt auf Zant. Pfarrlich gehörte Zant damals zu Erlheim. Einer der vielen "Totenwege", er führt von Zant nach Erlheim, erinnert an diese Zeit.

Holz aus Getreidespeicher

Im Jahre 1684 ließ Johann Joachim Freiherr von Rummel die Kapelle "von Grund auf neu erbauen". Man verwendete im Ostteil des Kirchleins Teile eines bereits vorhandenen mittelalterlichen Getreidespeichers. 1672 schon hatte man die Reliquien der Heiligen Viktor, Deodatus, Vitalis und Alexander erworben. 1686 wurde das Kirchlein geweiht.

1718 ließ ein Baron Anton von Rummel auf dieser Kapelle ein hölzernes Türmchen errichten und ein Glöcklein aufhängen, das zu Ehren des Heiligen Antonius von Padua und der Mutter Gottes geweiht war. 1778 wurde die Sakristei erbaut und das Gotteshaus um 18 Schuh (Fuß) verlängert. 1780 wurde eine weitere, größere Glocke angeschafft, die den Heiligen Donatus und Josef geweiht wurde.

Eine Besonderheit der schönen Kirche ist das Deckengemälde. Vier Engel posaunen in alle Welt: "Ite ad Joseph!" ("Kommt zum Heiligen Josef!") Allegorien (Sinnbilder) der damals vier bekannten Weltteile sind besonders volkstümlich und eindrucksvoll. 1770 war James Cook an der fruchtbaren Ostküste von Australien gelandet und nahm den neuen Kontinent für die britische Krone in Besitz - bis nach Zant war damals diese Nachricht anscheinend noch nicht durchgedrungen, deshalb fehlt die bildliche Darstellung des neu entdeckten Erdteils.

Drei Medaillons an der Emporenbrüstung zeigen die Geburt Christi, die Anbetung der Heiligen drei Könige und die Flucht nach Ägypten. Über der Empore das Wappen der Rummel und eine einigermaßen realistische Darstellung von Zant um 1770. Um diese Zeit wurde auch eine Kirchenstiftung eingerichtet, die bald großes Vermögen ansammelte.

Diese Postkarte, ca. 1905, vermittelt einen Eindruck vom alten, bäuerlichen Zant.

Heirat änderte alles

Das Altarbild von St. Josef konnte mit den Bildern der Seitenwände im gleichen Format an den Namenstagen ausgewechselt werden. Ein gegeißelter Heiland an der Martersäule (Vorbild war die Figur in der Wieskirche) war damals in vielen Kirchen gerade in Mode.

Durch Heirat kam Zant um 1770 an den Freiherren und churpfälzischen Kanzler Florian Christoph von Frank und damit an die Hofmark Hohenkemnath. 1787 wurde eine große 100-Jahr-Feier der Kircheneinweihung durchgeführt, 1000 Wallfahrer belebten den Berg.

So wie Zant durch Heirat an die Familie Frank auf Hohenkemnath gekommen war, so kam es wiederum durch Heirat an die Freiherrn von Podewils: Ab 1833 waren die Herrn von Podewils Besitzer von Zant und Hohenkemnath. Die letzte Freifrau von Podewils starb kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Landshut.

Zu jeder Jahreszeit bietet die Zantner Hochfläche für alle Heimatfreunde idyllische Ruhe und Einklang mit der Natur.

Sogar Dom mitfinanziert

1908 betrug das Stiftungsvermögen der Schlosskapelle von Zant bereits 30 000 Goldmark, die jährlichen Zinseinnahmen beliefen sich auf über 1000 Goldmark. Die Kapelle Zant gehörte damit zu den reichen Kirchenstiftungen in der Oberpfalz.

25 Prozent der Überschüsse durfte die Pfarrei verwenden. So wurden beispielsweise im Jahr 1886 1000 Goldmark für die Orgel in der Pfarrkirche Hohenkemnath und 1863 sogar Zinseinnahmen für den Bau der Türme des Regensburger Domes aufgebracht. 1890 wurden Gelder zum Bau des Kellers im neuen Schulhaus Hohenkemnath (das 3. Schulhaus des Ortes) und für die Anlage eines Schulgartens (heute Parkplatz des Friedhofes in Hohenkemnath) verwendet. Die Inflation 1922/1923 vernichtete den Stiftungsschatz.

1946 kam Zant von der Schule Hohenkemnath nach Hausen. 1948 wurde Zant auch aus dem Pfarrverband Hohenkemnath herausgelöst und nach Hausen umgepfarrt. Immer wieder erzählten "die Alten", dass vom Burggelände aus "Geheimgänge" nach Kastl, Hohenkemnath und Hausen führen würden. Diese Erzählungen geben aber nur ehemalige politische und kirchliche Beziehungen wieder.

Als Heimatpfleger Ursensollens wird Josef Schmaußer oft zu Führungen durch das Rokoko-Juwel eingeladen.

Die Ära der Hammerherren in der Oberpfalz

Amberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.