Vilseck
21.05.2025 - 11:09 Uhr
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BRK legt den Grundstein für sein neues Seniorenheim in Vilseck

Die Bauarbeiten laufen schon, am 23. Mai ist offizielle Grundsteinlegung in Vilseck: Dort entsteht unter Regie des BRK ein "Seniorenwohnquartier". Ein Neubau für 17,7 Millionen Euro macht das Seniorenheim St. Ägidius fit für die Zukunft.

Die Vorgeschichte ist lang, es stand sogar schon einmal ein "Aus" im Raum – aber jetzt macht der BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach sein Seniorenheim St. Ägidius in Vilseck zukunftssicher: Die Arbeiten am Neubau neben der bestehenden Einrichtung laufen, am 23. Mai ist die offizielle Grundsteinlegung für das künftige "Seniorenwohnquartier". Der Name lässt erahnen, dass hier mehr entsteht als ein klassisches Altenheim: Tatsächlich verbindet das Projekt 60 vollstationäre Pflegeplätze, je 15 Kurzzeit- und Tagespflegeplätze und einen Veranstaltungssaal, der auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird.

BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller und Tanja Schallmaier, die Einrichtungs- und Pflegedienstleiterin des BRK-Seniorenheims St. Ägidius, erinnern im Gespräch mit Oberpfalz-Medien an die schwierige Vorgeschichte des Projekts, das rund 17,7 Millionen Euro kosten wird. Weil das Vilsecker Heim mit aktuell 43 Plätzen in einem ehemaligen Kreiskrankenhaus ein kleines ist, war lange unklar, wie seine Zukunft aussehen würde. Sogar eine Schließung stand schon zur Debatte. Nach reiflicher Überlegung aber fiel laut Schaller 2019 die Entscheidung: "Wir werden das Heim nicht schließen, sondern neu bauen – und zwar größer und damit wirtschaftlicher."

Viel Platz für einen Neubau

In Vilseck biete sich ein solcher Neubau an, "weil wir dort eine riesige Fläche zur Verfügung haben". 1,5 Hektar sind es aktuell. Künftig wird es nur noch ein Hektar sein, aber auch das sei noch sehr viel Platz. Ein halber Hektar wurde an die Stadtbau Amberg verkauft, die dort betreutes Wohnen etablieren will. Aber das ist laut Schaller noch Zukunftsmusik. Zunächst geht es um einen Seniorenheim-Neubau direkt neben dem bestehenden Altbau. Das sei ein Grund dafür gewesen, dass das BRK dieses Projekt wagt, erklärt Schaller: Denn der Betrieb im bestehenden Heim kann einfach weiterlaufen, bis die neuen Räume nebenan bezugsfertig sind.

In diesem ersten und (auch finanziell) deutlich größeren von zwei Bauabschnitten, der bereits läuft, werden 60 vollstationäre Plätze geschaffen, dazu 15 Kurzzeitpflegeplätze in einer eigenen Abteilung. "Wir sehen einen immer größer werdenden Bedarf an der Kurzzeitpflege – insbesondere nach Krankenhausaufenthalten." Dies sei in einem Pflegeheim, "das darauf ausgerichtet ist, dass Menschen dauerhaft, über mehrere Jahre, dort leben, organisatorisch nicht ganz einfach umzusetzen". Im Neubau sei dies anders, hier seien die Planungen auch auf Kurzzeitpflege und damit "von Anfang an eher auf Hotel statt Mietwohnung" ausgerichtet.

Ein Novum: Das "Quartiersheim"

Wenn der Neubau "spätestens im vierten Quartal 2026" bezogen ist, wird der Altbau abgerissen. Hier soll dann ein weiteres neues Gebäude entstehen, mit 15 teilstationären Tagespflegeplätzen und einem Veranstaltungsraum. Dieses sogenannte "Quartiersheim" will das BRK auch für die Öffentlichkeit öffnen. Ein echtes Novum. Damit bekämen beispielsweise Vereine einen Raum für Veranstaltungen, den es so bislang in Vilseck nicht gibt. Hier soll es Mittagessen, auch für externe Gäste geben, oder ebenfalls offene Angebote wie Senioren-Yoga – "um die ganze Bevölkerung zusammenzubringen, Jung und Alt", wie Schaller sagt. 2027 soll dieser zweite Bauabschnitt fertig sein.

"Speziell in der Kurzzeitpflege gibt es eine große Not", berichtet der BRK-Geschäftsführer. Er verschweigt nicht, dass die "enormen Preissteigerungen, die es in allen stationären Pflegeheimen" gegeben habe, "dazu führen, dass die Nachfrage zurückgeht". Warum? Die Menschen warteten heute "deutlich länger mit der Aufnahme ins stationäre Pflegeheim – auch wenn's manchmal schon früher angebracht wäre", erklärt der BRK-Chef. Etwas salopp meint er: "Die Zeiten, in denen die Schwiegermutter ins Pflegeheim abgeschoben wurde, sind lange vorbei." Und ergänzt, etwas ernster: "Es ist mittlerweile tatsächlich so teuer geworden, dass so eine Leistung nur dann genutzt wird, wenn's unbedingt notwendig ist."

Nur durch Förderung möglich

Damit ist Schaller beim Thema Kosten angelangt: Das Neubau-Projekt in Vilseck sei nur mit entsprechender Förderung möglich geworden. Die zu bekommen, erforderte wegen der vielen Anträge und Genehmigungen zwei Anläufe. Ein Grund für die lange Vorgeschichte. Nun fließen über das Programm "Pflegesonar" 5,475 Millionen Euro Finanzhilfe vom Freistaat, dazu kommen 500.000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung sowie 9,9 Millionen Euro über einen günstigen Kfw-Kredit. "Den Rest müssen wir selber finanzieren, aus normalen Darlehen und Eigenkapital."

"Wir rechnen jetzt damit, dass wir, wenn wir das Heim eröffnen, auf einen Investkostenansatz von 20 Euro pro Tag kommen." Aktuell, im alten Heim, liegt dieser Betrag bei 15,36 Euro. Schaller erklärt: Die Investkosten muss jeder Bewohner (außer in Sozialhilfe) selbst bezahlen, "sozusagen als Raummiete". 20 Euro seien für einen Neubau "wahnsinnig günstig": Fünf Euro mehr als bisher, das wären 150 Euro Mehrkosten im Monat für jeden Bewohner und "noch überschaubar". Das sei der staatlichen Förderung zu verdanken – und die wiederum Fürsprechern wie dem Landtagsabgeordneten Harald Schwartz und Landrat Richard Reisinger.

Künftig nur noch Einzelzimmer

Gerne hätte das BRK den auf dem Grundstück vorhandenen Fernwärmeanschluss genutzt, was aufgrund der Fördervorgaben aber nicht möglich war: Darüber würden nur große Fernwärmenetze finanziert, deren Mindestzahl an Gebäuden und Wohnungen in Vilseck nicht erreicht werde. Also plane man nun stattdessen mit Wärmepumpen-Technik. Das koste "natürlich ein paar 100.000 Euro mehr" als die Fernwärme, aber es sei immerhin auch nachhaltig.

Im neuen Seniorenheim St. Ägidius wird es übrigens nur noch Einzelzimmer geben, kündigt Schaller an. Eine Folge gesellschaftlicher Entwicklungen. Ehepaare, die gemeinsam ins Heim ziehen, sind selten geworden. In allen anderen Fällen seien Doppelzimmer eine Herausforderung, weil hier die Chemie zwischen zwei Fremden stimmen müsse. Und rüstige Senioren ziehen, anders als früher, laut Schaller nicht mehr ins Heim. Dafür steige die Zahl von Bewohnern mit Demenz, die derer mit "nur" körperlichen Gebrechen sinke seit Jahren. "Die Angebote sowohl in der Tagespflege als bei den ambulanten Diensten sind mittlerweile so gut geworden, dass ich es meistens schaffe, mit nur körperlichen Gebrechen zu Hause zu bleiben und versorgt zu werden. Aber wenn es geistig nicht mehr hundertprozentig funktioniert, dann komm' ich meistens zu dem Punkt, wo ich keine Wahl mehr habe, als mich stationär versorgen zu lassen."

Info:

BRK-Seniorenheime im Landkreis Amberg-Sulzbach

  • Das neue Vilsecker Seniorenheim wird 60 vollstationäre Plätze haben
  • In Vilseck kann Seniorenheim-Leiterin Tanja Schallmaier derzeit auf 29 Mitarbeiter bauen, künftig sollen es dann doppelt so viele sein
  • Das BRK betreibt noch zwei weitere Häuser ähnlicher Größe, eines in Ensdorf (60 Plätze) und eines in Kastl (63)
  • Ein weiteres, größeres BRK-Seniorenheim ist das in Hirschau (84)
  • Auch in Kastl (Erweiterung und Renovierung Bestandsgebäude) und Hirschau (Ersatzneubau an anderer Stelle) sieht das BRK Handlungsbedarf bis 2035
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