13.10.2020 - 09:29 Uhr
VilseckOberpfalz

Geht Oberpfälzer Teichwirtschaft den Bach hinunter?

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Da kann der Nachtschlaf eines Teichwirtes schon mal unruhig werden, wenn draußen jemand permanent an seiner Existenz knabbert: Der Fischotter entwickelt sich zum Problem. Sein flächendeckender Besatz macht Fischzucht zunehmend unmöglich.

Große Laichkarpfen, ein paar Hechte, Schleien und viele andere Fische waren im Frühjahr noch in diesem kleineren Teich zu finden. Jetzt bilanziert Max Wild: Bestand absolut null, Schaden beträchtlich. Im hohen Gras am Ufer findet sich der vielbegangene Fischotter-Pass.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Er ist seit 30 Jahren Teichwirt mit Leib und Seele. Max Wild aus Vilseck bewirtschaftet 55 Hektar Weiher an zwölf Standorten in zwei Landkreisen und steht allmählich vor einem Riesenproblem, das die Existenz seines Familienbetriebes bedroht. Gemeinsam mit Hans-Hermann Lier, Mitglied im Ausschuss "Prädatoren" im Fischereiverband Oberpfalz, stellt er bei einer Weiherbegehung die Problempunkte vor.

Enorm wichtige Biotope

Wie würde er sein Anliegen überschreiben? "Übertriebener Artenschutz treibt Teichwirtschaft in den Ruin", das treffe es voll. Seit fast 1000 Jahren gebe es die Teiche in der Oberpfalz und Franken, stets angelegt, um Fische extensiv und biologisch zu produzieren. Zudem erfüllten sie eine enorm wichtige Aufgabe als Biotope, als letzte Laichplätze von Fröschen und anderen Lurchen, als Libellen-Gebiete, weil immer mehr andere natürlichen Tümpel und Altwasser längst zugefüllt seien. Die Teiche seien auch schon immer Heimat und hauptsächlicher Futterplatz für Graureiher, Silberreiher, See- und Fischadler, Eisvögel, Möwen Enten, Gänse, aber auch Fischotter, Kormoran, Iltis, Mink und viele andere Tierarten.

Was hat sich geändert? Für Max Wild begann das Problem für die ganze Fischerei mit dem jahrzehntelangen Schutz des Kormorans: "Aus wenigen Vögeln wurden in Europa Hunderttausende. Sie ziehen umher und haben die Fische in den Gewässern auf einen kleinen Teil reduziert, was schon viele Fischereien zum Aufgeben gebracht hat." Auch der seiner Ansicht nach viel zu hohe Biber-Bestand verursache teils große Schäden, auf denen die Teichwirte oft sitzen blieben. "Wir wollten den Biber nie, und wenn die Öffentlichkeit ihn will, dann soll sie auch die Schäden zu 100 Prozent zahlen!"

Hauptproblem Fischotter

Der Graureiher habe nur sechs Wochen Jagdzeit und könne sich so fast das ganze Jahr an den Fischen gütlich tun. Weil die meisten Flüsse und Bäche schon fast fischleer seien, werde der Druck auf die Teiche immer größer. Die größte Katastrophe aber drohe den Teichwirten durch die schnelle Vermehrung des Fischotters: "Strengstens geschützt, zieht er des Nachts durch unsere Teiche und fängt Fische bis zehn Kilo. Die Überreste entsorgen Fuchs und Wildschwein." Verluste von 30 bis oft 100 Prozent in kleineren Teichen seien an der Tagesordnung. "Sie für viel Geld jedes Jahr zu besetzen und dann am Jahresende vor leergefressenen Weihern zu stehen, das macht niemand lange mit!" Wild selbst hat mehrere zehn- tausend Euro Verlust im Jahr. Und Teichanlagen seien derzeit praktisch unverkäuflich, "keiner will sie mehr".

Wild hat beispielsweise 4000 Schleien in einen Teich gesetzt, im Herbst waren es nur mehr 40 Prozent. Einen anderen kleineren Teich mit wertvollen, sehr großen Laichkarpfen räumte der Otter in wenigen Monaten komplett aus. "An vielen Weihern hört man nicht mehr einen einzigen Frosch quaken!", beschreibt Wild die Auswirkungen der vielen Fressfeinde.

Natur als Verlierer

Nicht bewirtschaftete Teiche seien in wenigen Jahren mit Gras und Büschen zugewachsen und so für immer verloren. Das müsse auch dem Naturschutz zu denken geben, meint Hans-Hermann Lier. Abwehrzäune gegen Fischotter (50 Zentimeter in den Boden, Stahldraht, Elektrolitze) seien sehr aufwendig. Der Landesfischereiverband bezifferte kürzlich die Kosten der notwendigen Einzäunungen in Bayern mit 500 Millionen Euro.

Einig sind sich beide Fischfreunde in ihrem Abschlussappell: "Beim Verschwinden unserer Teiche wird die reichhaltige Natur rund um die extensiv genutzten Anlagen der größte Verlierer sein. Um unsere Teichwirtschaftzu erhalten, müssen unbedingt Fischotter, Kormoran, Biber, Grau- und Silberreiher auf eine vernünftige Bestandsdichte gebracht werden!"

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Tirschenreuth
Ein typisches Fraßbild: Der Otter holt sich die besten Happen, das sind für ihn die Innereien. Ein alltäglicher Anblick für viele Teichwirte.
Einzäunen hilft zwar ein bisschen, kann aber auch keine Lösung sein. Der Aufwand wäre beträchtlich und kaum zu bezahlen.

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