22.09.2021 - 12:31 Uhr
VilseckOberpfalz

Pianistin Glassl über Wurzeln, Idealismus und das neue Klassik-Festival in Vilseck

An Theater hat das Vilsecker Wahrzeichen schon so einiges erlebt. Pianistin Cornelia Glassl erweitert nun das Spektrum um ein „Burgklassik“-Festival. Das Kammermusik-Wochenende im Oktober ist aber nur der Anfang, erzählt sie im Interview.

Pianistin Cornelia Glassl
von Anke SchäferProfil

ONETZ: Frau Glassl, wie viel Mut kostet es, in dieser besonderen Zeit ein neues Klassik-Festival aus der Taufe zu heben?

Cornelia Glassl: Gerade in diesen Zeiten ist sowohl für uns Künstler, als auch für unser Publikum der Blick nach vorne und die Aussicht auf neue Perspektiven immens wichtig. Deshalb ist es meiner Meinung nach genau an der richtigen Zeit einen Neuanfang zu wagen. Als Musiker hat man von Natur aus eine große Portion Idealismus und Leidenschaft mit im Gepäck.

ONETZ: Die Wahl des Standorts ist auf Vilseck gefallen. Welche Überlegungen haben dafür den Ausschlag gegeben?

Cornelia Glassl: Ich bin mit dem Festival zurück zu meinen Wurzeln gekehrt und hatte die Idee schon lange im Kopf. Es ist ja im Vergleich zu meiner Kindheit hier kulturell sehr viel mehr geboten. Mit dem Festival, bei dem auch Oberpfälzer Künstler eine große Rolle spielen werden, möchte ich daran anknüpfen und ein bunt gemischtes Kammermusikwochenende in die Region bringen. Dass ich mit dieser Idee im Kulturamt so offen empfangen wurde ist natürlich sehr erfreulich. 

ONETZ: Im Mittelpunkt der Premieren-Auflage steht ohne Frage das Klavier. Welche Rolle spielen die 88 Tasten in Ihrem Leben?

Cornelia Glassl: Zweifellos nimmt das Klavier schon immer einen großen Platz in meinem Leben ein  und ich bin sehr froh und dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Durch die Musik habe ich so viele wertvolle Erfahrungen machen dürfen und die größte Freude für mich ist es, gemeinsam mit anderen musizieren zu können.

ONETZ: Beim Burgklassik Festival präsentieren Sie sich stets in musikalischer Begleitung. Was schätzen Sie an Ihrer Duo-Partnerin Olivia Geiser und den Kammermusik-Kollegen Anna Godelmann und Christoph Pickelmann?

Cornelia Glassl: Mich verbindet mit allen eine intensive musikalische Vertrautheit und auch eine langjährige Freundschaft. Bereits zu Schulzeiten am Max-Reger-Gymnasium habe ich mit Anna und Christoph in unterschiedlichen Besetzungen zusammen gespielt und nun haben wir uns vor einigen Jahren in München wieder zusammengefunden. Olivia habe ich auf einem Festival in Italien kennengelernt und seither konzertieren wir als Duo sowohl in der Schweiz, wie auch in Deutschland.

ONETZ: Und wie sieht es mit der Programmauswahl für die Konzerte des SchwyzerDeutschen KlavierDuos und des Trio Tempera aus – wer hat da das Sagen?

Cornelia Glassl: Die Auswahl der Programme treffen wir selbstverständlich gemeinsam. Manchmal stehen die Konzerte unter einem bestimmten Motto oder ein spezieller Komponist steht im Mittelpunkt. Mit Olivia grabe ich auch gerne (noch) unbekanntere Stücke aus. Es ist immer spannend gemeinsam neue Ideen zu sortieren, Stücke anzuspielen und Programme zu entwerfen.

ONETZ: Darüber hinaus konnten Sie auch den vielseitig talentierten Pianisten Walter Dolak aus dem Allgäu in die Oberpfalz locken. Wie haben Sie ihn überzeugt und was wird er im Gepäck haben?

Cornelia Glassl: Walter Dolak ist ein ganz besonderer Künstler, der in keine der handelsüblichen Klassikschubladen passt. Es gibt kein Thema zu dem er nicht aus dem Stegreif über mehrere Stunden improvisieren könnte. Auch spontane Wünsche aus dem Publikum bindet er in seine Konzertprogramme ein. Er hat sofort zugesagt als ich ihm von meinem Vorhaben berichtet habe.

Walter Dolak kann man mit Worten gar nicht beschreiben, man muss ihn einmal erlebt haben als – wie er sich selbst bezeichnet – Klaviator, Moderator, Imitator und Improvisator. Er schlüpft dabei in verschiedene Rollen und scheut auch vor der ein oder anderen Gesellschafts-Parodie nicht zurück. Unter dem Motto T T T, Tasten, Thesen, Temperamente, unternimmt er einen spannenden "cross over" zwischen verschiedenen Musikstilen und versucht  dabei dem Publikum mit Ironie und Humor überraschende Querverbindungen zwischen Bach, ABBA, Beatles und Bohlen oder Mozart, Mozzarella, Barock und Barack näherzubringen. 

ONETZ: Eröffnet wird die Burgklassik 2021 mit zwei Klavierkonzerten für Schülerinnen und Schüler – auch ein Appetithappen, um junges Publikum auf den Geschmack klassischer Musik im allgemeinen und des Festivals im speziellen zu bringen? 

Cornelia Glassl: Mir ist es ein großes Anliegen die Angebote des Festivals für alle Altersstufen zugänglich zu machen und auch Menschen zu erreichen, die ansonsten nicht die Möglichkeit haben Konzerte zu besuchen. Deshalb bieten wir am Freitag Vormittag für Grundschüler eine Aufführung des Märchens “Der Schweinehirt” von Hans Christian Andersen für Sprecher und Klavier zu vier Händen an. 

ONETZ: Kulturveranstaltungen haben mittlerweile wieder einen zeitlichen Vorlauf – sitzen Sie schon Planungen für eine Neuauflage?

Cornelia Glassl: Ja, wir stehen bereits in den Startlöchern für die Fortsetzung im Jahr 2022. Der Termin wird von 14. bis 16. Oktober 2022 sein.

Interview mit Hans-Jürgen Buchner

Deutschland & Welt
Blick von oben auf die Burg Dagestein.in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach)
Hintergrund:

Zu Person und Programm

  • Cornelia Glassl stammt aus Vilseck und lebt in München.
  • Nach dem Abitur am Max-Reger-Gymnasium Amberg absolvierte sie ihr Musikstudium an der Musikhochschule Mannheim und an der Hochschule für Musik Detmold.
  • Das Programm Burgklassik-Festival 15. bis 17. Oktober, Kulturkasten, Burg Dagestein:
  • 15. Oktober, 10.30 Uhr: Schulkonzerte mit dem SchwyzerDeutschen KlavierDuo. Carl Reinecke: Musik zu Andersenes Märchen vom Schweinhirten op. 286 für Klavier zu vier Händen und Sprecher
  • 15. Oktober, 20 Uhr: Klavier-Kabarett-Improvisation mit Pianist Walter Dolak
  • 16. Oktober, 20 Uhr: Galakonzert mit Trio Tempera (Anna Godelmann, Violine, Christoph Pickelmann, Violoncello und Cornelia Glassl, Klavier). Klaviertrios von Beethoven und Smetana
  • 17. Oktober, 17 Uhr: Abschlusskonzert mit dem SchwyzerDeutschen KlavierDuo Olivia Geiser und Cornelia Glassl. Werke von Brahms, Grieg, Barber und de Falla
  • Tickets unter www.nt-ticket.de

Veranstaltungen in Vilseck

 

 

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