20.02.2019 - 18:26 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bürgermeister zu Krematorium in Vohenstrauß: "Muss mir Vorwurf gefallen lassen"

926 Unterschriften haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen das Krematorium in Vohenstrauß gesammelt. Am Mittwoch nahm Bürgermeister Andreas Wutzlhofer die Listen entgegen und räumte ein, vielleicht vorschnell gehandelt zu haben.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer nimmt die von den Krematoriums-Gegnern gesammelten 926 Unterschriften von Initiator Hans Karl entgegen. „Wir werden uns nach wie vor gut verstehen“, sagt das Stadtoberhaupt. „Schon allein wegen des Vereins“, scherzt Karl mit Bezug auf die gemeinsame Vorliebe für den FC Bayern.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Wutzlhofer gab zu, so eine große Resonanz gegen das Krematorium nicht erwartet zu haben. "Das ist schon ein deutliches Signal", sagte er und betonte wie zuvor, die Einwände ernst zu nehmen. Hans Karl sagte, es hätte den Gegnern viel Mühe erspart, wenn die Stadträte ein Ratsbegehren eingeleitet hätten. "Beim Ratsbegehren weiß ich aber nicht, wie sehr das Thema den Leuten auf der Seele brennt", entgegnete Wutzlhofer. "Jetzt hab ich's Schwarz auf Weiß." Die Krematoriums-Gegner hatten die 926 Unterschriften in acht Tagen beisammen. Für ein Bürgerbegehren hätten 610 ausgereicht.

"Stolz auf unsere Bürger"

Norbert Griesbacher, der neben Initiator Hans Karl, Rita Wildenauer und Michael Gösl als Vertreter der Krematoriums-Gegner zur Unterschriftenübergabe gekommen war, sagte: "Es war zu befürchten, dass sich nur Bewohner um das geplante Krematorium herum stark machen, aber das hat sich nicht bewahrheitet." Rund 80 Prozent der vorhandenen Straßennamen sowie Unterschriften aus den Geburtenjahrgängen 1925 bis 2000 seien auf den Listen zu finden, von Altenstadt bei Vohenstrauß bis Zeßmannsrieth. "Wir sind stolz auf unsere Bürger, die Flagge zeigen. Unser Dank gebührt den Unterstützern, aber auch den fleißigen Helfern."

Im Stadtratsgremium habe sich "ein gewisser Meinungsprozess entwickelt", so Wutzlhofer. Sein CSU-Kollege Josef Maier hatte der Redaktion gegenüber gesagt, er habe bei seiner Zustimmung für das Krematorium die "Situation falsch eingeschätzt" und würde heute möglicherweise anders abstimmen.

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"Es gehört mehr dazu, seine Meinung zu ändern, als auf ihr zu beharren", kommentierte Hans Karl. SPD-Stadtrat Heinrich Rewitzer hatte schon in der letzten Sitzung Anfang Februar angekündigt, einen Antrag auf eine neue Auseinandersetzung mit dem Thema im Stadtrat zu stellen. "Dieser Antrag liegt im Haus vor", bestätigte Wutzlhofer am Mittwoch.

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"Habe sehr viel Gegenteiliges zum Stadtratsbeschluss gehört"

Ende Dezember hatte Wutzlhofer gesagt, die Reaktionen auf die Krematoriums-Pläne seien weniger dramatisch ausgefallen als erwartet. Am Mittwoch berichtete er von seinen Eindrücken der letzten Wochen: "Die Leute trauen sich inzwischen, mich persönlich auf das Krematorium anzusprechen. Die Barriere ist überwunden. Ich habe sehr viel Gegenteiliges zum Stadtratsbeschluss gehört. Das hat mich in meiner Meinungsbildung geformt. Ich habe mir Gedanken gemacht, auch zum Standort. Und ich muss mir den Vorwurf gefallen lassen, dass ich das Thema im Stadtrat zu schnell zur Abstimmung gebracht habe. Vielleicht hätten wir in der Januar-Sitzung noch einmal darüber befinden sollen."

Info:

Vom Bürgerbegehren zum Bürgerentscheid

Über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens wird der Stadtrat laut Wutzlhofer in seiner nächsten Sitzung am 7. März entscheiden. Bei Zulässigkeit müsse eine Erlaubnis des Innenministeriums eingeholt werden, den Bürgerentscheid wie geplant mit der Europawahl am 26. Mai zu koppeln.

Für einen Bürgerentscheid müsste ein Quorum von 20 Prozent aller Stimmberechtigten erreicht werden (1220 Stimmen).

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