22.05.2020 - 10:28 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bei diesem Naturschauspiel geraten nicht nur Imker ins Schwärmen

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Ein Spektakel, das man nicht so häufig zu sehen bekommt, ereignete sich vor einigen Tagen fast pünktlich zum Weltbienentag in einem Wohngebiet im Westen von Vohenstrauß. Ein Bienenschwarm sorgte für mächtig Aufsehen.

Imker Johann Balk begutachtet den Bienenschwarm. Ein Großteil der Insekten befindet sich zu dem Zeitpunkt bereits in einem Schwarmfangkasten. Die restlichen Bienen folgen ihrer Königin in den Behälter nach.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Mit einem brausenden Summen schwärmten Tausende Bienen in der Mittagszeit in einem Garten nahe der Kößlmühle wild umher. Die Anwohner ringsherum verzogen sich vorsichtshalber in ihre Häuser und verfolgten das Gewimmel und die anschließende Rettungsaktion von den Fenstern aus.

Nachdem sich die aufgebrachten Tierchen nach etwa einer halben Stunde etwas beruhigt hatten, versammelten sie sich am Stamm eines kleinen Baumes. Währenddessen hatte eine Nachbarin bereits den Vorsitzenden des Altenstädter Imkververeins, Johann Balk, verständigt. Der rückte mit entsprechender Ausrüstung an und besprengte die Bienen zunächst mit Wasser, um ihr Temperament etwas abzukühlen. Dann bugsierte er mit einem kräftigen Ruck am Baumstamm einen Großteil der tierischen Traube in einen Schwarmfangkasten.

Natürlicher Prozess

Balk vermutete, dass es sich um rund 20 000 Bienen handelt, die zu einem Volk in der näheren Umgebung gehören. Der betreffende Imker hatte wohl den natürlichen Prozess der Teilung nicht bemerkt oder keine Vorkehrungen dagegen getroffen. Da sich nun, so hoffte Balk, unter den vielen Tausenden Bienchen auch die Königin in dem hölzernen Behälter befand, sollten ihr die restlichen, noch frei fliegenden Untertanen in den Kasten folgen.

Heuer hätten sich die Bienenvölker bislang sehr gut entwickeln können. Nachdem die erste Maihälfte aber recht kalt war, nutzten die Insekten diese Zeit zum Teilen des Volkes. „Es kann also jetzt häufiger passieren, dass die Bienen ausschwärmen“, meint Balk. Der erfahrene Imker, der bereits zehn Bienenvölker betreut, wird sich des geretteten Schwarms annehmen.

Hektik oder Angst seien im Fall eines Bienenschwarms fehl am Platz. Ganz im Gegenteil: „Das ist ein Naturschauspiel, das man in Ruhe genießen sollte. Denn in der Regel sind Bienen in einem Schwarm nicht aggressiv.“ Man sollte jedoch den nächstgelegenen Imker im Ort verständigen. „Unternimmt man nichts, dann sammeln sich die Bienen an einer bestimmten Stelle und schwärmen am nächsten Morgen wieder aus. Dann aber können sie schon einige Kilometer zurücklegen bis sie ein geeignetes, dauerhaftes Quartier finden.“

Lehrgänge unabdingbar

In diesem Zusammenhang spricht Balk über ein Phänomen, das derzeit bei Imkern für Diskussionen sorgt. Es würden sich vermehrt naturverbundene Menschen für die Imkerei interessieren - nicht um Honig zu produzieren, sondern um den Bienen in der Natur freien Lauf zu lassen. Theoretisch sei dies eine gute Sache. Aber in der Praxis würden diese Vorhaben meist misslingen: „Das geht selten gut ohne ausreichendes Wissen“, weiß Balk und rät diesen Naturfreunden, trotzdem Imker-Lehrgänge zu besuchen, die ihnen die Zusammenhänge und die Arbeit mit den Bienen vor Augen führen.

„Auch wenn man keinen Honig produzieren will, muss man die Bienenvölker hegen und pflegen. Nur wenn ich immer wieder nachschaue, erkenne ich rechtzeitig, was passiert.“ Man könne die Bienen leider nicht einfach der Natur überlassen. Im schlimmsten Fall würden unbehandelte Krankheiten auf Nachbarbienenvölker übergreifen.

Mit Bedacht schüttelt Imker Johann Balk den Bienenschwarm vom Bäumchen.
Info:

Schwarm um die alte Königin

Wenn Bienen schwärmen, ist das ein faszinierender Anblick: Eine große Menge Bienen quillt aus dem Stock und verdunkelt eine Zeit lang den Himmel, bis sich die Bienen in einiger Entfernung an einem Ast sammeln und dort eine Traube bilden. In ihrer Mitte befindet sich die alte Königin, die nun mit einigen zehntausend Bienen auf der Suche nach einer neuen Behausung ist. Das schwärmende Volk hat zwar nur Honigvorräte für drei Tage, dafür aber eine begattete, erfahrene Königin. Sobald ein neuer Stock gefunden wurde, wird mit dem Wabenbau begonnen und schon kann die Königin wieder legen.

Ein Imker kann den Schwarm einfangen und in eine Bienenwohnung einziehen lassen, wo er das Volk betreuen kann. Helfen kann man den Bienen daher, indem man den nächsten Imker anruft. Am einfachsten findet man die Kontaktdaten beim örtlichen Imkerverein oder in einer Schwarmbörse im Internet.

Auch wenn eine solche Menge Bienen Respekt einflößt – keine Angst: Bienen, die schwärmen, stechen nicht. Denn sie haben nichts zu verteidigen, weder einen Bienenstock mit Brut noch Honigvorräte. Vielmehr sind die Bienen auf der Suche nach einer neuen Heimat. Sie bevorzugen Höhlen in alten Bäumen in etwa fünf Meter Höhe mit ungefähr 40 bis 60 Liter Inhalt. Dazu sendet der Schwarm Spurbienen aus, die geeignete Stellen auskundschaften und davon berichten. Dazu nutzen sie den Schwänzeltanz, mit dem sie auch über Trachtquellen informieren. Die Bienen entscheiden sich dann für den am besten geeigneten Platz für den Aufbau eines neuen Bienenvolkes.

Wird die Schwarmtraube von schlechtem Wetter überrascht und kann nicht weitersuchen, gerät sie in Gefahr. Auch ein starker Regen kann dem Schwarm gefährlich werden. Selbst wenn sie eine geeignete Wohnstätte finden, haben Bienen ohne die Betreuung eines Imkers wenig Überlebenschancen. Wild lebende Völker fallen in Deutschland meist der Varroamilbe zum Opfer. Ohne die Betreuung durch einen Imker sterben die meisten Bienenvölker weil sie keine Behausung finden, an der Varroa-Milbe, Folgekrankheiten oder Futtermangel. Deshalb ist es nicht ratsam, einen Schwarm sich selbst zu überlassen.

Mit einem Schwarmfangkasten macht sich der erfahrene Imker Johann Balk an die Arbeit. Ist die Königin in der hölzernen Box gefangen, dann folgt auch der Rest des Bienenschwarms nach.
Eine mächtige Traube bildet sich, als sich die Bienen an einem kleinen Baum sammeln.

Auch bei Erbendorf sind Bienenschwärme unterwegs

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In Amberg gibt es ein besonderes Bienen-Projekt

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