20.03.2020 - 15:45 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Gegen Einsamkeit in der Coronakrise

Wegen der Coronakrise ist das kirchliche Gemeinschaftsleben erlahmt. Was aber, wenn die Menschen vereinsamen? Darüber machen sich die evangelischen Geistlichen in Vohenstrauß und Floss Gedanken. Sie haben Pläne und Angebote.

Die evangelische Stadtkirche in Vohenstrauß.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Coronakrise macht auch vor den Kirchen keinen Halt. Der Landeskirchenrat in München hat für evangelischen Gemeinden in Bayern Leitlinien beschlossen, denen zufolge Gottesdienste bis einschließlich Sonntag, 19. April, nicht mehr stattfinden dürfen. Auch das gesellschaftliche Leben in der Kirche ist erlahmt. So teilt Stadtpfarrer Dieter Schinke aus Vohenstrauß mit, dass Seniorenkreise, Krabbelgruppen, Chorproben und öffentliche Gottesdienste auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wurden. Dasselbe gilt für die evangelische Gemeinde um die St.Johannes-Baptista-Kirche in Floss.

Schinke:"Wir geben im Augenblick unser Bestes, damit sich die Leute nicht anstecken." Doch einfach alles absagen, damit kann es für den Pfarrer nicht getan sein. Er sorgt sich um die Menschen, die aufgrund der Maßnahmen davon bedroht sind, zu vereinsamen. Er betont, niemand solle zögern zum Hörer zu greifen, wenn er sich einsam fühlt. "Wir wollen die Kirchengemeinde ansprechen, schauen, wo die Leute allein sind und uns darum kümmern, wie es ihnen geht", erklärt er. Die Menschen sollen weiterhin miteinander in Kontakt bleiben, auch wenn sie sich nicht persönlich treffen können. "Viele unserer Gruppenmitglieder sind sowieso über Whatsapp miteinander vernetzt. Sie tauschen sich so auch weiterhin miteinander aus."

Ältere Menschen nicht vergessen

Doch gibt es Menschen, die älter sind und keinen Zugang zu sozialen Netzwerken haben. Weil sich die Gemeinde über viele einzelne kleine Orte erstreckt, ist dort die Gefahr zu vereinsamen für ältere Menschen besonders gegeben. Auch für sie hat sich der Pfarrer etwas überlegt. Jeder von ihnen bekommt einen Brief, mit dem ihnen das Pfarramt das Gefühl geben will, nicht abgehängt zu sein. Wer auf der Suche nach einem Gespräch, einem Rat, Seelsorge ist oder Hilfe beim Einkauf braucht, soll sich unter der Nummer 09651/2269 melden.

So gehen die Kirchen in Eschenbach mit dem Coronavirus um

Eschenbach

In dasselbe Horn stößt auch der Flosser Pfarrer Wilfried Römischer. Seine Nachricht für die Gemeindemitglieder: "Wir wollen in Kontakt bleiben." Die Kirche sei weiterhin für das stille Gebet geöffnet und ist dafür besonders gestaltet. Jedem, der möchte, schickt er seine Sonntagspredigt entweder per E-Mail oder per Post. Römischer ruft die Gemeindemitglieder auf, sonntags gemeinsam um 9 Uhr von zu Hause aus, den Gottesdienst zu feiern. Er hat zudem eine Anleitung für einen Küchentisch-Gottesdienst in petto, den er ebenso per E-Mail und Post an die Menschen schickt. Wer sich einsam fühlt, den besucht Römischer auch weiterhin, allerdings in Form eines Fenstergesprächs. "Die Leute machen einfach ihr Fenster auf, ich stehe dann mit etwas Abstand im Garten", erklärt er. Römischer möchte besonders älteren Menschen und denen, die einer Risikogruppe angehören auch konkret helfen. "Wir erledigen sie die Einkäufe und stehen ihnen bei Online-Bestellungen zur Seite", sagt der Pfarrer. Wer Hilfe braucht, die Predigt oder die Anleitung zum Küchentisch-Gottesdienst haben will oder einfach reden will, soll sich beim Flosser Pfarramt unter der Nummer 09603/8318 melden.

Familienarbeit im Digitalen

Ebenso hat sich die Familienarbeit in die digitale Welt verlagert. Die neu gegründete Facebook-Seite "Kids.at.home - Evangelische Kirchenarbeit 2.0" des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weiden dient dafür als Grundlage. Diakon Fabian Endruweit aus Vohenstrauß gibt Auskunft darüber, worum es sich dabei genau handelt. "Die Seite befindet sich gerade im Aufbau. Damit wollen wir die Kirche sozusagen digital gestalten." Endruweit spricht von einem "zielgruppengerichteten Angebot 2.0". "Es geht darum, mit den Familien in Kontakt zu bleiben. Wir machen ihnen Vorschläge, was sie zur Beschäftigung mit ihren Kindern daheim machen können." Besonders liegt ihm am Herzen, die Inhalte zu regionalisieren. Pädagogisch bedeutend für die Psyche von Kindern sei es, ihnen das Gefühl zu geben, weiter zu einer sozialen Gruppe zu gehören. "Die Kinder fangen natürlich an zu fragen, warum sie ihre Freunde im Moment nicht sehen können. Sie wollen wissen, was mit ihnen ist, wie es ihnen geht", erklärt der Diakon.

Endruweit möchte die Seite aber auch dafür nutzen, Andachten, Geschichten und Gedanken mit der Gemeinde zu teilen. "Wir überlegen, ob wir Videos von Gottesdiensten und Andachten online stellen", sagt er. Zwar könnten die Menschen auch den Gottesdienst im Fernsehen verfolgen, das sei aber aus einem ganz einfachen Grund nicht dasselbe. "Die Menschen haben eine sehr enge Verbindung zu ihrer Gemeindekirche." Es dürfte aber beim Video bleiben. Einen Livestream hält Endruweit nicht für sinnvoll. "Es ist technisch relativ anspruchsvoll, damit der sauber rüberkommt." Was den Ostergottesdienst in Vohenstrauß angeht, laufen derzeit Planungen, genaueres darüber sagen kann der Diakon aber noch nicht.

So verhalten sich die Amberger Kirchen in Zeiten von Corona

Amberg
Info:

Glockengeläut zur Verbindung

Mehrmals täglich läuten in Bayern die Kirchenglocken. In der Regel ist das morgens, zur Mittagszeit und am Abend der Fall. Eine Tradition, die allerdings im Lauf der letzten Jahrzehnte vielerorts in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten der Corona-Krise erlebt sie gerade eine Renaissance. „Zur Zeit können wir leider keine Gemeindegottesdienste in unseren Kirchen feiern. Deshalb suchen wir gerade nach anderen Wegen, um christliche Gemeinschaft spürbar zu machen“, erläutert Dekan Wenrich Slenczka aus Weiden. Die evangelischen Kirchengemeinden in Weiden wollen deshalb gemeinsam mit den katholischen Pfarreien das Läuten der Glocken wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Auch in den anderen Kirchengemeinden im Dekanat Weiden ist dass der Fall.

Seit vielen Jahrhunderten gibt das Glockengeläut dem Tag eine Struktur und lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten und ein Gebet zu sprechen. Der Klang der Glocken bedeute für viele Menschen Trost und mahne zum Frieden. Er vermittle gewissermaßen zwischen Himmel und Erde. Im Alltagslärm gehe das Läuten jedoch häufig unter. Aber jetzt, wo das öffentliche Leben einen Gang herunterschalte, bekomme es eine größere Bedeutung, ist der Dekan überzeugt. „Wer die Glocken hört, kann einen Moment stehen bleiben, ein kurzes Gebet sprechen und sich dabei mit allen anderen verbunden fühlen, die dies zur selben Zeit ebenfalls tun. So können wir christliche Gemeinschaft erleben, selbst wenn wir an unterschiedlichen Orten sind.“ (Susanne Götte)

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