05.02.2019 - 19:09 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Ein Hoch auf Hühnersuppe

Medizin und Abendessen - eine Hühnersuppe ist ein doppelter Glücksfall. Forscher haben herausgefunden, dass Wirkstoffe in der Suppe tatsächlich entzündungshemmend wirken.

Medizin und Abendessen - eine Hühnersuppe ist ein doppelter Glücksfall

In der "Lindenstraße" vom Sonntagabend versucht sich die Zenker-Enkelin an einer Hühnersuppe für die erkälteten Großeltern und rührt als Veganerin einen ungenießbaren Tofu-Eintopf zusammen. Ob Tofu gegen Erkältung hilft, ist nicht belegt, die Hühnersuppe tut das auf jeden Fall. Ein Selbstversuch.

Die Niesattacken in den vergangenen drei Tagen sind ein untrügliches Zeichen. Dann setzt der Husten ein. Damit ist die Sache klar: Die Erkältung ist da. Am Abend werden wir einen großzügigen Schluck des bewährten Erkältungstranks eines Pharma-Riesen nehmen. Ein solcher hat bisher immer gut geholfen. Da fällt uns die Hühnersuppe ein. Die soll doch ebenfalls bei Erkältung helfen, heißt es. Sollten wir es also nicht einmal mit der versuchen, ehe wir wieder den Chemie-Cocktail trinken? Einen Versuch wäre es allemal wert, zumal die Suppe dann auch gleich ein Abendessen wäre.

Glücklicher Gockel

Ein Glücksfall, ohne den der Selbstversuch am Wochenende nicht geklappt hätte: Im Gefrierschrank liegt noch ein Bauerngockel. Die Hühnersuppen-Rezepte geben zwar durchwegs ein Suppenhuhn vor, aber so ein veritabler Bauerngockel, der nicht auf engstem Raum mit tausenden Artgenossen ohne Sonnenlicht sein kurzes Leben durchlitten hat, müsste die gesunde Suppe doch noch einmal deutlich gesünder machen.

Allerdings ist das Tier so groß, dass es nicht in den Kochtopf passt. Und so wird der Tag für den Hund ganz unerwartet zum Festtag: Er bekommt Schenkel und Flügel. Den Bürzel des Gockels schneiden wir nicht ab, auch wenn das empfohlen wird, um einen möglichen tranigen Geschmack zu verhindern. Wir vertrauen darauf, dass dieser schöne Gockel auch mit Bürzel eine wunderbare Suppe ergibt (was auch der Fall ist).

Für Suppengemüse ist auch ohne Beine und Flügel kaum mehr Platz. Also kommen nur noch zwei schmale Schalotten und ein paar Knoblauchzehen mit ins Wasser. Ins kalte Wasser. Nach der alten Regel, derzufolge die Brühe kräftiger wird, wenn das Fleisch kalt aufgesetzt wird, weil es dann besser auslaugt.

Langsam köcheln

Nach dem ersten langsamen Aufkochen schalten wir den Herd zurück, so dass die Suppe nun nur noch vor sich hin köchelt. Und so lassen wir sie die nächsten zwei Stunden stehen. Das Abschöpfen des Schaums, zu dem in jedem Rezept nach dem ersten Aufkochen geraten wird, sparen wir uns, das scheint uns nur eine optische Sache zu sein. Schließlich wollen wir die Suppe keinem Gast vorsetzen, sondern nur eine beginnende Erkältung lindern. Und der Schaum zersetzt sich auch tatsächlich wieder fast vollständig.

Entzündungshemmend

Während der Gockel jetzt ganz langsam seine hoffentlich heilsamen Inhaltsstoffe an das Wasser abgibt, bleibt Zeit für eine Recherche, was eine Hühnersuppe so wohltuend macht. Denn dass das kein Aberglaube ist, das ist inzwischen wissenschaftlich bestätigt. Unter anderem Forscher an der Universität im amerikanischen Nebraska haben herausgefunden, dass Hühnersuppe bestimmte weiße Blutkörperchen (Neutrophile) blockiert, die mitverantwortlich sind für Entzündungsprozesse im Körper. Hühnersuppe hemmt diese Neutrophile, die bei Virusinfektionen in großen Mengen freigesetzt werden, in ihrer Bewegung, so die amerikanischen Wissenschaftler.

Entzündungshemmend wirkt außerdem der in der Hühnersuppe enthaltene Eiweißstoff Cystein, der auch die Schleimhäute abschwellen lässt. Und schließlich enthält die Hühnersuppe beachtliche Mengen des Mineralstoffs Zink, der bekanntermaßen bei Infekten hilfreich ist. Und weil das Zink in der Hühnersuppe an den Eiweißbaustein Histidin gebunden ist, soll der Körper es besonders gut aufnehmen können.

Chili und Ingwer

Die amerikanischen Forscher haben übrigens außer dem Huhn noch folgende Zutaten für die Suppe verwendet: Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Sellerie und Petersilie. Die entzündungshemmende Wirkung lässt sich aber noch steigern, zum Beispiel durch Chili oder Ingwerwurzel. Der unserer Suppe beigefügte Knoblauch schadet sicher auch nicht. Nach der langen Kochzeit löst sich das Gockel-Fleisch ganz leicht vom Knochen. Die Karotten haben wir erst zum Schluss geraspelt und in die Suppe geworfen.

Hat die Suppe nun geholfen? Die Erkältung ist zumindest nicht ausgeartet, es ist bei einem leichten Schnupfen und Husten geblieben. Und das diesmal ohne Chemie-Cocktail. (eig)

Hühnersuppe - das Rezept von der Profi-Köchin :

Wie kocht eine professionelle Köchin eine gute Hühnersuppe? Christine Hüttl, Inhaberin des Vohenstraußer Gasthofs „Zur Post“, hat uns ihr Rezept verraten.

Und sie hat sogar extra für die OWZ-Leser eine Menge für vier Personen gekocht, um sicherzustellen, dass ihr Rezept funktioniert, denn Christine Hüttl kocht Suppen normalerweise in einer Menge für 40 bis 60 Portionen.

Die Zutaten: 1 Suppenhuhn (1,1 bis 1,5 Kilogramm), frisch oder gefroren, 3 Liter Wasser, 1 Kilogramm Suppengemüse (Karotten, Lauch, Sellerie oder Staudensellerie, Zwiebeln, Petersilienwurzeln, nach Belieben Fenchel), 1 Tomate, Pfeffer, Salz (zirka 30 Gramm), frisch gehackte Petersilie. Außerdem folgende Gewürze, die man in ein Gewürzsäckchen oder ein Tee-Ei geben kann, wenn man sie nicht direkt in der Suppe haben möchte: 1 Teelöffel Pfefferkörner, 1 Teelöffel Wacholderbeeren, 1 Teelöffel Nelken, 4 Lorbeerblätter, eventuell etwas Piment.

Die Zubereitung: Die „Post“-Wirtin wäscht das Huhn unter fließendem kalten Wasser, ehe sie es in den drei Litern kaltem Wasser langsam zum Kochen bringt. Sobald das Wasser kocht, reduziert sie die Hitze und lässt das Huhn etwa eineinhalb Stunden leicht köcheln.

Den Schaum schöpft Christine Hüttl ab und erst danach gibt sie das Salz zu. Das in grobe Würfel geschnittene Gemüse kommt erst nach einer Stunde Kochzeit in den Topf und wird dann bis zum Ende mitgegart.

Nach eineinhalb Stunden nimmt sie das Huhn aus der Brühe, lässt es etwas abkühlen, häutet es, löst das Fleisch von den Knochen, scheidet es in mundgerechte Stückchen und gibt es wieder in die Suppe.

Das Gewürzsäckchen kommt jetzt aus dem Topf. Wer mag, kann die Suppe nun noch abschmecken mit Muskat, Muskat plus Thymian oder Ingwer. Nur eine der drei Varianten, sagt Hüttl, nicht alles zusammen.

Soll es eine Hühner-Nudel-Suppe werden, gibt man für vier Personen noch 120 Gramm gekochte Fadennudeln dazu. Angerichtet wird zum Schluss mit der frisch gehackten Petersilie. (eig)

Christine Hüttl, Inhaberin des Vohenstraußer Gasthofs „Zur Post“, verrät ihr Rezept für Hühnersuppe.
So ein veritabler Bauerngockel, der nicht auf engstem Raum mit tausenden Artgenossen ohne Sonnenlicht sein kurzes Leben durchlitten hat, müsste die gesunde Suppe doch noch einmal deutlich gesünder machen.
Am Schluss löst sich das Fleisch fast von selbst vom Knochen. Und ein paar Nudeln machen die Suppe perfekt.
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