16.09.2021 - 11:33 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Im östlichen Landkreis Neustadt/WN wählt mehr als die Hälfte daheim

Während die Kanzlerkandidaten Scholz, Laschet und Baerbock bis zum 26. September noch um Stimmen kämpfen, haben viele Wähler ihre beiden Kreuzchen längst gemacht. Die Briefwahl ist auch im östlichen Landkreis Neustadt/WN beliebt.

Viele Wähler entscheiden sich für die Briefwahl. Der Trend ist auch im Osten des Landkreises Neustadt/WN deutlich erkennbar.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Maximilian Rewitzer, Wahlsachbearbeiter der Stadt Vohenstrauß zählt heuer in der größten Stadt des Landkreises Neustadt/WN 6164 wahlberechtigte Einwohner. Bis zum Mittwoch, 15. September, haben bereits 3122 Bürger Briefwahlunterlagen beantragt. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es insgesamt 2010 beantragte Briefwahlunterlagen. "Der Anstieg der Briefwähler ist mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die leichte Beantragung, sowie der Bequemlichkeit der Wähler zu erklären", schätzt Rewitzer. Ein Faktor sei wohl auch die Angst, sich im Wahllokal mit Corona zu infizieren.

Die Sicherheit der Briefwahl sei jedenfalls gewährleistet: "Falls man sich in der Zeit vor der Wahl nicht Zuhause aufhält, besteht die Möglichkeit, bei der Beantragung der Briefwahlunterlagen eine abweichende Anschrift, an die die Briefwahlunterlagen geschickt werden sollen, anzugeben. In einem solchen Fall werden die Briefwahlunterlagen, an die angegebene abweichende Adresse und ein weiteres Schreiben zur Information an die Hauptadresse geschickt. Durch dieses Infoschreiben wird verhindert, dass die Briefwahlunterlagen unbemerkt von einer anderen Person beantragt werden können."

Verwaltungsgemeinschaft Pleystein

Bei der Verwaltungsgemeinschaft Pleystein hat Wahlsachbearbeiter Daniel Vater die Zahlen parat: "Bei der Bundestagswahl 2021 sind es in Pleystein 1974 Wahlberechtigte, davon nutzen bisher 1044 die Briefwahl. Von den Briefwählern Pleystein beantragten 219 die Unterlagen per QR Code und 115 über das Bürgerserviceportal." In Georgenberg zählt Vater 1070 Wahlberechtigte, davon bisher 617 Briefwähler. Von den Briefwählern Georgenberg beantragten 115 die Unterlagen per QR Code und 76 über das Bürgerserviceportal.

"Bisher ist zu beobachten, dass sich die Briefwahl über alle Altersschichten verteilt. Wobei laut Aussagen von Wahlhelfern es dann doch die älteren Bürger sind, die noch persönlich im Wahllokal wählen." Der Trend, zu Hause seine Kreuzchen zu machen, habe in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichen Gründen so stark zugenommen: "Früher musste man einen Grund angeben, warum Briefwahl beantragt wird. Heute kann sich die Unterlagen jeder Wahlberechtigte problemlos holen. Dabei werden von einzelnen Personen dann oft die Unterlagen für den ganzen Haushalt abgeholt. Die Menschen sind definitiv bequemer geworden. Natürlich ist bei der Bundestagswahl 2021 auch die Beantragung per QR Code oder das Bürgerserviceportal eine noch einfachere Möglichkeit, die Briefwahl zu beantragen. Dies kann man bequem am PC oder Smartphone erledigen. Vielleicht eine gute Option, um jüngere Personen zur Wahl zu bewegen."

Der größte Ansturm auf die Briefwahl habe in den ersten Tagen von 30. August bis 3. September stattgefunden. "Diese Woche lässt der Ansturm nach", erklärt der Pleysteiner Wahlsachbearbeiter.

Vater schlägt vor, auf den Trend zu reagieren: "Beim mittlerweile sehr großen Aufkommen an Briefwählern bedeutet dies erhebliche Mehrarbeit im Wahlamt der Gemeinden. Eventuell wäre es eine Option, jedem Bürger grundsätzlich die Wahlunterlagen zukommen zu lassen. Dieser kann dann entscheiden, ob er die Unterlagen als Briefwahl abgibt oder am Wahltag damit ins Wahllokal geht. Damit hätte man für die Planung eine gewisse Vorlaufzeit und weiß auch immer wieviel Briefwahlunterlagen vorbereitet werden müssen."

Marktgemeinde Eslarn

Der Eslarner Geschäftsleiter Georg Würfl erklärt, dass der Anteil der Briefwähler in der Grenzgemeinde "traditionell hoch" sei. Durch die Coronapandemie würde die Zahl heuer sicherlich weiter ansteigen. "Bei der Bundestagswahl 2017 hatten wir bei rund 2200 Wahlberechtigten in Eslarn 1100 Briefwähler. Diese Zahl haben wir diesmal bereits übertroffen." Aktuell seien es 1200 Bürger, die ihre Wahlunterlagen angefordert haben. "Und es kommen bestimm noch welche dazu. Ich rechne mit bis zu 1400 Briefwählern", sagt Würfl. Wer sich einmal für die Wahl zu Hause entschieden habe, behalte das auch bei. Auch die jungen Leute würden diese bequeme Art der Wahl bevorzugen. Die Verwaltung habe darauf reagiert und einen zweiten Briefwahlbezirk eingerichtet. "Wir haben nur mehr einen Urnenwahlbezirk", ergänzt der Geschäftsleiter.

Marktgemeinde Waidhaus

In Waidhaus gibt Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl Auskunft: "Bei uns sind es derzeit 927 Briefwähler bei 1764 Wahlberechtigten, das entspricht 52,55 Prozent. Vor allem für die kleinen Wahllokale in den Ortsteilen wird es kritisch. Sollten in einem Wahllokal weniger als 50 Wähler zur Urne gehen, muss die Urne ungeöffnet in ein anderes Wahllokal überführt und dort mit den Stimmzetteln vermischt werden. Eine Auszählung erfolgt dann in dem aufnehmenden Wahllokal, damit die Wahlrechtsgrundsätze gewahrt werden können. Für künftige Wahlen wird es dann in diesem Ortsteil kein Wahllokal mehr geben." Bei der letzten Bundestagswahl 2017 waren es 646 Briefwähler.

Marktgemeinde Moosbach

In der Gemeinde Moosbach sind 1940 Bürger wahlberechtigt. Bislang, so informiert Geschäftsleiter Andreas Hofmeister, wurden 911 Briefwahlunterlagen beantragt, das seien 47 Prozent. Insgesamt habe die Verwaltung 1400 Briefwahlunterlagen geordert. Bei der Wahl 2017 waren es 26,08 Prozent, die zu Hause ihre Wahl erledigten, bei einer Beteiligung von insgesamt 79,36 Prozent. Hofmeister ist der Meinung, dass der Anteil der Briefwähler bei Kommunalwahlen wesentlich höher sei als bei "normalen" Wahlen. So entschieden sich bei der Kommunalwahl 2020 63 Prozent der Wähler dafür, ihre Unterlagen daheim auszufüllen.

Marktgemeinde Waldthurn

Der Trend zur Briefwahl ist auch in der Gemeinde Waldthurn deutlich erkennbar. 1591 Wahlberechtigte können heuer mitbestimmen. Wahlsachbearbeiterin Anna-Lena Bojer zählte bis zum 15. September bereits 812 Briefwähler. "Da werden aber definitiv noch welche dazukommen", schätzt die junge Verwaltungsangestellte. Bei der Bundestagswahl 2017 lag der Anteil der Briefwähler noch bei 550.

Verwaltungsgemeinschaft Tännesberg

Jutta Schmid von der Verwaltungsgemeinschaft Tännesberg liefert ähnliche Daten: "Wir haben heuer in Tännesberg 1219 Wahlberechtigte und bislang 567 Briefwähler. In Leuchtenberg sind es 988 Wahlberechtigte und aktuell 519 Briefwähler." Vergleicht man die Zahlen mit den Daten der Bundestagswahl 2017: Da gab in Tännesberg bei 1248 Wahlberechtigten nur 467 Briefwähler, und in Leuchtenberg wurden bei 1002 Wahlberechtigten lediglich 303 Briefwähler gezählt. Schmid schätzt, dass der Trend noch deutlicher ausfallen wird : "Wir haben ja noch eine Woche vor uns."

So funktioniert die Briefwahl

Viele Briefwähler auch im westlichen Landkreis Neustadt/WN

Pressath

Wichtige Informationen zur Briefwahl

Deutschland und die Welt
Hintergrund:

Der Weg der Briefwahlumschläge in den Rathäusern

  • Die roten Briefwahlumschläge werden, sobald sie bei der Stadt/Gemeinde eingehen, sortiert und in abgeschlossenen Urnen bis zum Wahltag aufbewahrt.
  • Der Briefwahlvorstand tritt am Wahltag um 15 Uhr zusammen und bereitet die Auszählung ab 18 Uhr vor.
  • Vor 18 Uhr: Der rote Umschlag wird geöffnet. Der Wahlschein, sowie der blaue Umschlag mit inliegendem Stimmzettel werden getrennt. Wahlscheine werden gesammelt, der blaue Umschlag mit Stimmzettel kommen erneut in eine abgeschlossene Urne.
  • Ab 18 Uhr: Die Urne mit den blauen Umschlägen wird geöffnet, anschließend werden die blauen Umschläge geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt. Somit ist der Grundsatz der geheimen Wahl sichergestellt, da nach der Trennung des Wahlscheines und des Stimmzettels keine Nachverfolgung mehr möglich ist.

 

 

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