09.10.2020 - 08:54 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Prüfung für Jagdhunde kein Spaziergang

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Ein tödlich verletztes Reh rennt nach einem Unfall in einen Wald. Der alarmierte Jäger muss sich bei der Suche nach dem toten Tier auf seinen Hund verlassen können. In der Brauchbarkeitsprüfung wird unter anderem dieser Fall simuliert.

Geschafft: Die Deutsch Drahthaar-Dame "Ondra vom Grafenwald" von Josef Wittmann aus Brünst zeigte in der Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde mit einer tadellosen Leistung, dass sich der Jäger auf sie verlassen kann. Den beiden ist die Freude ins Gesicht geschrieben.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Monatelang hatten sich fünf Jäger mit ihren Hunden im Einzel- und Gruppentraining auf diesen Tag vorbereitet. Die Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde, die vom Bayerischen Jagdverband allein schon aus gesetzlichen und versicherungstechnischen Gründen vorgeschrieben ist, ist kein Spaziergang. Dies wird den Schützlingen von Hundeobmann Roland Bäumler aus Grub bei Moosbach am Samstag, genau eine Woche vor dem Welthundetag am 10. Oktober, schnell klar. Die Kandidaten und ihre schnüffelnden Vierbeiner müssen Höchstleistungen erbringen, um erfolgreich zu sein. Dies gelingt am Ende nicht allen.

Die drei erfahrenen Richter Balduin Schönberger (Wernberg-Köblitz), Andreas Feneis (Lohma) und Andreas Brandstätter (Wildeppenried) verfolgen zusammen mit Christian Ertl, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Vohenstrauß, jede Bewegung und Reaktion - sowohl von Mensch als auch vom Tier. Neben dem zweiten Vorsitzenden Sascha Freymann, der dem Richterteam als Schriftführer zur Verfügung steht, tauchen ein paar interessierte Jäger auf, die sich jedoch im Hintergrund halten mussten.

Überraschung im Wald

Fast alle Prüflinge haben mit großer Nervosität zu kämpfen. Gemeint sind damit nicht die Hunde. So mancher Waidmann kann seine Aufregung nicht verbergen und bringt seinen ansonsten ruhig agierenden, tierischen Kollegen durch ungewohnte Handgriffe oder hektische Kommandos aus dem Konzept. Was in den vielen Trainingsstunden mit Hundeobmann Bäumler wunderbar funktioniert hatte, geht im Prüfungsstress nun auf einmal schief. Fällt man in einem Fach durch, ist der gesamte Test gelaufen. Nebenbei müssen die Teilnehmer mit einer ungeplanten Situation klarkommen: Eine Gruppe Reiter mit Hund durchquert das Revier. "Das ist ja später im Ernstfall im Wald genauso, damit müssen die Hunde schon zurechtkommen", kommentiert Ertl.

Josef Wittmann aus Brünst ist einer der fünf Kandidaten. Seine "Ondra vom Grafenwald", eine Deutsch Drahthaar-Dame, hat einen ausgezeichneten Tag. Sie apportiert Hase und Ente und lässt sich bei der Schweißarbeit von nichts und niemanden ablenken. Bei einem improvisierten Treiberlärm behält sie die Ruhe. Die intelligente Hündin springt auf Kommando in einen Weiher und durchschwimmt dichtes Schilf. Sie demonstriert, wie perfekt sie an der Leine laufen kann und dass sie sich beim Freilauf mühelos zurückpfeifen lässt.

Umfassende Vorbereitung

Selbst als der Hundeführer direkt neben ihr einen Schuss abfeuert, bleibt sie konzentriert und beginnt dann mit der Schnüffelarbeit. "Der Hund ist einfach super", schwärmt der Kreisvorsitzende Ertl im Flüsterton, als er Ondra dabei zusieht, wie sie über Stunden hinweg Aufgabe um Aufgabe meistert - auch wenn ihr Chef sichtlich nervös ist und sich zwischendurch im Kampf mit der langen Leine schon mal leicht verheddert.

Die Prüfungsfächer sind eingeteilt in "Vor dem Schuss" und "Nach dem Schuss". Bereits in der Nacht davor waren Hundeobmann Bäumler und Kreisvorsitzender Ertl gemeinsam in Bäumlers Revier unterwegs, um die Fährten zu legen. Die Schweißarbeit wird auf einer markierten, gespritzten und getupften Rotfähre geprüft. Sie muss 300 Meter lang sein. Am Ende der Rotfährte wird ein totes Stück Schalenwild hingelegt. In die Wertung geht auch ein, wie sich der Hund nach der erfolgreichen Suche verhält. Er wird neben dem gefundenen Wild abgelegt und darf es nicht anschneiden, also anfressen.

Beim Modul "Wasserarbeit" wird eine tote Ente mindestens zehn Meter in ein Schilf geworfen. Der Hund darf weder das Werfen noch die im Wasser liegende Ente vom Ufer aus sehen. Er muss das tote Tier finden und seinem Führer bringen. Zur Prüfung der Schussfestigkeit bei der Wasserarbeit gibt der Hundeführer auf Anweisung des Richterobmannes einen Schrotschuss ab, während der Hund im Wasser nach einer toten Ente sucht.

Auch die Begleithundeprüfung erfordert Training

Vohenstrauß

Tierschutz der Hintergedanke

Ertl erklärt, warum die Brauchbarkeitsprüfung so wichtig ist und zitiert dazu aus dem Jagdhandbuch: "Die Normen für jagdliche Brauchbarkeit ergeben sich aus den Erfordernissen des praktischen Jagdbetriebes unter besonderer Berücksichtigung des Tierschutzes und der Notwendigkeit, Qualen von bei Verkehrsunfällen zu Schaden gekommenem Wild zu vermeiden oder zu verkürzen. Entsprechend diesem Tierschutzgedanken erfordern Vorschriften des Bayerischen Jagdgesetzes, dass auf krankes Wild zeitgerecht und fachgemäß nachgesucht wird und dass bei bestimmten Jagdarten brauchbare Jagdhunde in genügender Zahl verwendet werden."

Chefrichter Schönberger weist darauf hin, dass die Nervosität der Hundeführer eine enorme Rolle spiele. Trotzdem hat er am Ende der mehrstündigen Prüfung ein paar mahnende Worte für die beiden Teilnehmer parat, die es nicht geschafft haben: "Es sind nicht alle Tage gleich. Es wird von den Hunden und den Hundführern viel abverlangt. Oft haben die Führer nicht die Zeit, weil sie berufstätig sind. Und wenn ich mich mit meinem Hund nicht regelmäßig jeden Tag ein bis zwei Stunden beschäftige, dann kommt das schon mal vor." Für den zweiten Versuch gibt er ihnen mit auf den Weg: "Die zwei Hunde sollen in den nächsten 14 Tagen intensiv üben in dem Fach, in dem sie durchgefallen sind. Und dann wird das schon."

Schwarzwildjagd bei Neuenhammer

Neuenhammer bei Georgenberg
Hintergrund:

Zugelassene Jagdhunderassen

Die Brauchbarkeitsprüfung können alle vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) zugelassenen Jagdhunderassen absolvieren. Die Hunderassen (mit einigen Beispielen) teilen sich auf in:

  • Vorstehhunde (Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Großer Münsterländer, Kleiner Münsterländer)
  • Schweißhunde (Bayerischer Gebirgsschweißhund)
  • Stöberhunde (Wachtel, Terrier)
  • Bracken (Brandlbracke, Deutsche Bracke, Tiroler Bracke)
  • Bauhunde (Dackel, Terrier)
  • Apportierhunde (Golden Retriever, Labrador)

Die Prüfergruppe besteht aus drei Mitgliedern. Der Obmann muss den Verbandsrichterausweis des JGHV besitzen. Hunde mit Brauchbarkeit sind über die Jagdhaftpflicht des Hundeführers mitversichert

Weitere Prüfungen sind möglich über die Zuchtverbände der einzelnen Rassen, zum Beispiel die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) und "Meisterprüfungen".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.