14.06.2019 - 12:05 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Rennen ums Bürgermeisteramt

Viele Rathauschefs im Altlandkreis wollen zur Kommunalwahl wieder antreten. Gegenkandidaten halten sich bedeckt. Besonders spannend wird es in Moosbach.

Das war’s: Bürgermeister Hermann Ach macht die Tür zu und gibt mit der Kommunalwahl 2020 sein Amt auf. Wer in Moosbach den CSU-Mann beerbt, ist völlig offen.
von Dominik Konrad Kontakt Profil
Die meisten Bürgermeister wissen ein Dreivierteljahr vor der Kommunalwahl schon, ob sie wieder antreten.

In Moosbach alles auf Anfang

Hermann Ach wird aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Bürgermeisterkandidat in Moosbach antreten. Der Ödpielmannsberger war 2008 erstmals zum Bürgermeister gewählt worden und hatte seinen Posten 2014 mit einem Wahlergebnis von 71,87 Prozent verteidigt.

Ein möglicher Nachfolger des 48-jährigen CSU-Vertreters deutet sich noch nicht an. Laut CSU-Ortsvorsitzender Erika Sauer sind in ihrer Partei viele Personen im Gespräch. Erst im Dezember soll der Kandidat nominiert werden. Die UWG hat sich laut Johann Schnupfhagn auch noch nicht festgelegt, die SPD wird sich laut Karl Liebl erst im Herbst entscheiden. Auch Fritz Steinhilber von der FWU könnte die Mehrheit zu seinen Gunsten beeinflussen. Laut eigener Aussage überlegt der zweite Bürgermeister noch, will sich aber zu nichts drängen lassen. „Ich kann es mir schon vorstellen. Wenn ich kandidiere, dann mit Themen, die mich wirklich bewegen.“

Wer den Posten von Ach erbt, wird sich mit der Wasserversorgung der Marktgemeinde beschäftigen müssen: Für den Ortsteil Gaisheim muss eine Lösung her. Ein Anschluss wäre über Tröbes und dann an Moosbach möglich. Viele Einwohner von Tröbes sind aber dagegen, weil der Ortsteil kürzlich sehr viel Geld in eine eigene Wasserversorgung investiert hat. Im Gewerbegebiet Hammermühle hat es nur eine Ansiedelung gegeben, die pleite gegangen ist, und das Hotel Schieder in Saubersrieth drückt dem Ort einen Stempel auf, der nicht allen Anwohnern gefällt.

Das Streitthema Windkraft auf dem Bromberg ist zumindest nach dem Engagement der Bürgerinitiative Geschichte.

Bürgermeister Josef Beimler ist der erste Amtsträger im Altlandkreis, der die Kandidatur zur Kommunalwahl öffentlich machte.

Phänomen vom Fahrenberg

Josef Beimler tritt wieder an. Das verkündete er bereits bei der Jahreshauptversammlung der CSU Waldthurn im April.

Seit 2002 ist der Woppenriether Bürgermeister der Marktgemeinde. Bei der Wahl 2014 erzielte er das beste Ergebnis im Altlandkreis: 94,36 Prozent Zustimmung. Die Wahlbeteiligung war mit 77,01 Prozent die zweithöchste. Ein Gegenkandidat für die Kommunalwahl 2020 ist nicht in Sicht. Die Stellvertreter Roman Bauer (FWG) und Peter Reil (SPD) halten sich zurück. Einige wichtige Projekte der Wahlperiode waren die Dorferneuerung, der Breitbandausbau und das Gesundheitszentrum. Neuere Projekte sind die Sanierung des Lobkowitzschlosses, die energetische Sanierung des Pfarrheims und die Sanierung der Häuser am Marktplatz („Innen statt Außen“).

Bürgermeister Anton Kappl geht im Dezember 2016 vor Baubeginn ein letztes Mal die Pläne für das neue Gemeindezentrum durch.

Gemeindezentrum wichtigstes Projekt

Bürgermeister Anton Kappl hat mit einem Wahlergebnis von 63,63 Prozent bei seiner ersten Kandidatur 2014 und der höchsten Wahlbeteiligung im Altlandkreis einen Vertrauensvorschuss erhalten.

Der Berufssoldat aus Wieselrieth führt das Wirtshaus seiner Eltern weiter und hält für die Vereine eine Anlaufstelle bereit. Laut eigener Aussage wird der CSU-Vertreter „ohne Wenn und Aber“ wieder kandidieren. 2014 erzielte SPD-Kandidat Martin Reil 31,88 Prozent. Die Entscheidung, ob er antritt, fällt in den nächsten Wochen. Wichtigstes Projekt der Amtszeit Kappls ist das neue Gemeindezentrum. In diesem Zusammenhang steht auch die Frage, ob die Verwaltungsgemeinschaft Tännesberg/Leuchtenberg die Außenstelle wieder besetzen wird.

Ein weiterer Erfolg für den 48-Jährigen ist, die Marktgemeinde wieder mit ihrer Geschichte rund um die Herzoge von Leuchtenberg in Verbindung gebracht zu haben.

Reiner Gäbl ist seit 2002 Bürgermeister Eslarns.

Entscheiden ohne Mehrheit

Die Kommunalwahlen in Eslarn gehen seit vielen Jahren knapp aus. Reiner Gäbl ist seit 2002 Bürgermeister der Grenzgemeinde. Seine erste Wahl gewann der Sozialdemokrat mit einem Ergebnis von 51,77 Prozent, 2008 erzielte er einen Stimmenanteil von 62,71 Prozent und 2014 53,08 Prozent. Der 59-Jährige wird laut eigener Aussage wieder antreten, „wenn der Ortsverein mit meiner Kandidatur einverstanden ist“.

Gäbl deutet allerdings an, dass es bei einer weiteren Kandidatur bleiben wird. Er komme dann in ein Alter, in dem sich auch ein Arbeitnehmer mit dem Ruhestand beschäftigt. Die Vertreter der Freien Wähler haben noch nicht über eine Kandidatur entschieden. Laut CSU-Vorsitzendem Wolfgang Voit wird es auf jeden Fall einen Kandidaten seiner Partei geben.

Die SPD hat keine Mehrheit im Gemeinderat. Sie ist auf Stimmen der Freien Wähler oder der CSU angewiesen. Viele politische Entscheidungen werden diskutiert, auch in den sozialen Medien. CSU-Vorsitzender Wolfgang Voit hat kürzlich öffentlich die Äußerungen des Rathauschefs gegenüber seiner Partei als diffamierend kritisiert.

Die Eslarner bewegt die Straßenverengung der Schellenbachstraße, ebenfalls umstritten ist die Neugestaltung des Tillyplatzes, der Bau der Staatsstraße nach Waidhaus und besonders die Biogasanlage in Roßtränk und deren Erweiterung.

Vor rund eineinhalb Jahren trat Max Völkl der CSU bei. Bei der kommenden Bürgermeisterwahl wird er erstmals nicht mehr als überparteilicher Kandidat antreten.

Bienen, Blüten, Diskussionen

Bürgermeister Max Völkl ist seit 2008 im Amt und wurde 2014 mit 64,37 Prozent wiedergewählt. Seit rund eineinhalb Jahren ist der 52-jährige Mitglied der CSU. Er wird sich laut eigener Aussage wieder um das Amt als Bürgermeister bewerben.

Ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht, allerdings schloss SPD-Ortsvorsitzender Tobias Reichelt kürzlich in einem Interview eine Kandidatur für das Amt nicht aus. Laut FWG-Fraktionssprecher Wolfgang Nicklas wird sich seine Partei in Kürze äußern. Das wichtigste Projekt der Legislaturperiode ist das Thema Biodiversität. Tännesberg ist inzwischen Vorbild für zehn weitere bayerische Gemeinden und gibt Tipps zum Artenschutz. Weitere Themen der Wahlperiode sind etwa die energetische Sanierung der Schule und die bevorstehende Kindergartenerweiterung. Der fehlende Haushalt 2017, von dem auch Leuchtenberg betroffen war, beschäftigte die Marktgemeinde.

Die Diskussionen im Gemeinderat werden immer wieder scharf. So eskalierte eine Sitzung im April 2017 etwa damit, dass Nicklas im Streit um Baugenehmigungen vorzeitig die Sitzung verließ.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer prüft im April 2018 kritisch die Unterlagen zum mangelhaften Mobilfunk in Kaimling.

Krematorium weckt Engagement

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer ist seit 2008 im Amt. 2014 verteidigte der CSU-Politiker seinen Posten gegen SPD-Mann Heinrich Rewitzer mit 84,2 Prozent Zustimmung.

Fast ins Stolpern brachte den 61-Jährige Diplom-Agraringenieur die Debatte um ein mögliches Krematorium in der Pfalzgrafenstadt Anfang diesen Jahres: Hatte der Stadtrat noch mit wenig Widerstand dafür gestimmt, konnten viele Vohenstraußer dem Projekt nichts abgewinnen. Die Stadtoberen mussten zurückrudern. Wutzlhofer spricht inzwischen selbst davon, das Thema unterschätzt zu haben.

Ein kommunalpolitisches Engagement dieser Art war angesichts der mit Abstand geringsten Wahlbeteiligung 2014 im gesamten Altlandkreis auch nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Nur 62,61 Prozent der Wahlberechtigten wollten mitentscheiden, wer künftig im Rathaus den Ton angibt. In Georgenberg, der Kommune mit der zweitwenigsten Wahlbeteiligung, waren es rund 10 Prozent mehr (71,67 Prozent). Andreas Wutzlhofer steht laut eigener Aussage für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Allerdings muss darüber wie allerorts die Nominierungsversammlung der Parteimitglieder entscheiden, stellt Wutzlhofer klar. Der amtierende Vohenstraußer Bürgermeister macht die Fortsetzung seiner Arbeit auch von seiner Gesundheit abhängig und erinnert an seinen schweren Herzinfarkt 2013.

Bisher gibt es noch keinen Herausforderer für den Kandidaten der CSU. Rewitzer spekulierte kürzlich im Interview über einen überparteilichen Kandidaten. Laut Ortsvorsitzendem und Fraktionssprecher Martin Gleixner werden sich die Freien Wähler noch etwas Zeit lassen. Er vermutet, dass seine Partei wahrscheinlich keinen überparteilichen Kandidaten unterstützen wird. „Entweder haben wir einen eigenen Kandidaten, oder wir gehen komplett neutral ins Rennen.“

Bürgermeister Johann Maurer erzielte bei der Kommunalwahl 2014 das zweitbeste Ergebnis im Altlandkreis.

Wirt wankt

Johann Maurer ist seit 2002 Bürgermeister. Falls sich der 65-jährige Metzgermeister aus Neuenhammer entschließt, es noch einmal zu wagen, dürfte er gute Chancen auf die Wiederwahl haben: Der Land- und Gastwirt der Gaststätte „Hammerwirt“ erzielte in der einwohnerschwächsten Gemeinde des Altlandkreises 2014 mit 82,48 Prozent das zweitstärkste Ergebnis. Maurer möchte sich eine Kandidatur laut eigener Aussage noch einige Wochen überlegen und macht die Entscheidung auch davon abhängig, wie viel er für Georgenberg bewegen kann. Einige der wichtigsten Projekte der Legislaturperiode sind die Erschließung des Baugebiets Sandfeld, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Brünst und der bevorstehende Anbau ans Feuerwehrhaus Neuenhammer.

Über die Ausstattung der Feuerwehr wird leidenschaftlich diskutiert. So platzte zweitem Bürgermeister Johann Woppmann (CSU) im Gemeinderat im März 2018 der Kragen, als es um die Übernahme der Heizkosten ging. Einige Räte hatten in der Sitzung über Sparmöglichkeiten gesprochen.

Bürgermeister Rainer Rewitzer eröffnet im Januar 2019 die zweite Bürgerwerkstatt zu "Pleystein 2030". Der CSU-Vertreter möchte auch über 2020 hinaus die Zukunft Pleysteins gestalten.

Sorgenkind Freibad

Rainer Rewitzer ist seit Mai 2014 Bürgermeister von Pleystein. Der ehemalige Flussmeister will es auch 2020 wieder wissen und steht laut eigener Aussage als Kandidat zur Verfügung.

Bei seiner ersten Kandidatur erzielte Rewitzer das knappste Ergebnis aller CSU-Kandidaten: 58,33 Prozent. FWG-Herausforderer Hans Helgert holte 41,67 Prozent. Helgert hat inzwischen den Stadtrat verlassen und ist bei den Freien Wählern nicht mehr aktiv. Ein Gegenkandidat für den 47-Jährigen Rewitzer ist sowohl bei der SPD als auch bei der FWG nicht in Sicht.

Die wichtigsten Projekte der Legislaturperiode waren der Brückenbau in Burkhardsrieth und die Wasserversorgung mit Anschluss der Ortsteile. Nun beginnt die energetische Sanierung der Zottbachtal-Grundschule. Ein wichtiges Thema ist auch die behindertengerechte Toilette am Zimmerplatz. Wegen der Verschuldung der Stadt macht das Freibad Sorgen: Der finanzielle Rahmen ist eng, nur die nötigsten Arbeiten werden gemacht.

Bürgermeisterin Margit Kirzinger deutet auf das Ende eines Radwegs. Im Juni 2016 suchte sie nach einer Lösung, um dort Unfällen vorzubeugen.

Anfängerin bisher ohne Konkurrenz

Bürgermeisterin Margit Kirzinger verkündete in der Jahreshauptversammlung der Waidhauser SPD Anfang Mai, sich 2020 wieder zur Wahl zu stellen. Die Waidhauserin war 2014 erstmals mit einem Ergebnis von 56,32 Prozent Rathauschefin geworden.

In ihrer ersten Amtszeit hat die heute 63-Jährige die Sanierung des Feilerstodls angepackt und eine Gehwegverbindung nach Pfrentsch angestoßen. Außerdem kümmerte sie sich um den Ausbau der östlichen Ausfahrt aus dem Gewerbegebiet. Die Parallelstraße zur Ortsdurchfahrt gilt seither als „heimliche Umgehung“. Weitere Projekte waren die Trinkwasserversorgung, die Freizeitanlage Bäckeröd und die Sanierung des Dorfweihers in Hagendorf.

Eine Herausforderung der Wahlperiode ist der Autohof an der A6. Das wiederkehrende Verkehrschaos wegen viel zu vieler parkender Lastwagen beschäftigte schon Landes- und Bundespolitiker.

Im Waidhauser Gemeinderat sitzen mit fünf Wählergruppen beziehungsweise Parteien die meisten Vereinigungen im Altlandkreis. SPD-Bürgermeisterin Kirzinger hat nur fünf weitere Parteigenossen auf ihrer Seite. Dennoch fallen die meisten Abstimmungen einstimmig aus.

Ob zweiter Bürgermeister Markus Bauriedl (UWG) nach 2014 erneut kandidiert, entscheidet sich erst im Herbst. Für die CSU wird Stefan Harrer nicht mehr antreten. Nicole Hoch könnte sich als neue Vorsitzende der Grenzgemeinde als CSU-Kandidatin aufstellen lassen.

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