27.04.2021 - 10:54 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstrauß: 70-Prozent-Bürgermeister wäre am Mittwoch 80 geworden

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Obwohl er nicht lange im Amt war, hat sich Ernst Eichl einen großen Beliebtheitsgrad erarbeitet, der bis heute anhält. Er war der "Bürgermeister 70 Prozent" und der erste für die Vohenstraußer SPD.

Am 18. Juli 1986 präsentierte der damalige Bürgermeister Ernst Eichl (sitzend, Mitte) im kleinen Rathaussaal mit den Verantwortlichen des Heimatkundlichen Arbeitskreises den ersten Band der "Streifzüge".
von Elisabeth DobmayerProfil

Der ehemalige Bürgermeister Ernst Eichl, der allzu früh starb, hätte am Mittwoch 80. Geburtstag feiern können. Viele Wegbegleiter hätten wohl die besten Glückwünsche übermittelt. Wie sich Vohenstrauß unter dem SPD-Rathauschef Eichl entwickelt hätte? Eine Frage, auf die es nie eine Antwort geben wird.

Dem ersten „roten“ Bürgermeister der Stadt war keine lange Amtszeit vergönnt. 1984 gelang den Sozialdemokraten ein Riesenerfolg, Mit 70,65 Prozent der Stimmen ging Eichl aus der Kommunalwahl hervor und eroberte als erster sozialdemokratischer Rathauschef in der Geschichte der Pfalzgrafenstadt den Rathausstuhl. Als Stadträte seiner Partei zogen mit ihm Hans Dirscherl, Max Mittelmeier, Hans Hoch, Karl Pschibl, Andreas Bauer, Erich Völkl, Josef Burger und Ernst Schubert ins Rathaus ein.

Zentrales Thema im Wahlkampf

Erstmals wurden aus Vohenstrauß auch vier Vertreter der SPD in den Kreistag gewählt. Der SPD-Ortsverein wuchs auf 134 Mitglieder an – mit steigender Tendenz. Im Wahlkampf überredete Bürgermeisterkandidat Eichl seine Tochter Gabriele einmal, ihn zu einer Versammlung in die Gastwirtschaft Hammer, von deren Existenz sie ein paar Häuser unterhalb des katholischen Pfarrhofs gar nichts ahnte, zu begleiten. Bis dahin hatte sie sich kaum Gedanken über den Wahlkampf ihres Vaters gemacht. Vielmehr versuchte sie, wie übrigens auch Eichls Ehefrau Annemarie, ihm das Vorhaben auszureden. Ohne Manuskript stellte sich Ernst Eichl damals vor seine Gäste und sprach über allerlei Dinge, die ihm wichtig erschienen für eine erfolgreiche Stadtpolitik. Sein zentrales Thema im Wahlkampf war die Marktplatzsanierung. Eichl besaß ein großes Redetalent und wurde von seinen Genossen bejubelt.

Als Berichterstatter war er in seiner Freizeit für die "Oberpfälzer Nachrichten" unterwegs. Dann kam der Abend des Triumphs, und Eichl wurde mit bemerkenswerter Unterstützung aus der Bevölkerung auf den Rathausthron gehievt. In den folgenden drei Monaten arbeitete er im Rathaus, nur wenige Schritte von seinem ehemaligen Arbeitsplatz im Notariat entfernt. Dort war er bis zu seiner Wahl als Notariatsoberinspektor tätig.

Vohenstraußer Bürgermeister seit 1096

Dann trat ein, was zuerst niemand glauben wollte. Eichl war Ende Juli nach einer Bauausschuss-Sitzung im Rathaus zusammengebrochen. Zunächst hatte man ihn mit der Diagnose "Hitzschlag" ins Vohenstraußer Krankenhaus gebracht, bevor man ihn am nächsten Tag nach Erlangen flog. Die Diagnose lautete: Aneurysma-Blutung. Zwar operabel, aber nicht sofort. Es begann ein monatelanges Auf und Ab mit langen Krankenhausaufenthalten. Zweimal wurde Eichl mehrere Stunden lang operiert. Die erste Operation überstand er ohne Folgeschäden, jedoch war das Aneurysma nicht ausgeschaltet.

Operation hinterlässt Spuren

Die zweite Operation verlief dann zwar erfolgreich, hinterließ jedoch Spuren. Eichl konnte nicht mehr so sprechen wie er wollte. Es war wohl eine grauenhafte Zeit für den Mann, dessen Worte zuvor sehr gewählt und ausdrucksstark hervorsprudelten. Zwar versuchte Eichl noch ein paar Mal, wieder in sein Bürgermeisteramt zurückzukehren, doch es klappte beim besten Willen nicht. Für den Sozialdemokraten eine fürchterliche Erfahrung, die für ihn wohl ein unvorstellbares Martyrium bedeutete. Am 29. Dezember 1987 starb Ernst Eichl so plötzlich, wie er krank geworden war. Eines Abends standen seine zwei Dackel allein vor der Haustür. Seine Ehefrau Annemarie und Tochter Gabriele waren alarmiert, und als sie den üblichen Spazierweg entlangfuhren, fanden sie ihn im feuchten Gras liegen.

Die Bürgermeister-Ära Eichl endete viel zu früh. Der Politiker konnte sich nicht einmal in seinem Amt beweisen. Am Mittwoch wäre er 80 Jahre alt geworden. Er, der seine Annemarie, eine geborene Busl aus Lohma 1962 heiratete. Seine Kinder Gabriele und Johannes werden sich immer gerne an die Eltern erinnern, die sich in Straßenhäuser 1972 ein Haus bauten. Enkelin Franka, die 2000 geboren wurde, durfte ihren Opa Ernst Eichl nicht mehr kennenlernen. Bestimmt hätte er seiner Enkelin viel zu erzählen ...

Am Wahlabend 1984 gratulierte der damalige Oberamtsrat Johann Frischolz Ernst Eichl (rechts) zum Sieg.
Ernst Eichl starb im Alter von nur 46 Jahren. Am Mittwoch wäre er 80 geworden.
Zur Person:

Ernst Eichl

  • Geboren am 28. April 1941
  • 1962 Hochzeit mit Annemarie Busl
  • 1984 mit 70,65 Prozent zum ersten SPD-Bürgermeister von Vohenstrauß gewählt
  • Gestorben am 29. Dezember 1987

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