14.09.2021 - 11:59 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Grundschule erhält teure Lüftungsanlagen

Die Stadt Vohenstrauß geht in Sachen Raumbelüftung in Klassenzimmern einen Sonderweg. Der ist zwar teuer, aber nachhaltig. Anstelle von mobilen Luftreinigern setzt die Kommune auf dezentrale, fest installierte Be- und Entlüftungsanlagen.

Die Grundschule Vohenstrauß bekommt 16 fest installierte Lüftungsanlagen. Das erste Gerät ist an der Decke bereits montiert. Hausmeister Thomas Beierl, Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Schulleiterin Beate Vetterl, Installateur Gerhard Völkl, Bauamtsleiter Markus Wildenauer und Außendienstleister Karl Frey begutachten die Anlage.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die Schule hat wieder begonnen, und die Coronapandemie ist immer noch ein Thema bei Schüler, Eltern und Lehrern. Die vierte Welle schlägt derzeit vor allem unter den Ungeimpften zu. Erneute Schulschließungen, so versprechen es die verantwortlichen Politiker, sollen unbedingt vermieden werden. Auch in Vohenstrauß hat sich der Stadtrat Gedanken gemacht, wie ein schlüssiges und vor allem nachhaltiges Lüftungskonzept für die Schulen aussehen könnte. Die Kommune hat sich gegen mobile Luftfilter entschieden und greift stattdessen für den Einbau von dezentralen Be- und Entlüftungsanlagen in der Grundschule etwas tiefer in den Stadtsäckel.

Bei einer Besichtigung konnte sich Bürgermeister Andreas Wutzlhofer am Montag ein Bild davon machen, wie das erste von zwei Testgeräten in der Grundschule funktioniert. Zusammen mit Schulleiterin Beate Vetterl, Bauamtsleiter Markus Wildenauer, Außendienstleiter Karl Frey und Hausmeister Thomas Beierl hörte er sich die von Heizungs- und Klima-Installateur Gerhard Völkl vorgetragenen, technischen Daten an. Bei einer maximalen Kapazität von 725 Kubikmetern pro Stunde liefere das Gerät ausreichend Frischluft für maximal 28 Personen im Raum. Die frische Luft wird über ein Lüftungsrohr von außen angesaugt, in einem zweiten Rohr wird die verbrauchte Luft abgeführt. Über einen Wärmetauscher wird die Wärme an die Frischluft abgegeben. "Wenn wir die Fenster öffnen, ist die Wärme weg. Bei einer 90-prozentigen Rückgewinnung bleibt es im Raum warm", ergänzt Wutzlhofer. Das automatische Zeitprogramm läuft von 7 bis 14 Uhr. Über Kohlendioxid-Fühler reagiert das Gerät stufenlos auf eine höhere Konzentration des Gases in der Luft mit stärkerer Leistung.

Niedriger Geräuschpegel

Im Hintergrund lief das an der Decke montierte Lüftungsgerät auf vollen Touren - zu hören war davon aber fast nichts. Ganz im Gegenteil zu vielen mobilen Luftreinigungsgeräten, wie der Bürgermeister aus eigener Erfahrung berichtete: "Wir hatten so ein mobiles Gerät für einen Test bei einer Stadtratssitzung im großen Rathaussaal stehen. Wir mussten es nach einer gewissen Zeit abschalten, weil es so laut war." Bei den stationären RLT-Anlagen hält sich der Geräuschpegel in Grenzen. Bei voller Leistung ist mit Betriebsgeräuschen von 35 Dezibel zu rechnen.

Wutzlhofer und der gesamte Stadtrat wollten das Thema Raumklima in den Klassenzimmern angesichts der anhaltenden Pandemie langfristig und vor allem nachhaltig lösen. Das Förderprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle kam gerade zur rechten Zeit: Bei einem Zuschuss von 80 Prozent lohnten sich Überlegungen, stationäre RLT (Raumlufttechnische)-Anlagen einzubauen, die laut Ministerium im Hinblick auf die Pandemiebekämpfung Kinder so gut wie möglich schützen. Dem Bürgermeister war es wichtig, "dass die Kinder in den kalten Monaten nicht wieder alle paar Minuten die Fenster aufreißen müssen und dann in Anoraks im Klassenzimmer sitzen". Mit den mobilen Luftreinigern sei seiner Meinung nach das Hauptproblem nicht gelöst: "Es fehlt dann nach wie vor die Frischluft im Raum."

Einbau wird Unterricht nicht stören

Die Kosten für RLT-Anlagen befinden sich laut Kämmerer Rainer Dötsch in ganz anderen Dimensionen als das Investitionsvolumen bei mobilen Luftreinigungsgeräten. Die Kommune beantragte Fördermittel für 16 Klassenzimmer. Von den Gesamtkosten (mit Einbau) von rund 350 000 Euro zahlt der Bund 280 000 Euro. Nachdem die Testphase laut Schulleiterin Beate Vetterl sehr gut lief, werde nun die Ausschreibung gestartet. "Es ist unser Plan, bis zu den Wintermonaten mit dem Einbau der Geräte fertig zu sein", erklärte Wutzlhofer. Lieferengpässe müssten aber angesichts der großen Nachfrage deutschlandweit wohl eingeplant werden. Außendienstleiter Karl Frey meinte, dass der Unterricht nicht unter in der rund dreitägigen Einbauphase leiden werde.

Schulleiterin Beate Vetterl wusste das Engagement der Stadt Vohenstrauß sehr zu schätzen. Sie bedankte sich ausdrücklich für die Investition: "Das ist nicht selbstverständlich, dass die Stadt so einen großen finanziellen Aufwand für die Schule betreibt." Die Lüftungsanlagen würden den Schülern und Lehrern extreme Vorteile bieten: "Die Geräte sind ja leiser als der Beamer." Die Rektorin werde die Eltern in den nächsten Tagen in einem Brief über die Neuheit beim Kampf um einen möglichst geregelten Unterricht informieren.

Stadtrat stimmt für dezentrale Lüftungsanlagen

Vohenstrauß
Weiden in der Oberpfalz

Förderprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

Hintergrund:

Förderung von stationären raumlufttechnischen Anlagen

  • Seit dem 20. Oktober 2020 fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Maßnahmen an bestehenden stationären raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten.
  • Am 2. April 2021 ist die erste Novelle der Bundesförderung Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von stationären raumlufttechnischen Anlagen in Kraft getreten. Seitdem die zweite Novelle zum 11. Juni in Kraft getreten ist, wird der Neueinbau stationärer RLT-Anlagen in Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren gefördert.
  • Mit Wirkung zum 10. September 2021 ist die dritte Novelle des Förderprogramms in Kraft getreten. Dadurch wird das Förderprogramm um die Beschaffung und den Einbau von Zu-/Abluftventilatoren in Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren erweitert. Ab dem 10. September 2021 können entsprechende Anträge gestellt werden.
  • Antragsberechtigt sind Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren und deren öffentliche und private Träger.
  • Gefördert werden die Investitionsausgaben sowie die Ausgaben für Planung und Montage in Höhe von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Die maximale Förderung zum Neueinbau stationärer RLT-Anlagen und zur Beschaffung und zum Einbau von Zu-/Abluftventilatoren beträgt in Summe 500.000 Euro pro Standort.

 

 

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