Vohenstrauß
13.08.2020 - 12:42 Uhr

Wunderschöne Blühflächen erfreuen in der Großgemeinde

Was die einen freut, lässt die anderen nachfragen, warum denn in der Kommune "so komisch gemäht wird". Stellvertretender Außendienstleiter Martin Reil gibt dazu Auskunft.

Der Faszination einer blühenden Sommerwiese können wir uns kaum entziehen. Die kräftigen Farben leuchten von Weitem entgegen. An der Wernberger Straße werden die Passanten gleich mit einem bunten und leuchtenden Blumengruß beim Einbiegen in die Pfalzgrafenstadt willkommen geheißen. Bild: dob
Der Faszination einer blühenden Sommerwiese können wir uns kaum entziehen. Die kräftigen Farben leuchten von Weitem entgegen. An der Wernberger Straße werden die Passanten gleich mit einem bunten und leuchtenden Blumengruß beim Einbiegen in die Pfalzgrafenstadt willkommen geheißen.

Wildblumenwiesen sind nicht nur ein himmlischer Anblick. Sie bieten auch einen idealen Lebensraum für Insekten und Vögel. Die Stadt ist seit einigen Jahren bemüht, solche typischen Flächen, die im Sommer in einer kunterbunten Vielfalt erblühen, aus Gräsern, Wildkräutern und Blumen wie Klee, Hahnenfuß, Korn- und Mohnblumen, Margeriten oder Acker-Witwenblumen stehen zu lassen und nicht abzumähen.

Stellvertretender Außendienstleiter Martin Reil, der selbst auf dem großen Mähfahrzeug der Stadt sitzt und Feldraine und städtische Flächen mäht, ist ständig auf der Hut, derartige Wiesen und Blühflächen stehen zu lassen. Auch wenn er dafür nicht immer nur Lob erntet. Immer wieder wird gefragt, warum er den „so komisch mähe“, erzählt Reil. Mittlerweile stellt er Tafeln auf, um damit anzuzeigen, dass es sich hier um den Lebensraum für Insekten handelt. Zusätzlich auch hie und da ein Schild, dass auf derartigen Flächen auch Hundekot nichts verloren hat.

Lob für Konzept

Doch es gibt auch viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Erst kürzlich meldete sich Heidi Sollfrank ganz begeistert bei Oberpfalz-Medien, um auf „einen Ranger“ in Richtung Neumühle aufmerksam zu machen, an dem wunderschöne Lupinen blühten und sich die städtischen Mitarbeiter sogar die Mühe machten, um dieses Blumenareal herum zu mähen. „Dafür gehören die Leute auch einmal gelobt“, meinte die Altenstädterin.

Mehr Blumenwiesen für Insekten

Freilich ergeben sich daraus auch immer wieder wechselseitige Mäh-Rhythmen an den Straßenzügen, die manche Leute nicht verstehen wollen oder gar irritieren, informierte Reil. Während zum Beispiel eine Straßenseite schon verblüht hat und deswegen gekürzt wird, stehe oft auf der gegenüberliegenden noch ein reicher Blühflor, der dann eben stehen bleibt. Das Mähwerk wird auch angehoben, wenn zum Beispiel eine einzelne Blume den Wegrand ziert. „Diese Arbeit mache ich mir gerne, wenn es der Schönheit und den Insekten dient“, erzählt der städtische Mitarbeiter freimütig. Noch einen Nutzen erkennt Reil in seinem Tun: „Werden vielleicht die einen oder anderen Wildbienen durch das Mähen aufgescheucht, dann können sie sich gleich nebenan auf dem Blühflecken wieder niederlassen.“

Warum uns der Anblick blühender Wildblumen so begeistert? Eine mögliche Erklärung liefert Philipp Otto Runge (177-1810): „Die Freude, die wir an den Blumen haben, das ist noch ordentlich vom Paradiese her“, so schrieb der Maler der Romantik. Tatsächlich erscheinen uns Blumenwiesen in ihrer heiteren Buntheit als geradezu himmlische Landschaften. Dabei sind es ausgerechnet diese oft so verschwenderisch vielfältigen Naturflächen gewöhnt, mit Mangel und Einschränkung zurechtzukommen. Bei den Magerwiesen mit ihrem kunterbunten frühsommerlichen Blütenflor ist es der nährstoffarme Boden, bei Trockenwiesen die geringe, bei Feuchtwiesen die sehr große Feuchtigkeit.

Insekten brauchen Nahrung

Während gedüngte Futterwiesen kaum mehr als 10 bis 20 Pflanzenarten aufweisen, sind es auf alten, ungedüngten Wildblumenwiesen und -weiden bis zu 100 und mehr. Kein Wunder, dass diese Flächen auch Heimstatt für ein Vielfaches an Insekten, Vögeln oder Nagetieren sind. Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Ohne Wildblumen bleiben bald genauso die Insekten aus und mit ihnen die Befruchtung von Nutzpflanzen. Eine Art lebendiger Landschaftsschutz sind die Vielfaltswiesen noch dazu. Sie sind so dicht und tief bewurzelt, dass Erosion keine Chance hat und Wasser bestens gespeichert und gefiltert wird.

Aus all diesen Gründen steigt die Wertschätzung für traditionelle Blumenwiesen wieder. Hinter jeder Blumenwiese steht deshalb auch ein städtischer Mitarbeiter, der die Pflege für diese Kleinode übernimmt und achtsam damit umgeht und sich um deren Vielfalt kümmert. Diese Blütenteppiche haben es verdient erhalten zu werden. Deswegen sollten auch Blumenfreunde darauf verzichten, solche Blumen zu pflücken. Lieber mit den Augen genießen und sich im Herzen erfreuen. Bis weit in den Herbst hinein leuchten die abwechslungsreichen Blumenwiesen den Passanten mit ihrem zarten oder kräftigen Blühmix der einfach Freude bereitet und regelrecht mit dem Sommer um die Wette flirtet voller Duft und Farbenglut entgegen.

Solche Tafeln werden an den Blühflächen zur Information aufgestellt. Bild: dob
Solche Tafeln werden an den Blühflächen zur Information aufgestellt.
Wunderschöner idyllischer Anblick der Simultankirche in Altenstadt mit blühender Sommerwiese im Vordergrund. Bild: dob
Wunderschöner idyllischer Anblick der Simultankirche in Altenstadt mit blühender Sommerwiese im Vordergrund.
Die rote Mohnblume inmitten des gelb-dunkelroten Blumenfeldes. Bild: dob
Die rote Mohnblume inmitten des gelb-dunkelroten Blumenfeldes.
Dieses Verbotsschild soll die Hundebesitzer darauf aufmerksam machen, ihre Vierbeiner nicht einfach zum Häufchen machen in die Blühfläche laufen zu lassen. Bild: dob
Dieses Verbotsschild soll die Hundebesitzer darauf aufmerksam machen, ihre Vierbeiner nicht einfach zum Häufchen machen in die Blühfläche laufen zu lassen.
Den ganzen Sommer über sind die städtischen Mähfahrzeuge in der Großgemeinde unterwegs. Gemäht wird aber behutsam und mit Bedacht. Bild: dob
Den ganzen Sommer über sind die städtischen Mähfahrzeuge in der Großgemeinde unterwegs. Gemäht wird aber behutsam und mit Bedacht.
Im Vordergrund plätschert der Dorfbrunnen am Anger in Altenstadt, dahinter blühen die Blumen der angesäten Blühwiese. Ein echter Hingucker! Bild: dob
Im Vordergrund plätschert der Dorfbrunnen am Anger in Altenstadt, dahinter blühen die Blumen der angesäten Blühwiese. Ein echter Hingucker!
 
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