28.09.2021 - 10:03 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Schöpfungstag in Wackersdorf: Professor fordert Widerstand wie einst am WAA-Zaun

Eine "tiefgreifende ökologische Transformation": Nicht weniger fordert Manfred Miosga beim Diözesan-Schöpfungstag in Wackersdorf. Der Menschheit bleibe wenig Zeit zur Umkehr.

Dekan Hans Amann (links) und die Organisatorin des Schöpfungstages, Beate Eichinger (Mitte), überreichten Professor Dr. Manfred Miosga (rechts) eine Ausgabe der "Regensburger Sonntagsbibel".
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Manfred Miosga teilt sich ein Elektroauto mit anderen, isst kein Fleisch und wohnt bescheiden. Der Uni-Professor aus Bayreuth hat seinen Lebensstil radikal verändert und ermuntert zur Nachahmung. Der Menschheit bleibe nur noch wenig Zeit zur Umkehr. Manfred Miosga forderte beim Diözesan-Schöpfungstag in Wackersdorf „eine tiefgreifende ökologische Transformation“. Keine politische Partei habe dafür aber ein Konzept, so Diplom-Geograph.

Deshalb ruft er zum Widerstand auf der Straße auf, so wie einst am Wackersdorfer WAA-Bauzaun. „Das Leben darf nicht länger auf technischem Fortschritt basieren“, erklärt der Wissenschaftler den 170 Teilnehmern am Schöpfungstag. Der Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth rät zu einer Wende bei der Mobilität, der Energie und beim Konsum. Doch er vermisst bislang die Bereitschaft dazu. Das Gründungsmitglied der Kommunalberatung „Klimakom“ rechnet in diesem Jahr mit einem Ausstoß von Treibhausgasen in Rekordhöhe. Ihm ist klar: „Wir geben die Hypothek der Erderwärmung an die nächsten Generationen weiter“. Mit dem Ergebnis, „dass der Meeresspiegel steigt, weite Teile der Erde unbewohnbar werden und Trinkwasser knapp wird“. Der Vorsitzende der Akademie für ländlichen Raum verweist auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung gegen Grundrechte verstoße.

Schneller Ausstieg nötig

Manfred Miosga ist sich bewusst: „Wir werden uns von liebgewordenen Gewohnheiten trennen müssen“. Er fordert den „schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kohle und die rasche Umstellung auf erneuerbare Energien“. Im Veränderungsprozess sieht er Chancen für eine neue Lebensgestaltung. Wenn die Transformation „sozial gerecht“ verlaufe, werde sie den Zusammenhalt der Gesellschaft stärken, ist der Wissenschaftler überzeugt.

Nach dem Impulsreferat teilten sich die Teilnehmer auf, wanderten durch das Charlottenhofer Weihergebiet und besuchten den Erlebnispark „Wasser – Fisch – Natur“. Die größte Gruppe traf sich am Franziskusmarterl im Taxöldener Forst und tauschte Erinnerungen an den WAA-Widerstand aus. Um die Wackersdorfer Braunkohlen-Vergangenheit ging es bei der Filmbesprechung „Erben des Tertiär“ mit Bürgermeister Thomas Falter und dem Fotojournalisten Gerhard Götz.

Am Anfang belächelt

Es war die 17. Auflage des Schöpfungstages im Bistum Regensburg. „Als wir damit anfingen, sind wir selbst in den eigenen Reihen als Öko-Fuzzis belächelt worden“, erinnert sich Domkapitular Thomas Pinzer. Heute stehe der Klimaschutz ganz oben auf der Agenda der katholischen Kirche, so der Leiter der Hauptabteilung „Seelsorge“ im Bistum. Für Dekan Hans Amann ist der Ressourcenschutz Teil der Verkündigung des Evangeliums. „Wir alle sind angehalten, unseren Lebensstil zu hinterfragen“, machte der Schwandorfer Stadtpfarrer deutlich. Die Pfarreien seien aufgefordert, ihre Immobilien ökologisch zu betreiben. „Gebt uns die Kohle ohne Widerstand“: In einem Blues griff Liedermacher Hubert Treml das Thema des Schöpfungstages „Kohle, Widerstand und Badestrand“ auf.

Buchprojekt zum WAA-Widerstand

Schwandorf

„Wir geben die Hypothek der Erderwärmung an die nächsten Generationen weiter“.

Manfred Mioska, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth

 

 

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