14.05.2019 - 16:04 Uhr
WaidhausOberpfalz

Bundespolizei stoppt illegalen Tiertransport bei Waidhaus

Fahnder der Bundespolizei Waidhaus haben in der Nacht zu Montag einen illegalen Tiertransport auf der A 6 gestoppt. Hundewelpen, Singvögel, sogar ein Affe - etwa 320 Tiere waren in Käfige eingepfercht. Die Fahrer erhielten mehrere Anzeigen.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

Die Liste der aufgegriffenen Tiere scheint endlos. Darunter sind 27 Hundewelpen (Möpse, Dackel, Französische Bulldoggen, ein Boxer, Chow-Chows und Mischlinge), 250 Zierfinken, sechs afrikanische Opalracken-Vögel, jeweils vier Schwäne und Graugänse, drei Weißwedelhirsche, ein Nashornvogel und ein kleines Liszt-Äffchen. „Die Tiere waren in Käfigen oder total dunklen Kisten untergebracht. Jeder Zentimeter des Kastenwagens war bis unters Dach ausgefüllt“, sagt Franz Völkl, Sprecher der Bundespolizei in Waidhaus. Das Äffchen passte wohl nicht mehr in den Laderaum: Es war zwischen den Füßen des Beifahrers untergebracht.

Die Tiere seien weder gefüttert, noch getränkt worden, und die Belüftung im Fahrzeug sei unzureichend gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Die Hundewelpen sind erst wenige Wochen alt – zu jung, um von ihrer Mutter getrennt zu sein und zu jung für eine Impfung. „Die Hunde hätten auf keinen Fall zusammen mit den anderen Tieren transportiert werden dürfen, da es sich um Fressfeinde handelt. Wenn die Weißwedelhirsche die Hunde riechen, können sie in ihren Transportkisten in Panik verfallen“, erklärte Andreas Brucker vom Deutschen Tierschutzbund, der die Unterbringung der Tiere koordinierte. Der Nashornvogel und das Äffchen gehören zur höchsten Tierschutzkategorie. Somit handelt es sich bei deren Transport um eine Straftat. Die Tiere sind nun Beweismittel. Betroffen sind laut Veterinäramt das Tierschutzrecht, der Artenschutz und das Tierschutzseuchengesetz.

"Mindestens einige Zehntausend Euro"

Die beiden Fahrer, ein 23- und ein 53-jähriger Belgier, waren sich laut Völkl „keiner Schuld bewusst“. Sie gaben an, die Tiere als Händler in Budapest gekauft zu haben, um sie nach Antwerpen zu bringen – eine Strecke von rund 1400 Kilometern. Ziemlich genau die Hälfte der Strecke hatte der Transporter bis Waidhaus schon zurückgelegt. Die Fahrt dürfte dorthin dürfte etwa sieben Stunden gedauert haben. Papiere für die Tiere hatten die Belgier nicht vorzuweisen. Sie bekamen Anzeigen wegen verschiedener Ordnungswidrigkeiten und Straftaten und reisten weiter Richtung Antwerpen.

Das Veterinäramt beschlagnahmte sämtliche Tiere. Da Seuchengefahr drohte, wurden die Welpen und die kleinen Vögel in die Quarantänestationen des Tierheims in Wunsiedel gebracht. „Wir werden die Welpen im Alter von zwölf Wochen gegen Tollwut impfen. Danach müssen sie noch für drei Wochen in Quarantäne bleiben“, so Tierheim-Leiterin Manuela Marth. Sie schätzt die Chancen, die Welpen zu vermitteln als „sehr gut“ ein. Die Opalracken könne das Tierheim allerdings dauerhaft nicht artgerecht unterbringen und auch, was mit den 250 Finken geschehe, müssen man erst noch sehen. Landratsamts-Sprecherin Claudia Prößl schätzt, es werde „auf jeden Fall mehrere Monate dauern, bis alle Tiere endgültig untergebracht und vermittelt sind“. Wie schnell dies gehe, hänge auch von der endgültigen Identifizierung und Kategorisierung der jeweiligen Art und der Schutzkategorie ab. „Je nachdem kommen Auffangstationen oder eventuell Zoos infrage.“ Der Nashornvogel, die Weißwedelhirsche und das Äffchen holte eine Auffangstation aus München ab. Bei einem Tierschutzverein in Nürnberg kamen die Graugänse und Schwäne unter.

Die Versorgungskosten der Tiere (Quarantäne, tierärztliche Versorgung und Impfung) bleiben laut Landratsamt vermutlich am Landkreis und damit am Steuerzahler hängen, denn zuständig dafür ist die anordnende Behörde. „Der Gesamtbetrag wird wohl bei mindestens einigen Zehntausend Euro liegen, wenn nicht noch höher“, schätzt Prößl (siehe Kasten). Das Landratsamt appelliert an Tierfreunde, keinesfalls Tiere aus dem Internet, Welpen aus unklarer Quelle oder gar direkt aus dem Kofferraum zu kaufen.

Info:

Beim Landratsamt rechnet man mit „mindestens einigen Zehntausend Euro“ für die Versorgung der Tiere. 2017 musste der Landkreis laut Claudia Prößl 40.771,27 Euro für illegale Tiertransporte berappen, 2018 seien keine Kosten entstanden. Im aktuellen Jahr seien bereits 30.657,59 Euro für den Aufgriff eines Tiertransportes Ende Dezember 2018 ausgegeben worden. Größere Rechnungen stünden jedoch noch aus. „Rechnungen kommen zum Teil erst Monate nach dem Aufgriff, abhängig vom Alter der Welpen und damit der Verweildauer“, so Prößl.

Da sich die Anzahl von Aufgriffen nicht voraussehen lasse, sei es schwer zu sagen, ob der Landkreis günstiger wegkäme, wenn er eine eigene Quarantänestation im Tierheim Weiden hätte. „Es könnten genauso sechs Monate Leerstand vorkommen wie Überlauf. Bis jetzt wurden Kapazitäten immer zeitnah vom Deutschen Tierschutzbund ermittelt und der Transport dorthin organisiert“, so Prößl. „Man zahlt also nur das, was man in Anspruch nimmt (auch tierärztliche Betreuung und extra Tierheimpersonal für Transport und Quarantänebetrieb). Den aktuellen Fall hätte auch eine kleine Quarantänestation in Weiden nicht aufnehmen können und die Exoten sowieso nicht.“

Im Juni 2017 stellte das Tierheim Nürnberg der Stadt Weiden eine Rechnung über eine Viertelmillion Euro für die fünfmonatige Versorgung von 79 Welpen aus. Drei Jahre zuvor war die städtische Amtstierärztin zu dem illegalen Tiertransport auf der A 6 gerufen worden. Sie hatte die Unterbringung der Tiere in Nürnberg angeordnet.

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Die Viertelmillion-Euro-Welpen

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