Waidhaus
30.03.2022 - 15:37 Uhr
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Als das erste russische Gas über Waidhaus nach Deutschland kam

Das erste russische Erdgas für Deutschland strömte bei Waidhaus über die Grenze. Lange Zeit haben sich die damit verbundenen Hoffnungen auf Frieden und auf günstige sowie verlässliche Energielieferungen bestätigt. Bis zu diesem Jahr.

Megal Verdichterstation Rothenstadt. Bild: Gabi Schönberger
Megal Verdichterstation Rothenstadt.

Der Tag, als zum ersten Mal Erdgas aus Russland durch die neue Pipeline in der Oberpfalz ankam liegt, knapp ein halbes Jahrhundert zurück. Am 1. Oktober 1973 drückten in Waidhaus der Vorstandsvorsitzende der Ruhrgas AG, Herbert Schelberger, zusammen mit dem Minister für die Gasindustrie in der Sowjetunion, Sabit Ataevich Orudzhev, Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs (FDP) und dem bayerischen Wirtschaftsminister Anton Jaumann (CSU) den Startknopf. Dann strömte das erste Gas aus der Transitleitung durch die Tschechoslowakei nach Deutschland. Die Leitung war die erste einer Reihe von Pipelines für Gas und Öl, die im Laufe der Jahre von Ost nach West entstanden. Nach einer Anlaufphase sollte die jährlich Liefermenge des zunächst aus der Ukraine, später aus Sibirien kommenden Erdgases über Waidhaus (Landkreis Neustadt/WN) sieben Milliarden Kubikmeter betragen. Insgesamt sollten binnen 20 Jahren 120 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die damalige Bundesrepublik geliefert werden.

Sowjetisches Versprechen auf Frieden

Der sowjetische Minister sprach bei der Feier mit rund 250 Gästen, an der damals deutsch-tschechoslowakischen Grenze, von einer "großen Perspektive für eine beiderseits günstige Zusammenarbeit unserer Völker und auch zur Festigung des Friedens in Europa". Sowohl um den Frieden als auch um die Zusammenarbeit der Völker ist es derzeit schlecht bestellt in Europa – und das liegt an dem Staat, der sich als Nachfolger der Sowjetunion versteht: dem heutigen Russland. Der Bau der Gas-Pipeline war Teil des deutsch-sowjetischen Röhren-Erdgas-Geschäfts. Deutsche Unternehmen lieferten rund 1,2 Millionen Tonnen Großröhren. Die Sowjetunion lieferte im Gegenzug Erdgas. Der Milliarden schwere Vertrag war am 1. Februar 1970 zwischen westdeutsche Firmen und Banken mit der Sowjetregierung geschlossen worden – im Hotel Kaiserhof in Essen. Der Kredit für die Sowjetunion wurde zur Hälfte mit Hermes-Garantien abgesichert. Schon am 6. Juli 1970 war in Mülheim an der Ruhr das erste "Mannesmann-Rohr" auf die Reise nach Osten geschickt worden.

Von Waidhaus nach Österreich und Frankreich

Heute führt die Mittel-Europäische Gasleitung (Megal) von Waidhaus zur Verdichterstation in Rothenstadt bei Weiden. Von hier zweigt eine Leitung nach Österreich ab, der andere Teil geht nach Frankreich. Für die rund 6000 Kilometer bis nach Waidhaus benötigt das russische Erdgas etwa zehn Tage Ruhrgaschef Schelberger hatte schon im Jahr 1973 in Waidhaus verkündet, sein Unternehmen wolle mit der Sowjetunion einen Vertrag über die doppelte Menge Erdgas und mit einer Laufzeit von 50 Jahren schließen. Dabei ist es nicht geblieben. Inzwischen kommt mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus Russland. Es ist das eingetreten, wovor viele amerikanische Präsidenten gewarnt haben. Zuletzt mahnte US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel am 23. Juli 2018 in Brüssel: "Deutschland ist für mich ein Gefangener Russlands, weil es so viel Energie aus Russland bezieht. Ich halte das für sehr unangebracht." Trump wollte damals vor allem das Pipeline-Projekt Nord-Stream 2 stoppen. Dieses hat sich wegen des Krieges erledigt.

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Rothenstadt/Weiden in der Oberpfalz08.03.2022
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