Reichenau/Nove Domky. (fjo) Mehr als 40 Personen waren der Einladung des tschechischen Vereins Omnium Z. S. gefolgt, und so fanden sich Deutsche, Tschechen und Nachgeborene mit Wurzeln nach St. Katharina, Brand, Roßhaupt und Neuhäusl an der Kirchenruine Mariä Heimsuchung ein, um mit einem Gottesdienst die begonnene Renovierung zu würdigen. Beim Arbeitseinsatz im Grenzgebiet kamen viele Helfer zusammen: Schüler, Eritreer und die "Waidhauser Brigade". Mit Motorsäge und Spachteln ging es gegen Unrat in Gemäuern, an Gräbern und vor allem im Umfeld der Ruinen.
Der Reichenauer Johann Kaas hatte mit seinem bereits verstorbenen Freund Johann Schön den Friedhof schon regelmäßig gepflegt und in einem sehr guten Zustand durch die Zeiten gebracht. Die Schüler der 9. Klasse der Mittelschule Pleystein setzten noch eins drauf und traten mit ihrer Lehrerin Claudia Sörgel zum Dienst an. Sie säuberten den Friedhof von Unrat und Unkraut und reinigten mit Spachteln die alten Grabsteine von Moos und Flechten. Die jungen Leute waren mit Begeisterung und guter Laune am Werk und erfuhren nebenbei noch historisch Interessantes.
Auch aus der Grenzgemeinde kamen Helfer: Neben Kaas gehörten der von Pfarrer Georg Hartl initierten „Waidhauser Brigade“ auch Josef Schmidt, Karl-Heinz Zintl, Johann Klug, Gerhard Wagner, Ludwig Grötsch, Heimatkundler Karl Ochantel und Siegfried Zeug an. Außerdem halfen Nachkömmlinge ehemaliger Bewohner der verfallenen Orte mit. Darunter auch stellvertretende Ortsbetreuerin Emma Weber aus Lohma. Sogar ein junges Ehepaar aus Prag kam zur Hilfe. Die Leitung der Arbeiten hatten Magistra Barbora Vetrovska und Jakob Ded.
Die Organisation oblag der sudetendeutschen Heimatpflegerin Zuzana Finger aus Kirchseeon. Die vielen Helfer rodeten ein breites Umfeld der Kirche. Besonderes Lob verdienten sich Schmidt und Zintl, die mit Motorsäge und -sense umsichtig und professionell viel leisteten. Das Innere des Gotteshauses ist baufällig und kann noch nicht betreten werden, jedoch wurde der Sakristeianbau schon von Bewuchs befreit. Zur angetretenen 23-köpfigen Mannschaft gesellten sich zwei Erwachsene und drei Jugendliche von den Pfadfindern St. Georg aus Marktredwitz und sechs eritreeische Flüchtlinge aus Waidhaus hinzu. Auch Konrad Uschold aus Oberlind war ganztags mit im Einsatz. So rodeten die Freiwilligen auch das Umfeld der Kirche von Neuzedlisch und entfernten aus dem Inneren der Kirche altes Laub, Bauschutt, Baumaterialien und Staub. Nach getaner Arbeit stimmte Uschold mit einer kleinen Gruppe das „Großer Gott, wir loben dich“ in Deutsch und Tschechisch an. Lange muss es wohl her gewesen sein, dass in der verfallenen Kirche solche Töne erklangen. Auch beim Sprachengewirr aus tschechisch, deutsch, englisch und eritreeisch gab es "ein kleines Pfingstwunder", wie der Waidhauser Kirchenpfleger Zeug es umschrieb: "Alle haben sich verstanden." Da das Umfeld des alten Gotteshauses schon weitgehend gesäubert war, konnten sowohl Altar, als auch Gartenbänke, unterhalb des Kriegsmahnmals, Richtung Friedhof, aufgestellt werden. Pfarrer Hartl zitierte ein Bekenntnis von Vaclav Havel, dem früheren Staatspräsidenten von Tschechien: “Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
Hoffnung brauche also keine großen Zahlen. „Nur zwölf Apostel des Jesus von Nazareth wurden als Botschafter ausgesandt, und heute ist das Christentum die größten Religion mit über zwei Milliarden Anhängern weltweit.“ So könne auch ein kleiner Verein, wie Omnium Z. S., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, verfallende Kirchen und Denkmäler zu retten, Großes bewirken. Ein Sammelglas, das durch die Reihen gereicht wurde, war am Schluss nicht halb leer, sondern ganz sicher halb voll. Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen war extra aus München angereist, und konnte mit ihrer Mehrsprachigkeit alle Texte unmittelbar ins Tschechische übersetzen. So auch die Worte der stellvertretenden Ortsbetreuerin Frau Emma Weber.
Natürlich waren auch die aktuellen Friedhofspfleger, Kaas und Grötsch gekommen, sowie etliche der bisherigen Helfer bei den zwei Workcamps. Auch eine mehrköpfige Gruppe des Familiennamens „Schön“ mit Vorfahren aus der Gegend und der Waidhauser Kirchenpfleger Zeug nahmen teil.
Waidhaus
18.07.2018 - 13:32 Uhr
Hoffnungsvolles Werk
von Josef Forster
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