11.01.2019 - 12:50 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Kaiser-Besuch vor 700 Jahren

Von wegen Sage oder Märchen - Kaiser Ludwig IV. hat vor 700 Jahren in der Waldecker Burg übernachtet. Den Beweis liefert Hans Lukas, dem dafür seine Beziehungen zur Uni Bayreuth und sein gutes Gedächtnis zugute kommen.

von Hans LukasProfil

An diesem Wochenende jährt sich das Ereignis, dass zunächst nicht bekannt und dann auch sehr stark angezweifelt worden war, zum 700. Mal. Das der Besuch Ludwigs IV. genannt vom 12. bis 13. Januar auf der Burg Waldeck überhaupt ans Tageslicht kam - dafür war die 1000-Jahr-Feier der Stadt Kemnath vor elf Jahren der Auslöser.

Dazu wollten die Waldecker ebenfalls einen Beitrag leisten. Oberpfalz-Medien-Mitarbeiter Hans Lukas, der sich schon langem mit der Geschichte von Waldeck beschäftigt, machte sich auf die Suche. Ihm war aus dem Heimat- und Sachkunde in der Volksschule noch in Erinnerung, dass auch einmal ein Kaiser auf der Burg zu Besuch war. Dies stehe, so erfuhren es die damaligen Schüler, in einer Chronik der Volksschule Waldeck. Diese konnte der Waldecker allerdings nicht ausfindig machen.

Lukas war damals noch an der Universität Bayreuth beschäftigt und hatte dadurch auch Kontakt zu Geschichtsprofessoren. Er wandte sich an Professor Dieter Weiß, einen anerkannten Historiker für das Mittelalter. Dieser durchforschte die Reisedokumente von Kaiser Ludwig, dem Bayern. Sie besagten, dass er von Amberg kommend auf dem Weg nach Böhmen war. Aufgrund der Wegstrecke sei es, so Weiß, durchaus möglich, dass er zum Nächtigen in Waldeck Station gemacht habe.

Der Ort gehörte damals zum Herrschaftsgebiet der Wittelsbacher und war die größte und mächtigste Burg im Bayerischen Nordgau. Ludwig, der viele Jahre seiner Jugend in der damals größten Burg der Oberpfalz in Burglengenfeld verbracht hat, gehörte ebenfalls den Wittelsbachern an. Weiß gab Lukas den Tipp, im Staatsarchiv in Amberg nachzufragen, um den Sachverhalt klarer belegen zu können.

Der Waldecker hat daraufhin Verbindung mit Amberg aufgenommen. Von dort kam schließlich die Mitteilung, dass der Kaiser tatsächlich auf der Burg Waldeck war: Es sei bekannt, dass er dort am 12. Januar 1319 zwei Urkunden ausgestellt hat, diese aber nicht vorhanden sind. Am Hauptstaatsarchiv München kam der Hinweis, dass die Urkunden im Staatsarchiv Bamberg vorhanden sein müssten. Von dort erhielt Lukas die Urkundentexte, die ihm der Bibliotheksdirektor der Bayreuther Uni, Dr. Rainer-Maria Kiel, vom Mittelhoch- ins Neuhochdeutsche übersetzte. Demnach hatte Kaiser Ludwig dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg die Burg Kolmberg und den Markt Leutershausen zum Lehen übergeben. Im zweiten Dokument teilt der Kaiser diese Schenkung seinem Bruder, Herzog Rudolf von Bayern, mit.

Damit war die Geschichte aus der Schulchronik, die viele als Sage abgetan hatten, historisch einwandfrei belegt. Und die Waldecker einen guten Grund, diese Tatsache bei der 1000-Jahr-Feier in Kemnath mit Stolz in mittelalterlicher Gewandung darzustellen. Weiter nahmen sie das auch zum Anlass, in Waldeck ein großes Ritterfest auf dem Schlossberg zu veranstalten.

Bei der 1000-Jahr-Feier in Kemnath stellen die Waldecker den Besuch von Kaiser Ludwig in mittelalterlicher Gewandung dar. Das Herrscherpaar verkörpern dabei Hans und Sieglinde Lukas (vorne, Mitte).

Hintergrund:

Tod bei der Jagd

Ludwig der Bayer wurde am 1. April 1282 in München geboren. Er wurde am 2. Februar 1294 Herzog von Bayern (unter Vormundschaft seines älteren Bruders Rudolf) und am 20. Oktober 1314 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt. Die Krönung erfolgte am 25. Oktober des gleichen Jahres in Aachen. Sein Eingreifen in Norditalien entfachte einen Konflikt mit dem Papsttum, weshalb am 17. Januar 1328 in Rom eine „papstfreie“ Krönung zum römisch-deutschen Kaiser erfolgte. Er starb am 11. Oktober 1347 bei einer Jagd bei Kloster Fürstenfeld.

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