31.08.2021 - 15:48 Uhr
WaldershofOberpfalz

Kösseinehaus ein Garant für weiten Blick und leibliches Wohl

Die Kösseine mit dem Haus des Fichtelgebirgsvereins ist schon seit über einem Jahrhundert das Ziel vieler Gäste und Einheimischer. Dafür sorgt nicht zuletzt das kulinarische Angebot.

Seit gut zwei Jahrzehnten präsentiert sich das Kösseinehaus im für das Fichtelgebirge einmaligen Kleid aus Lärchenschindeln.
von Autor FPHProfil

Von Wolfgang Neidhardt und Dietmar Herrmann

„Hier finden Sie die schönste Toilette im gesamten Fichtelgebirge.“ Dieser Werbespruch stammt natürlich nicht aus einer offiziellen Werbung für die Region. Aber er kommt häufig von Stammgästen des Kösseinehauses. Und er ist wohlbegründet: Seit gut 20 Jahren präsentiert sich die Örtlichkeit im 933 Meter hoch gelegenen Unterkunftshaus des Fichtelgebirgsvereins (FGV) in einmaligem Gewand, komplett gefliest mit dem blauen Kösseine-Granit, der an der Südseite des Berges abgebaut wird.

Improvisieren erlaubt

Es gibt aber noch deutlich reizvollere Gründe, den Hausberg von Wunsiedel, Marktredwitz, Tröstau, Nagel und natürlich Waldershof zu besteigen. Neben den vielfältigen Anstiegswegen und dem Rundumblick vom Aussichtsturm über dem darunterliegenden kleinen Blockmeer hat sich die herzliche Bewirtung durch Regina Rothenberger und ihr Team herumgesprochen. Sie hat die Gastronomie im Blut, ist sie doch aufgewachsen im elterlichen Hotel in Bad Alexandersbad. Rothenberger weiß, was ihre Besucher, darunter viele Stammgäste, wollen – und lässt sich auch in schwierigen Zeiten wie den vergangenen eineinhalb Jahren einfach etwas einfallen.

So organisierte Regina Rothenberger in der Zeit der erzwungenen Schließung kleine Verkaufsbuden – mit Unterstützung nicht zuletzt durch den Wunsiedler Bürgermeister Nicolas Lahovnik. Und sie bewies Improvisationstalent: Als eine Abstandsregel von 1,50 Metern galt, kochte sie im Kösseinehaus mit ihrem Team, brachte die fertigen Gerichte in die unterhalb des Gipfels liegende Hütte des FGV Bad Alexandersbad und wärmte dort – den Vorschriften entsprechend – das Essen noch einmal auf.

Pflicht auf der Karte

„Auf der Speisekarte sind drei Sachen Pflicht: Schnitzel, Currywurst und Käsespatzen,“ sagt die Wirtin. Dazu kommt Traditionelles wie Braten, auch mal vom Wild oder von der Gans, ebenso wie Vegetarisches, etwa Gemüsetaler – und ein Salatangebot, das wohl seinesgleichen sucht. „Viele Besucher kommen alleine deshalb öfter herauf“, berichtet Rothenberger. Zehn verschiedene Salatsorten bietet sie fast immer an: Natürlich mit Dressing, das ebenso hausgemacht ist wie die Beilagen und Soßen. Gutes hat seinen Preis. Doch mit dem will, gerade im Blick auf die Stammgäste, behutsam umgegangen werden: „Ich halte den Preis für ein Bier unter drei Euro“, sagt Regina Rothenberger.

Auf diesen Grundlagen verlassen nahezu alle Gäste zufrieden das Haus. In diesem Jahr könnten es einige mehr sein. „Die Leute sind verunsichert, zum einen von den Hygienebestimmungen und zum zweiten durch unseren durchwachsenen Sommer“, bilanziert die Wirtin.

"Das hier ist meine Welt"

Außer dem Ruhetag Montag und im Winter Dienstag lädt das Haus zur Einkehr und auch zur Übernachtung ein. Im November nimmt Rothenberger dann den dringend notwendigen Urlaub. „Bis in den Herbst hinein sind unsere Schlafplätze am Wochenende ausgebucht“, freut sie sich. „Ich bin zufrieden. Das hier ist meine Welt. Im vergangenen Winter war ich einen einzigen Tag mal nicht im Haus.“

Zu tun gibt es immer etwas. Denn die Versorgung mit Strom, Wasser und auch einem stabilen Internet ist auf dem Kösseinegipfel nicht so einfach wie im Tal. Doch neben der Stadt Wunsiedel und der Versorger vom SWW kümmert sich auch FGV-Hüttenwartin Birgit Schelter höchst engagiert um das Haus. „Ein Anruf genügt“, freut sich Regina Rothenberger über die gute Zusammenarbeit mit dem Heimatverein.

Der hat vor etwa einem Vierteljahrhundert ein Zeichen gesetzt. Am Kösseinehaus gab es enormen Sanierungsbedarf. Der damalige Hüttenwart Winfried Pfahler vom FGV-Ortsverein Wunsiedel startete eine große Spendenaktion. Am Ende wollte und konnte fast kein Handwerker mehr nein sagen, als es darum ging, das Haus rundum zu sanieren und zu verschönern – unter anderem mit einem im Fichtelgebirge einmaligen Kleid aus Lärchenschindeln, das engagierte Helfer des FGV in wochenlanger Arbeit anpassten. Die Arbeit geht dem FGV natürlich nicht aus, ebenso wenig wie Wirtin Rothenberger. Aber der würde wohl ohne das Haus und ihre zufriedenen Gäste vieles fehlen.

Die Wasserleitung zum Kösseinehaus hat der FGV kürzlich erneuert

Waldershof
Das Vereinszimmer ist bereits vor deutlich über 100 Jahren entstanden.
Hintergrund:

Geschichte des Kösseinehauses

  • Erster Vorgänger des heutigen Kösseinehauses war wohl ein Unterstand, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts für die Spazierritte des preußischen Königspaares Luise und Friedrich Wilhelm III. gebaut worden sein dürfte.
  • 1833 wird von einer Hütte berichtet, die am höchsten Platz an eine Felswand angebaut war.
  • Ein halbes Jahrhundert später bauten Mitglieder der damaligen Sektion Fichtelgebirge des Deutschen Alpenvereins (DAV) an der Südseite des Gipfels eine Schutzhütte für 80 Personen. Deren Steinsäulen sind heute noch zu erkennen. „Es gab Bier, Backsteinkäse und Hartwurst“, berichtete ein Chronist.
  • Wegen Baufälligkeit beschlossen die FGV-Ortsgruppen Marktredwitz und Wunsiedel um die Jahrhundertwende den Bau einer Blockhütte, die am 24. Mai 1903 eingeweiht wurde. Das heutige Vereinszimmer und die sechs Schlafräume sind schon damals entstanden. Der Trakt musste 1977 neu aufgebaut werden.
  • 1955 entstand die Terrasse. Es folgten Sanierungen von Küche, Trinkwasserversorgung und weitere Verbesserungen nach einer großen Spendenaktion. Deutlich über eine viertel Million Euro wurde von 1998 bis 2001 auf dem 939 Meter hohen Gipfel der Kösseine investiert.

"Im vergangenen Winter war ich einen einzigen Tag mal nicht im Haus.“

Wirtin Regina Rothenberger

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.