13.04.2020 - 11:44 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Behelfs-Krankenhaus für den "Fall der Fälle"

Gespenstisch und bedrückend ist die Stimmung. Und die kaum befahrene Egerer Straße vor dem Gebäude verstärkt dieses Gefühl noch. Menschenleer ist das Krankenhaus Waldsassen.

Geräumt ist das Haus Waldsassen der Kliniken AG. Die Räumlichkeiten werden auch im Zusammenhang mit der Verlegung von Corona-Patienten genannt.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Bereits am 21. März war die Orthopädie-Reha geräumt worden. "Uns Pflegekräften blutete das Herz", so eine Mitarbeiterin, als die letzten verbliebenen Patienten nach Hause entlassen wurden, zum Teil einige Tage vor dem offiziellen Therapie-Ende. "Ich bin nicht eingebunden", erklärt Bürgermeister Bernd Sommer zur aktuellen Situation vor dem Hintergrund der besonderen Gegebenheiten. Die Planungen laufen laut Sommer über den Rettungsdienst und über den Katastrophenschutz.

Weiden in der Oberpfalz

Für den, so Sommer, "Fall des Falles" stehe das ehemalige Krankenhaus Waldsassen nun bereit für die Behandlung von Corona-Patienten, "als Behelfshaus. Aber wann das passiert, kann keiner sagen." Die Frage werde dann aber sein, woher das Personal dafür kommen solle.

"Ich hoffe auf alles und muss alles fürchten", sieht Sommer das frühere Krankenhaus vor einer ungewissen Zukunft. Nun seien aus der Krise heraus Fakten geschaffen worden. Doch Sommer wünscht sich, dass die bisherige Reha-Klinik auch "nach Corona" eine solche bleiben wird.

Corona-Patienten in Vohenstrauß und in Erbendorf

Erbendorf

Fakten aus der Krise heraus

Außerdem soll das Haus bekanntlich zum IGZ umfunktioniert werden, wobei die Abkürzung für "Intersektorales Gesundheitszentrum" steht. Der Bürgermeister wünscht sich ein Umdenken im Hinblick auf die Krankenhaus-Landschaft. Dabei geht es Sommer ausdrücklich nicht um das Handeln der Verantwortlichen vor Ort. "Das ist große Bundespolitik."

Erkenntnis für Zeit nach Corona

Nun zeige sich, dass dezentrale Strukturen von größter Bedeutung und Reserven nötig seien. "Das ist die Erkenntnis, die sich vielleicht später in einer Zeit nach Corona verankern sollte." Denn im Hinblick auf die Patientenversorgung sei die Bevölkerung bereits jetzt schon schlechter gestellt als in den Ballungszentren.

"Das ist große Bundespolitik"

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Strukturelle Änderungen: Nichts entschieden

"Aufgrund der aktuellen Corona-Krise finden immer wieder neue strukturelle Entscheidungen innerhalb der Kliniken Nordoberpfalz AG statt, um alle Ressourcen des Unternehmens bestmöglich auszunutzen", schreibt Vorstand Dr. Thomas Egginger zur aktuellen Situation in Waldsassen. "Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass durch diese immer wieder stattfindenden, strukturellen Änderungen Ängste entstehen, weil die Kliniken Nordoberpfalz AG, unabhängig von der Coronakrise, ohnehin neu strukturiert bzw. saniert werden muss." Der Vorstand weist aber ausdrücklich darauf hin, dass es zu dauerhaften strukturellen Änderungen noch keine abschließenden Festlegungen seitens des Vorstands oder des Aufsichtsrats gebe. Der Sanierungsplan für die Kliniken Nordoberpfalz AG werde gerade erarbeitet und im nächsten Schritt dem Aufsichtsrat vorgestellt. (pz)

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