08.09.2019 - 08:45 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Darmkrebs mit Daten bekämpfen

Bei dem EU-Projekt "Revert" will ein Experten-Team die Therapie für Darmkrebspatienten verbessern. Eine große Rolle spielen dabei genetische und biologische Informationen. Darum kümmert sich BioVariance aus Waldsassen.

Projektbesprechung bei BioVariance: Geschäftsführer Josef Scheiber (Dritter von rechts) und Projektmanagerin Helen Rießbeck (links, stehend) tauschen sich mit Softwareentwicklern, Datenanalysten und Biologen zum EU-Projekt „Revert“ aus.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Ein Jahr an intensiven Vorbereitungen hat sich für BioVariance aus Waldsassen ausgezahlt. Das Bioinformatik-Unternehmen erhielt die Zusage, bei einem Kooperationsprojekt der EU dabei zu sein. Ziel des Projekts "Revert", das zum übergeordneten Programm "Horizon 2020" gehört, ist eine bessere, zielgerichtetere Therapie für Darmkrebspatienten. Koordiniert wird das EU-Projekt von Rom aus, insgesamt nehmen 14 internationale Partner teil. Neben den Oberpfälzern gehört die Bundesanstalt für Materialforschung in Frankfurt zu den wenigen deutschen Partnern des EU-Projekts.

Insgesamt arbeiten an "Revert" Unikliniken, Universitäten, Biologen, Softwareentwickler und Datenanalysten aus Schweden, Spanien, Italien, Deutschland, Luxemburg und Rumänien. Rund 2000 Darmkrebspatienten aus der gesamten Europäischen Union beteiligen sich daran. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von sechs Millionen Euro und läuft über vier Jahre. Start ist im Januar 2020.

"Revert", für das BioVariance 250 000 Euro zur Verfügung gestellt bekommt, ist das erste EU-Projekt dieser Größenordnung für das Oberpfälzer Unternehmen. "Es ist sehr schwierig da reinzukommen", erklärt Projektmanagerin Helen Rießbeck. Der bürokratische Aufwand sei sehr groß. Doch die Oberpfälzer meisterten das zweistufige Auswahlverfahren. Ins Spiel gebracht hat das Waldsassener Unternehmen ein Kooperationspartner aus Frankfurt.

BioVariance steht dem Projekt als Dienstleister zur Seite. "Unsere Spezialität ist die Plattform mit den Algorithmen", sagt Josef Scheiber, Gründer und Geschäftsführer des Bioinformatik-Unternehmens. Mit der Einrichtung eines intelligenten Managements von Patientendaten kann vielen Darmkrebspatienten besser geholfen werden, erläutert Scheiber. Gesammelt werden genetische und andere biologische Informationen über den Patienten und dessen Tumor. "Je mehr man den Darmkrebs versteht, desto besser kann man ihn behandeln." Aufgrund der großen Datenmengen können Muster erstellt und ähnliche Krankheitsverläufe erkannt werden. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was hat bei Patienten mit ähnlichem Hintergrund am besten geholfen?

Anhand der Muster wollen die Experten vorhersagen können, was die bestmögliche Therapie für den Patienten ist und wie sich der Tumor weiterentwickelt. Ein wichtiges Unterfangen, denn: "Krebs ist nicht gleich Krebs. Es gibt sehr viele Subgruppen", sagt Scheiber. "In der Behandlung tut sich unheimlich viel. Gerade in den vergangenen Jahren kamen sehr viele neue onkologische Medikamente auf den Markt", weiß Rießbeck.

Schlagwort Präzisionsmedizin: Insbesondere sollen den Patienten individuell abgestimmte Medikamente verabreicht werden. "Das Programm ersetzt natürlich keinen Arzt", betont der Geschäftsführer. "Es soll den Arzt unterstützen, besser und schneller Entscheidungen zu treffen."

"Unsere Hauptarbeit spielt sich in den ersten beiden Jahren ab", erklärt er den zeitlichen Ablauf. Mit der Datenanalyse und der Entwicklung der Plattform werden bei BioVariance insbesondere Projektmanagerin Helen Rießbeck sowie zwei Datenanalysten und ein Softwareentwickler zur Unterstützung beschäftigt sein. Die BioVariance-Mitarbeiter besuchen insgesamt sechs internationale Projekt-Meetings. "Ein sehr spannendes Projekt", finden die Waldsassener, denn verschiedene Experten aus ganz Europa arbeiten interdisziplinär zusammen.

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