06.08.2019 - 16:33 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Entscheidungen mit Bauchgefühl

Die Waldsassener Künstlerin Christine Böhm schildert am Beispiel ihres eigenen „Gedanken-Gartens“, was für sie eine gelungene Deko fürs Freie ausmacht.

Zwei, die sich gefunden haben: Mundgeblasenes Lamberts-Glas und Schiefer.
von mvsProfil

„Als ich diesen Garten zum ersten Mal betreten habe, dachte ich: ,Schnell wieder weg’“, erinnert sich Christine Böhm lachend an einen Moment, der zehn Jahre zurück liegt und nicht mehr nachvollziehbar scheint. Denn wie der Prinz im Märchen küsste die Waldsassenerin den heutigen „Gedankengarten“ in Sichtweite der Basilika wach. Er gehört zu ihrer „Stadelgalerie“ dazu wie zu Dornröschen die Spindel. „Für mich ist das jetzt ein Erholungsort, und natürlich Ausstellungsraum unter freiem Himmel für meine Schieferarbeiten, die ich unter anderem mit Lamberts-Glas und Kalligraphie verbinde.“

Altes ohne Charme fliegt raus:

Auf dem Gelände drängten sich, neben der Scheune von kathedralenähnlichem Ausmaß, ein verfallener Holzschuppen, Hasenställe, verrostete Eggen, Sensen und Pflüge, ineinander verhakt und eingewachsen unter Disteln und Dornen. Mit Hilfe ihrer Familie riss Christine Böhm radikal ab, was die Sicht versperrte. Ohne alles zu entsorgen oder einer seelenlosen Baumarkt-Ästhetik Tür und Tor zu öffnen: „Die freigelegten Grundmauern des Schuppens trennen heute Beete und Wege. Tonrohre, die wir kiloweise im Boden gefunden haben, habe ich zu einem Mäuerchen gestapelt“, zeigt die 45-Jährige auf einen sonnenbeschienenes Eck, das sich nahtlos ins große Ganze einfügt. In einer gegossenen Betonstufe ruhen Schiefersplitter, Zeugnis ihrer Arbeit. Alles Fundstücke. Wie zufällig. Und doch gesehen, in neuem Zusammenhang gedacht und gewollt.

Die innere Stimme:

„Von Masha Kaleko (eine deutschsprachige Dichterin der Neuen Sachlichkeit, Anm. d. Red.) gibt es einen Spruch, der meine Haltung gut auf den Punkt bringt: ,Wer Du auch seist, nur eines: sei es ganz.‘“, schreibt Böhm immer wieder für ihre Kunden auf Tafeln. Besucher bestätigen, dass Garten und Stadelgalerie zu allen Jahreszeiten stimmig und harmonisch wirken, und dabei höchst individuell. Wie gelingt ein so authentischer Stil? „Ich dekoriere nicht bewusst, sondern stelle zusammen, was für mich zusammen gehört“, erklärt Böhm. „Aber wenn ich so nachdenke, gibt es schon Grundregeln: Erstens höre ich immer auf meine innere Stimme: Wenn mir etwas spontan gefällt, darf es bleiben – wenn nicht, dann nicht. Da bin ich konsequent“, ermutigt sie zu Entscheidungen mit Bauchgefühl und klarer Kante.

Alles weitere fügt sich:

Etwas in den Mittelpunkt zu rücken, das einem ganz besonders gut gefällt, lädt ebenfalls Passendes wie von selbst ein, sich dazu zu gesellen: „Am liebsten ist mir persönlich der Schiefer in seinen Schattierungen Grau und Schwarz. Ich packe mir ja selbst in den Urlaubskoffer ein paar Platten ein, weil ich ohne gar nicht mehr sein kann“, erzählt Böhm schmunzelnd.

Dazu passen alle Naturmaterialien wie Gräser, Moos und Holz. „Theoretisch lässt sich wohl ableiten, dass man bei Arrangements innerhalb eines bestimmten Farbspektrums bleiben kann oder sollte – aber ganz eigentlich ist das Zentrum, meine Liebe zu diesem Stein.“

Der „Gedankengarten“ in der Brauhausstraße 16 ist donnerstags von 15 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Weitere Informationen gibt es auf www.waldsassen-boehm.de.

Die 45-jährige Waldsassenerin Christine Böhm – hier in ihrer Stadelgalerie – arbeitet am liebsten mit Schiefer.
Der Garten von Christine Böhm funktioniert sommers wie winters.
Glas-Schiefer-Arbeiten, Metall und Steine, dazu Immergrünes wie Buchs.
Die mit gefundenen Tonröhren gestaltete Mauer...
... lädt nicht nur zum Hinsetzen ein.
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