30.07.2020 - 10:40 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Im groben Klotz die Kunst erkennen

Wolfgang Horn greift für seine Skulpturen zu tonnenschwerem Naturmaterial. Skurrile, ungewöhnliche Baum-Formationen animieren den gelernten Schreiner zur Umsetzung in Kunst. Das können auch Anfänger lernen.

von Ulla Britta BaumerProfil

Wolfgang Horns Garten ist ein Kunstwerk für sich. Unter Bäume, Sträucher oder Blumenrabatte passen sich viele seiner künstlerischen Arbeiten wie gewachsen ins Naturidyll ein. Nichts wirkt aufgesetzt oder überladen. Horns Kunst und die Natur harmonisieren auf eine Weise, als sei das nie anders gewesen auf diesem Fleckchen grüne Erde.

Das liegt am Werkstoff, den sich Horn für sein kreatives Wirken aussucht. Der gelernte Schreiner widmet seine Leidenschaft den mächtigen Holzstämmen, die für ihn, allein in ihrem Dasein, Kunstwerke sind. "Viele Leute kommen immer wieder auf mich zu und zeigen mir, wo ein alter Kirschbaum gefällt werden muss oder ein Apfelbaumstamm nicht gebraucht wird", erklärt Horn, wie er zum gewichtigen Grundstock seines Wirkens kommt.

Mit offenen Augen

Damit ist für Hobbykünstler, die mit Holz arbeiten wollen, der erste Rat getan. "Mit offenen Augen durch die Natur gehen", rät Horn als die wichtigste Aufgabe. Mächtige Waldbaumwurzeln oder skurrile Baumstammformationen sollte man sich sichern, bevor es ein anderer tut.

Regel Nummer 2: Liegen lassen und auf sich wirken lassen. Dann, so Horn, könne man sich von deren Struktur und Eigenart inspirieren. "Manchmal ist weniger mehr." Er räumt ein, dass die größte Schwierigkeit dabei erst einmal der Transport sei. In seinem Holzarsenal lagern Obstbaumstämme in sämtlichen Varianten. "Und das kann dauern, bis sie zum Kunstwerk werden", betont der Künstler.

Holz lange trocknen

Lektion Nummer 3: "Geduld." Damit die Kunst später nicht rissig wird, muss Holz lange trocknen, was teils sechs, sieben Jahre dauern kann. Dabei, sagt Horn, solle der Werkstoff aber weiter beobachtet werden. Für den weiteren Schritt hin sei es erforderlich, die Rinde zum richtigen Zeitpunkt abzuschälen.

Horn mag besonders gern jene Elemente, die auf dem ersten Blick bereits Kunst in sich bergen. "Ein Astloch oder eine Spalte im Stamm kann man mit Glas oder Metall gestalten", erklärt er, wie das eher grobe Material mit kreativem Blick und wenigen, einfachen Hilfsmitteln Kunst wird. Horn nutzt hierbei die regionalen Ressourcen. Buntglas holt er sich von der Glashütte Lamberts, wo das wertvolle Glas hergestellt wird.

Kunst zum Anfassen

Aber ein Schritt nach dem anderen: Holz muss gewässert werden. "Dann erst stellt es seine Fasern auf und die Struktur entfaltet ihre ganze Schönheit." Die Oberflächenbehandlung kann mit einem Pinsel oder Schwamm erledigt werden. Durch die Wässerung "kitzelt" der Künstler die feinen Holzmaserungen heraus. "Meine Kunstwerke darf man anfassen, um sie zu be-greifen", betont Horn, der selbst gern über die glatten Holzstrukturen streicht.

Ist die Maserung gut sichtbar, folgt die Versiegelung mit Wachs oder Öl. "Oder man belässt das Holz, wie die Natur es geschaffen hat."

Geht es ums Handwerkszeug, ist nicht viel notwendig. Aber Qualität muss sein. "Mit Billigwerkzeug hat keiner lang Freude", rät der Skulpturenbauer. Er benutzt einen Exzenter als Schleifgerät, Raspel und Kettensäge gehören dazu. "Kettensägen aber bitte ja nicht ohne vorherigen Kurs einsetzen", warnt er vor unvorsichtigen Aktionen, die böse ausgehen können. Jetzt fehlt nur noch der richtige Standort, damit die Holzskulptur ein Hingucker wird.

Zurück auf Anfang: Ein Garten, wie erwähnt, bietet sich hervorragend für derartige XXL-Kunst an. "Es geht aber auch kleiner", möchte Wolfgang Horn den Anfängern mit weniger Platz auch Mut machen, mit Holz zu arbeiten. Zwischen seinen großen Werken finden sich überall kleinere Exemplare, die aber deshalb nicht weniger kunstvoll sind.

Vita:

Wolfgang Horn

Wolfgang Horn war 16 Jahre lang als gelernter Möbelschreiner tätig. Jetzt arbeitet er als Prokurist in einem Möbelhaus in Tirschenreuth und widmet sich seiner Leidenschaft privat als Künstler. Dabei belässt er das Material Holz in seiner einzigartigen Formgebung und lässt sich bei der Arbeit davon leiten.

Als geeignete Baumarten verwendet Horn Kirsche, Apfel, Zwetschge, Fichte und manchmal Eiche. Inzwischen übt sich Horn auch in unterschiedlichen Maltechniken und versucht sich in großflächigen Gemälden in Acryl. Die Farben setzt er manchmal auch bei seinen Holzskulpturen ein.

Horn präsentierte seine Werke bereits in mehreren Ausstellungen im Landkreis Tirschenreuth, in Weiden und in Pilsen. Er ist Mitglied im Oberpfälzer Kunstverein Weiden und Vorsitzender des Vereins „Kunsthaus Waldsassen“. Einige Skulpturen sind im „Kunsthaus“ dauerhaft ausgestellt. (ubb)

Wolfgang Horn im "Kunsthaus"-Schaufenster

Waldsassen
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