26.10.2018 - 09:19 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kloster Waldsassen: Gott und Geld und viele Gäste

Leere Kassen, baufällige Gebäude: Anfang der 90er Jahre stand der Konvent der Zisterzienserinnen-Abtei in Waldsassen (Kreis Tirschenreuth) vor dem Aus. Mit der Berufung der jungen Schwester Laetitia Fech zur Äbtissin kam der Wandel.

von Reiner Wittmann Kontakt Profil

"Gott und Geld sind keine Konkurrenten", sagt die Ordensfrau fast ein viertel Jahrhundert später. Zwischenzeitlich hat sich das Kloster grundlegend verändert. Die Abtei wurde generalsaniert, das KUBZ, ein "Kultur- und Begegnungszentrum", geschaffen und das Gästehaus St. Joseph errichtet. Klar, der Glaube spielte immer die zentrale Rolle an diesem Ort der Besinnung und Einkehr. Doch auch Geld musste her, um die Gebäude zu erhalten und Neues wagen zu können. "Wir haben natürlich staatliche Förderungen des Landes und Bundes als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung bekommen und viele Spenden erhalten", zeigt sich die Äbtissin dankbar und blickt auf bewegte Jahre zurück, die ihr und ihren sieben Mitschwestern viel Einsatz abverlangten. Von Anfang an war das Ziel jedoch, ein Gebilde zu konstruieren, das auch betriebswirtschaftlich funktioniert, aus eigener Kraft.

Das hat plausible Gründe: "Wir stehen in der Verantwortung für viele Menschen", erklärt Schwester Laetitia. Als Äbtissin ist sie nicht nur geistliche Mutter des Konvents, sondern auch Führungskraft für rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die arbeiten im KUBZ (dem eine "Umweltstation" samt "Naturerlebnisgarten" angeschlossen ist), im Gästehaus (mit Klosterladen), aber auch in der Waldsassener Mädchenrealschule, die ebenfalls von den Zisterzienserinnen betrieben wird. All das will verwaltet und wirtschaftlich geführt werden.

Ausgeglichenes Ergebnis

"Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal in meiner 23-jährigen Amtszeit keine roten Zahlen geschrieben", erklärt die Äbtissin, stolz auf eine Leistung, an der viele mitgewirkt haben. Die Veränderungen der vergangenen Jahre tragen damit auch monetäre Früchte. Gott und Geld sind eben keine Konkurrenten.

"Materielles ist grundsätzlich nicht schlecht. Die Frage ist, wie gehe ich mit den uns geschenkten Gütern um? Was mache ich mit dem Geld? Jeder darf alles haben, was er braucht", sagt die Ordensfrau und beruft sich auf den Heiligen Benedikt, nach dessen Regeln auch die Zisterzienserinnen (als Reformorden der Benediktiner) leben, "aber der Mensch darf das Maß nicht verlieren". Um die Anhäufung irdischer Besitztümer geht es den Waldsassener Schwestern also nicht, sie haben ein Armutsgelübde abgegeben. Man will aber auch nicht auf Kosten anderer leben, sondern eine solide wirtschaftliche Basis schaffen, für die Menschen und Güter, für die die Abtei in der Verantwortung steht.

"Ora et labora", bete und arbeite, verlangte Benedikt von seinen Mitbrüdern. "Ora et labora" ist auch ein Grundsatz, nach dem die Zisterzienserinnen von Waldsassen leben. Er steht für den Ausgleich zwischen Gott und Geld, für Maßhalten, für den Glauben an eine höhere Macht, dafür, dass man durch sein Tun Irdisches verändern kann. "Wir leben von unserer Hände Arbeit", sagt Schwester Laetitia und legt Wert auf die Feststellung, dass "wir als Kloster nicht von der Kirchensteuer leben". Vor diesem Hintergrund will die Äbtissin die Veränderungen verstanden wissen, die die Abtei in den vergangenen Jahrzehnten erfahren hat. Dabei sieht sie den Konvent eng mit der Umgebung und den Menschen, die hier leben, verbunden. "Wir Zisterzienserinnen lieben den Platz, an dem wir wohnen", sagt sie. "Wir legen auch ein Gelübde der ,Stabilitas' ab, dass wir an diesem Ort bleiben bis zum Tod!"

Beliebtes Gästehaus

"In jedem Gast dienen wir Christus", fährt die Ordensfrau fort, und erklärt damit das Selbstverständnis des Gästehauses St. Joseph, das vor zehn Jahren ein neues Zuhause bekam. Zusammen mit dem angeschlossenen Klosterladen ist es die Haupteinkommensquelle des Konvents und damit wirtschaftliche Basis der Waldsassener Zisterzienserinnen. "Dabei hat uns jeder vom Bau abgeraten", erinnert sich die Äbtissin. Heute können sich die Klosterfrauen über eine Auslastung des Gästehauses von über 60 Prozent freuen - "und seine gute Küche ist längst kein Geheimtipp mehr." Sonntagmittag, schmunzelt sie zufrieden, gehe ohne Tischreservierung kaum was. Ins Selbstbild einer christlichen Gemeinschaft fügt sich auch eine Einrichtung wie das KUBZ perfekt ein, das mit seinen Kursen, dem Klostergarten und der Umweltstation auf "den drei Säulen Spiritualität, Bildung und Bewahrung der Schöpfung ruht". Entstanden ist es bereits 1998 und damit früher Ausdruck des Veränderungsprozesses, der in den 90ern einsetzte. "Umweltbildung passt in unser Weltbild. Sie ist ein Samenkorn dafür, dass man schützt, was man schätzt."

"Ora et labora": Alle Schwestern arbeiten in der einen oder anderen Form in den Einrichtungen des Klosters mit. Sei es als Lehrkraft und Konrektorin in der Mädchenrealschule, als Führerin in der Klosterbibliothek oder am Empfang des Gästehauses. Dort steht auch der Schreibtisch von Schwester M. Sophia. Die Ökonomie-Schwester - oder "Cellerarin" - war vor ihrem Eintritt ins Kloster in der Baubranche tätig. Die Erfahrungen, die sie dort sammeln konnte, schätzt auch die Äbtissin. "Sie hat das alles gut im Blick", zollt sie ihrer rechten Hand viel Anerkennung. Als Geschäftsführerin eines Unternehmens muss man sich auf seine Leute verlassen können. Was in der Wirtschaft gilt, trifft auch auf eine Klostergemeinschaft zu, die prosperieren soll. Schwester Laetitia setzt aber darüber hinaus auf Netzwerken: "Wir haben die Unterstützung vieler kompetenter Menschen, die sich in den Fachgremien engagieren, in der Baukommission, in der Schule, der Umweltstation. Das kommt uns zugute", freut sich die Äbtissin. "Ob Bürgermeister, Landrat, Diözese oder Orden - es gibt viele Menschen, die uns beistehen."

Video: Äbtissin Laetitia Fech führt durch die Zisterzienserinnen-Abtei in Waldsassen

Mühlenviertel

Von diesem engen Austausch profitiert aber nicht nur das Kloster, es profitieren die Menschen der Stadt und aus dem Landkreis: Für viele ist die Abtei Arbeitgeber, als Bauherr vergibt sie Aufträge an das regionale Handwerk, mit ihren Angeboten bringt sie anspruchsvollen Tourismus nach Waldsassen. Ihr Aufschwung steht in Wechselwirkung mit der Umgebung, gibt Impulse und setzt Zeichen: "In dem Maß, in dem sich das Kloster gewandelt hat, ist auch die Stadt aufgeblüht", habe der Bürgermeister vor Kurzem in einer Rede zum Ausdruck gebracht. Jüngster Beleg dafür, wie Stadt und Kloster zusammenarbeiten, Gott und Geld sich ergänzen, ist das "Mühlenviertel" der Abtei. Hier entsteht unter der Trägerschaft der Abtei und der Mitfinanzierung der Kommune ein Inklusionsprojekt mit 24 modernen Wohnungen, in die junge Familien, Senioren und Menschen mit Behinderung einziehen werden. "Ab 2019 wird das Areal vom Kloster an die Katholische Jugendfürsorge vermietet und von dieser betrieben", kündigt die Äbtissin an, "und mit großem Einsatz des Bezirks der Oberpfalz und des Sozialministeriums mitfinanziert werden." Sie ist sich sicher: "Dieses sanierte Areal wird das ,Gesicht' der Altstadt Waldsassens positiv verändern und beide - Abtei und Stadt - werden davon profitieren!"

Dem bayerischen Rundfunk hat der Klostergarten in diesem Sommer eine hohe Einschaltquote beschert:

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