12.05.2021 - 16:52 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mountainbiker und Jäger bei Hundsbach auf der Suche nach der besten Lösung

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Das Treffen wird kurzerhand wegen des widrigen Wetters in den Wald verlegt – am Rande des Mountainbike-Trails, die Ursache des Interessenskonflikts. Anton Schicker hat dort ein rot-weißes Flatterband gespannt, sicherheitshalber.

Hubert Schicker, Marina Schicker, Otto Hecht, Willi Robl, Anton Schicker, Ronny Seifert und Bastian Träger (von links) beim Ortstermin am Trail bei Hundsbach.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Es geht ein bisserl auf Konfrontation mit den Radfahrern", benennt Anton Schicker beim Ortstermin auf seinem Grundstück bei Hundsbach die Situation. Der Hobbylandwirt und Schafhalter hat auf der Fläche zwischen Wondreb und Waldrand einen Herdenschutzzaun errichten lassen. Der tangiert den Mountainbike-Trail im Staatswald neben dem Schloppacher Skihang eigentlich gar nicht. Doch der Weg geht weiter auf Schickers Privatgrund. Deshalb hat der Grundstückseigentümer ein rot-weißes Flatterband gespannt, damit nichts passiert.

Mit dem neuen Zaun schützt Anton Schicker seine Schafherde

Hundsbach bei Waldsassen

Beim Treffen dabei sind Schickers Jagdkollegen der Hegegemeinschaft Münchenreuth: Vorsitzender Hubert Schicker, Hundeführer Otto Hecht und Jagdherr Willi Robl. Sie alle sind nicht begeistert über das "vogelwilde Radfahren im Wald", wie Schicker im Hinblick auf die geplante Ausweisung von Mountainbike-Strecken in Waldgebieten rund um Waldsassen, darunter auch bei Hundsbach, nahe an Schickers Nutzflächen.

"Ansage" gleich zu Beginn

Zu dem Treffen gekommen sind auch Ronny Seifert und Bastian Träger. Sie gehören zur Waldsassener Biker-Szene, aus deren Reihen auch die zwölf Wege-Paten für die fünf verschiedenen Strecken kommen. Den Ortstermin vor Ort hatten sie mit einer Tour verbunden. Dort bekommen sie gleich eine "Ansage" von Anton Schicker, wie dieser formuliert: "Vor 20 Jahren wäre ich auch bei euch dabei gewesen. Ich wäre wahrscheinlich vorausgefahren, garantiert. Aber das geht halt jetzt nicht mehr."

"Da werdet nicht nur ihr fahren, da werden noch viel mehr kommen."

Anton Schicker über die Frequentierung der Strecken durch Biker

Schicker sagt zu den Bikern, er habe schon lange gesehen, dass sie über seine Wiese gefahren seien. "Kein Problem, bisher." Doch jetzt werde der Weg offiziell und, so die Befürchtung, "ein Magnet" für Mountainbiker. "Da werdet nicht nur ihr fahren, da werden noch viel mehr kommen", sagt er zu den beiden Bikern.

Kein privates Interesse

Schicker spricht für die Jäger und meint, diese wollten Mountainbiker nicht generell aus dem Wald vertreiben. "Die Jagd hat nicht nur mit Schießen zu tun", erklärt er den öffentlichen Auftrag und ergänzt: "Wir hegen und pflegen auch das Ganze." Es sei deshalb ärgerlich, meint Schicker, wenn ihm als Jäger privates Interesse unterstellt werde. Es seien die Setzzeiten von Vögeln und des Niederwilds zu berücksichtigen. "Da ist der Mensch ein Störfaktor", sagt Schicker und fügt hinzu: "Auch der Jäger." Insgesamt müsse ein Konsens gefunden werden.

"Die Trails sind bekannt und haben sich über die Jahre etabliert."

Ronny Seifert über die Mountainbike-Strecken rund um Waldsassen

"Die Trails sind bekannt und haben sich über die Jahre etabliert", erklärt Ronny Seifert über die Ausarbeitung der Strecken in Kooperation mit dem Staatsforst. "Deshalb war die Idee: Wir nehmen das als Kanalisierung." Die Jäger wenden ein, dass die Biker den ausgewiesenen Strecken nicht folgen würden – einer Ansicht, der Bastian Träger entschieden widerspricht.

Keine Gespräche mit Betroffenen

Genau deshalb würden die Strecken ausgewiesen – damit nicht weitere wilde Strecken entstehen, argumentiert Träger. "Kannst du einen greifen, der anders fährt?", wendet daraufhin Schicker ein. "Gehst du hin und sagst, du darfst hier nicht fahren?" Es gebe kaum Möglichkeiten, dies zu verhindern, auch für Jäger nicht.

Hegering-Vorsitzender Hubert Schicker bedauert, dass es vor der Diskussion im Stadtrat keine Gespräch mit den Land- oder Forstwirten und den Jägern gab. "Da hat man etwas verpasst." Vielleicht sei aber auch coronabedingt das Gespräch nicht gesucht worden. Ronny Seifert erzählt, dass es erste Gespräch über die Strecken schon vor über einem Jahr gegeben habe.

Verbissschäden

Jagdherr Willi Robl erklärt: "Der Trend mit dem Radfahren wird immer stärker." Es gehe dabei nicht um die Jäger, sondern ums Wild. "Es hat nirgendwo mehr Ruhe", so Robl in Anbetracht der Verbissschäden an Aufforstungsflächen. Und Otto Hecht ergänzt in Richtung Biker, dass zum Schutz des Wildes "draußen langsam Schluss sein sollte, wenn es finster wird".

"Der Trend mit dem Radfahren wird immer stärker."

Jagdherr Willi Robl

Hubert Schicker sagt, der Staatsforst habe den Strecken offenbar zugestimmt. Doch niemand kenne das Gelände so gut wie die Jäger und die Bauern. "Und die Radfahrer", fügt Ronny Seifert hinzu. Er greift spontan den Vorschlag von Hubert Schicker auf, zusammen nach Alternativen zu suchen. Hubert Schicker hatte zuvor angedeutet, dass Bauern und Jäger Trails wüssten, wo die Biker "ausflippen würden vor Freude".

Eine für alle tragbare Lösung

Das Angebot nimmt Seifert gerne an. "Wir könnten das gerne gemeinsam noch einmal sichten." Es sei auch das Begehren der Biker, dass eine für alle tragbare Lösung gefunden werde. Befürchtungen, wonach sich auswärtige Biker neue Trails im Waldgebiet suchen könnten, will Seifert nicht teilen. Die Strecken seien attraktiv angelegt, alternative Strecken müssten aber erst gesichtet und vorbereitet werden. "Das zweifle ich an, dass das jemand macht, wenn er nicht aus der Region ist."

Es dauere zwei Stunden, bis die historisch entstandenen Strecken abgefahren sind. „Da ist man eigentlich gut bedient." Ronny Seifert will für sich aber nicht in Anspruch nehmen, „dass es der Stein der Weisen ist, den Trail offiziell zu machen“. Aber der Weg sei vorhanden. „Jetzt müssen wir halt sehen: Passt er oder ist das keine gute Idee, lassen wir es illegal.“ Wichtig sei es, einen Konsens zu finden.

Weitere Alternativen

Im Gespräch werden noch Ideen für sportliche Angebote für Mountainbiker genannt. Dabei warnt Anton Schicker davor, das Problem auf andere Regionen abschieben zu wollen. Die Nutzung der Fourcross-Strecke auf dem Gelände des Turnvereins Waldsassen scheide als Option nach Gesprächen mit den Verantwortlichen aus, wie es heißt.

Hubert Schicker bringt eine Vernetzung mit den Trails bei Pechtnersreuth hinter der Grenze in Tschechien am Grünberg ins Spiel. Auch am Kohlberg bei Arzberg gebe es eine offizielle Strecke. All diese Angebote könnten, wie bei benachbarten Angeboten in Skiregionen, miteinander verknüpft werden.

Neues Angebot für Fahrradfreunde

Waldsassen
Um Nutzen und Schaden durch die Mountainbike-Trails durch die Wälder rund um Waldsassen ging es bei einem Treffen mit Vertretern der Jägerschaft und der örtlichen Biker-Szene.
Die Biker bekamen zu Beginn eine "Ansage" von Anton Schicker.
Ronny Seifert, Hubert Schicker, Anton Schicker, dessen Tochter Marina Schicker und Willi Robl (von links) beim Ortstermin am Bike-Trail.
Hintergrund:

Fahrverbot nachts und bei geschlossener Schneedecke

Bei der Stadtrats-Diskussion über die Mountainbike-Strecken rund um Waldsassen hatte Harald Hertel seitens der CSU-Fraktion Bedenken im Zusammenhang mit dem Schutzbedürfnis von Wildtieren. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien bekräftigt Hertel, der im Hauptberuf bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Plauen arbeitet, seine Äußerungen.

  • Das "Nachtfahrverbot", wonach die Trails nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang benützt werden dürften, war auf Anregung von Hertel in die Stellungnahme der CSU aufgenommen worden. Dies müsse dann aber auch vollzogen werden; allerdings hätten Jäger keine Polizeigewalt.
  • Auch bei geschlossener Schneedecke dürfen die Trails nicht benutzt werden, so eine weitere Anregung von Hertel. „Wenn wir nur einen Winter auf dem Papier haben, dann ist das nicht so krass“, so der Naturschutz-Experte im Hinblick auf eine schneearme kalte Jahreszeit. Wenn der Waldboden aber gefroren und schneebedeckt sei und Radfahrer kämen, „dann scheuchen die das Wild auf“, erklärt Hertel. Die Tiere verbrauchten dann Energie, mit der sie aber sparsam umgehen müssten; unnötiger Energieverbrauch führe zum Verbiss von Gehölzen.
  • Harald Hertel empfahl in der Sitzung auch, die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt zu Rate zu ziehen, im Hinblick auf die Belange des Artenschutzes. Anton Schicker erklärte nun beim Ortstermin, er habe von sich aus die Behörde informiert.
Kommentar:

Ein erster Schritt

Aus dem Kofferraum seines Autos heraus verteilt Anton Schicker am Ende des Treffens Bier und Cola an die Runde. Eine schöne Geste am Rand des neu gebauten Herdenschutzzauns. Sie scheint richtungsweisend, dass jetzt nach einem ersten Schritt weitere folgen dürften. Ganz nach dem Motto: „Mit’m Red’n kumma d’Leit zamm.“

Paul Zrenner

 

 

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